„Der menschliche Geist ist ein störrisches Biest“

INTERVIEW:

HBM Dezember 2016

Un­ter­neh­men ste­cken sehr viel Ener­gie in die För­de­rung von Viel­falt und Gleich­be­rech­ti­gung, den­noch las­sen die Er­geb­nis­se im­mer noch zu wün­schen üb­rig. Tun sie das Falsche, be­mü­hen sie sich nicht ge­nug – oder trifft bei­des zu?
BOH­NET Es ist von bei­dem et­was. Ehr­lich ge­sagt, ma­che ich mir mo­men­tan mehr Sor­gen um die Un­ter­neh­men, die das Rich­ti­ge tun wol­len, aber nicht wis­sen, wie. Oder schlim­mer noch: Sie ge­ben Geld für die Lö­sung des Pro­blems aus, ohne dass das viel be­wirkt. Vie­le US-Un­ter­neh­men füh­ren bei­spiels­wei­se Di­ver­si­ty-Schu­lungs­pro­gram­me durch, ohne je zu mes­sen, ob die­se tat­säch­lich funk­tio­nie­ren. Mein Kol­le­ge Frank Dob­bin in Har­vard und vie­le an­de­re ha­ben aus­ge­zeich­ne­te Un­ter­su­chun­gen zur Wirk­sam­keit die­ser Pro­gram­me durch­ge­führt, und lei­der sieht es so aus, als wür­den sie im Großen und Gan­zen nicht viel an der Ein­stel­lung än­dern, ge­schwei­ge denn am Ver­hal­ten. (Mehr dazu im Text „Wa­rum Di­ver­si­ty-Pro­gram­me schei­tern“ von Frank Dob­bin.) Ich emp­feh­le je­dem, der glaubt, über ein funk­tio­nie­ren­des Pro­gramm zu ver­fü­gen, des­sen Wir­kung tat­säch­lich ein­mal zu be­wer­ten und zu do­ku­men­tie­ren. Da­mit tä­ten sich alle einen großen Ge­fal­len. Ich habe es mir zur Missi­on ge­macht, Un­ter­neh­men, NGOs und Re­gie­rungs­be­hör­den da­von zu über­zeu­gen, die­sel­be Kon­se­quenz, die sie bei ih­ren Fi­nan­zent­schei­dun­gen und Mar­ke­tingstra­te­gi­en an den Tag le­gen, auch in der Per­so­nal­füh­rung wal­ten zu las­sen. Mar­ke­tinglei­ter set­zen schon lan­ge auf A/B-Tests, um zu se­hen, was funk­tio­niert und was nicht. Per­so­nal­ab­tei­lun­gen soll­ten das­sel­be tun.

Wie könn­te eine Di­ver­si­ty-Be­wer­tung aus­se­hen?
BOH­NET Es gibt ein tol­les Ex­pe­ri­ment, das dies sehr schön ver­an­schau­licht. John Do­vi­dio und sei­ne Kol­le­gen in Yale be­wer­te­ten da­mit die Wir­kung ei­nes An­ti­vor­ur­teils­trai­nings mit 61 ers­ten und zwei­ten Schul­klas­sen, die nach dem Zu­falls­prin­zip in zwei Grup­pen ein­ge­teilt wur­den. In rund der Hälf­te der Klas­sen wur­de vier Wo­chen lang über Ge­schlech­ter, eth­ni­sche Zu­ge­hö­rig­keit und kör­per­li­che Merk­ma­le ge­spro­chen, um bei den Kin­dern die Ak­zep­tanz ge­gen­über an­de­ren Men­schen zu för­dern. Die an­de­re Hälf­te er­hielt kei­ne Schu­lun­gen. Es stell­te sich her­aus, dass das Pro­gramm prak­tisch kei­nen Ein­fluss auf die Be­reit­schaft der Kin­der hat­te, mit an­de­ren zu spie­len oder Din­ge mit ih­nen zu tei­len. Das be­deu­tet je­doch nicht, dass man Kin­dern nicht mehr Ak­zep­tanz bei­brin­gen kann, son­dern nur, dass es un­glaub­lich schwie­rig ist, die Ein­stel­lung ei­nes Men­schen zum Po­si­ti­ven zu ver­än­dern. Um her­aus­zu­fin­den, was in die­ser Hin­sicht am bes­ten funk­tio­niert, müs­sen wir aber noch wei­te­re Da­ten sam­meln.
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