Was wirklich im Büro geschah

BÜCHER:

HBM August 2016

Zwei Jah­re lang, 2013 und 2014, freu­te ich mich je­des Mal, wenn eine E-Mail mei­nes Freun­des und Ex-Kol­le­gen Dan Ly­ons in mei­nem Post­fach ein­traf. Nach­dem er lan­ge als Tech­ni­k­jour­na­list ge­ar­bei­tet hat­te, ent­schloss er sich ei­nes Ta­ges, dem Ma­ga­zin­ge­schäft den Rücken zu keh­ren. Er ging zu Hub­Spot, ei­nem Her­stel­ler von Mar­ke­ting­soft­wa­re im Groß­raum Bo­ston. Schnell wur­de ihm klar, dass der neue Job nicht zu ihm pass­te. Ob­wohl ihn die Grün­der als „Mar­ke­ting fel­low“ ein­ge­stellt hat­ten, wuss­ten sei­ne Vor­ge­setz­ten nicht ge­nau, was sie mit ihm an­fan­gen soll­ten. Sei­ne Stär­ke lag dar­in, in­tel­li­gen­te Ana­ly­sen tech­no­lo­gi­scher Stra­te­gi­en zu ver­fas­sen. Bei Hub­Spot zähl­te dies je­doch we­nig – An­se­hen er­lang­te man hier mit Posts wie „35 der bes­ten kos­ten­lo­sen Fonts, die du jetzt her­un­ter­la­den soll­test“.
Ly­ons war zu dem Zeit­punkt 52 Jah­re alt und muss­te mit ei­ner Hor­de Mittzwan­zi­ger ar­bei­ten, die ihn für einen kau­zi­gen al­ten Ty­pen hiel­ten. Um Dampf ab­zu­las­sen, lei­te­te er manch­mal die al­ber­nen Me­mos sei­nes Chefs an mich wei­ter, oder er er­zähl­te mir von an­de­ren Dumm­hei­ten. Ein- oder zwei­mal er­wähn­te er, dass sich die sur­rea­len Er­fah­run­gen groß­ar­tig in sei­nen Me­moi­ren ma­chen wür­den. Ich dach­te, das sei ein Scherz.
Es war kei­ner. In „Dis­rup­ted: My Mi­s­ad­ven­ture in the Start-Up Bub­ble“ (er­scheint im Ok­to­ber un­ter dem Ti­tel „Von Nerds, Ein­hör­nern und Dis­rup­ti­on“ auf Deutsch) nimmt Ly­ons die Kul­tur von Hub­Spot im Be­son­de­ren und von Start-ups in All­ge­mei­nen aufs Korn – die Schlach­ten mit Spiel­zeug­ge­weh­ren, der Fo­kus auf Wachs­tum statt auf Ge­winn, der nai­ve Glau­be der jun­gen Mit­ar­bei­ter, dass sie „die Welt ver­än­dern“, wäh­rend sie in Wirk­lich­keit mit B2B-Soft­wa­re hau­sie­ren ge­hen. Er setzt sich auch mit der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung in der Tech­nik­welt aus­ein­an­der. „In die­sem Buch geht es um mehr als nur Hub­Spot“, schreibt er. „Es geht dar­um, was es heißt, wenn man sich in sei­nen 50ern neu er­fin­det und einen be­ruf­li­chen Neu­an­fang in An­griff nimmt, ge­ra­de in ei­ner Bran­che, die im Großen und Gan­zen äl­te­ren Mit­ar­bei­tern feind­lich ge­gen­über­steht.“ Sein neu­er Schreib­tisch war nicht mit ei­nem Stuhl aus­ge­stat­tet, son­dern mit ei­nem Gym­nas­tik­ball. Ei­ni­ge sei­ner männ­li­chen Kol­le­gen tra­fen sich je­den Mit­tag in der Lob­by zu ei­nem Lie­ge­stützwett­be­werb. Ly­ons war der ein­zi­ge Mit­ar­bei­ter, der sich zu Hal­lo­ween nicht ver­klei­den woll­te.
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