„Das Auto wird zum mobilen Arbeitsplatz“

INTERVIEW:

HBM November 2016

Car­los Ghosn hat Kri­sen­ma­na­ge­ment zu sei­nem Be­ruf ge­macht. Ihm wird das Ver­dienst zu­ge­schrie­ben, in den 90er Jah­ren zu­erst den fran­zö­si­schen Au­to­mo­bil­her­stel­ler Renault und dann den ja­pa­ni­schen Pro­du­zen­ten Nissan ge­ret­tet zu ha­ben. Seit mehr als elf Jah­ren ist der ge­fei­er­te Ma­na­ger nun CEO bei­der Kon­zer­ne.
Ghosn wur­de in Bra­si­li­en ge­bo­ren, ist im Li­ba­non auf­ge­wach­sen und hat in Frank­reich stu­diert. Er spricht vier Spra­chen (Fran­zö­sisch, Ara­bisch, Eng­lisch und Por­tu­gie­sisch) und steht ge­ra­de­zu sinn­bild­lich für die Glo­ba­li­sie­rung. Au­ßer­dem schafft er es ir­gend­wie, ein sehr pra­xis­na­her Ma­na­ger auf zwei Kon­ti­nen­ten zu­gleich zu sein.
Zu­dem ist er eine der be­kann­tes­ten Per­sön­lich­kei­ten der Bran­che. Weil es ihm ge­lang, Renault um­zu­struk­tu­rie­ren und wie­der in die schwar­zen Zah­len zu füh­ren, ver­dien­te er sich den Bein­amen „Le Cost Kil­ler“. Nach sei­nem Er­folg bei Nissan – das Un­ter­neh­men ging 1999 eine Al­li­anz mit Renault ein – er­hielt er den Na­men „Mr. Fix-It“. Die Ma­cher ei­ner ja­pa­ni­schen Co­mic­buch­rei­he stell­ten ihn als Su­per­hel­den dar, was sei­ne Be­kannt­heit wei­ter stei­ger­te.
Aber die Wucht des tech­no­lo­gi­schen Wan­dels kann selbst den er­folg­reichs­ten Ma­na­ger be­schei­den ma­chen: Ghosn kon­zen­triert sich ge­gen­wär­tig dar­auf, sei­nem Ruf als Er­neue­rer wei­ter­hin ge­recht zu wer­den. Ra­san­te Ent­wick­lun­gen wie das Elek­tro­au­to, Fahr­zeu­gen, die weit­ge­hend au­to­nom funk­tio­nie­ren, und so­gar kom­plett selbst­fah­ren­de Wa­gen mi­schen die Bran­che ge­hö­rig auf. Neu­lin­ge wie Tes­la und Goo­gle sind zu ernst­haf­ten Kon­kur­ren­ten ge­wor­den. Die Ver­än­de­run­gen wer­den mit Si­cher­heit ei­ni­ge neue Markt­füh­rer her­vor­brin­gen und man­che eta­blier­te Mar­ken stür­zen. „Wir er­war­ten tie­fe Um­brü­che im tech­no­lo­gi­schen Be­reich, die die Pro­dukt­pa­let­te ver­än­dern wer­den“, ist Ghosn über­zeugt.
Die Her­aus­for­de­rung scheint den 62-Jäh­ri­gen mit neu­er Ener­gie zu er­fül­len. So­wohl bei Renault als auch bei Nissan hat er Mil­li­ar­den in die Ent­wick­lung von Elek­tro­fahr­zeu­gen in­ves­tiert. Mit dem Nissan Leaf hat er 2010 viel ris­kiert. Aber ob­wohl der Leaf mit über 200 000 Stück das meist­ver­kauf­te rein elek­trisch be­trie­be­ne Auto ist, hin­kt das Ge­samt­ver­kaufs­vo­lu­men den ur­sprüng­li­chen Er­war­tun­gen um min­des­tens vier Jah­re hin­ter­her. Das Pro­blem ist laut Ghosn nicht das Pro­dukt, son­dern die sich nur lang­sam ent­wi­ckeln­de un­ter­stüt­zen­de In­fra­struk­tur. So oder so, es gibt ein Pro­blem.
Da­her be­müht sich Ghosn nach Kräf­ten, Wege zu fin­den, um sei­ne Er­folgs­se­rie nicht ab­rei­ßen zu las­sen: etwa Syn­er­gi­en in­ner­halb der Part­ner­schaft he­ben, Kos­ten sen­ken, öf­fent­lich für sei­ne Un­ter­neh­men Stim­mung ma­chen. Im Mai konn­te er einen wei­te­ren großen Deal ab­schlie­ßen: Nissan in­ves­tier­te 2,2 Mil­li­ar­den Dol­lar in eine 34-Pro­zent-Be­tei­li­gung am an­ge­schla­ge­nen ja­pa­ni­schen Kon­zern Mit­sub­is­hi und hält da­mit die Sperr­mi­no­ri­tät. Durch Ko­ope­ra­tio­nen bei Tech­nik, Pro­duk­ti­on und in an­de­ren Be­rei­chen kann Ghosn in der nun­mehr aus drei Part­nern be­ste­hen­den Al­li­anz mit neu­en Mög­lich­kei­ten zur Kos­ten­sen­kung auf­war­ten.
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