Klüger kaufen

MERGERS & ACQUISITIONS:

HBM August 2016

Die Fi­nanz­wirt­schaft hat 2015 einen neu­en Re­kord im Ge­schäft mit Mer­gers and Ac­qui­si­ti­ons (kurz: M&A) auf­ge­stellt – also im Ge­schäft mit Fu­sio­nen und Über­nah­men von Un­ter­neh­men. Das Ge­samt­vo­lu­men die­ser Trans­ak­tio­nen über­stieg die bis­he­ri­ge Höchst­mar­ke von 2007, die ih­rer­seits die Best­mar­ke von 1999 über­trof­fen hat­te. Das ist viel­leicht kei­ne er­freu­li­che Nach­richt. Es scheint, als sei al­les eine große Par­ty, als fän­den wir uns (ohne dem kürz­lich ver­stor­be­nen Prin­ce zu nahe tre­ten zu wol­len) un­ver­mit­telt im Jahr 1999 wie­der – oder im Jahr 2007. Die Un­be­son­nen­heit in die­sen Jah­ren be­deu­te­te nichts Gu­tes für die Zeiträu­me 2000 bis 2002 und 2008 bis 2009.
Noch ist es viel zu früh zu sa­gen, wie es um die­se kürz­lich ab­ge­schlos­se­nen Deals im Ein­zel­nen be­stellt ist. Doch der an­schei­nend zeit­lo­se Rei­gen gi­gan­ti­scher Fehl­grif­fe will ein­fach nicht en­den. 2015 schrieb Mi­cro­soft 96 Pro­zent des Wer­tes sei­ner Mo­bil­funk­spar­te ab, die der Kon­zern erst ein Jahr zu­vor für 7,9 Mil­li­ar­den US-Dol­lar von No­kia über­nom­men hat­te. Auch Goo­gle hat das Han­dy­ge­schäft, das es 2012 für 12,5 Mil­li­ar­den Dol­lar von Mo­to­ro­la ge­kauft hat­te, mitt­ler­wei­le für 2,9 Mil­li­ar­den Dol­lar wie­der ab­ge­sto­ßen. Das IT-Un­ter­neh­men Hew­lett-Packard (HP) hat 8,8 Mil­li­ar­den der 11,1 Mil­li­ar­den Dol­lar ab­ge­schrie­ben, die es für das Soft­wa­re­haus Au­to­no­my ge­zahlt hat­te. Und die News Cor­po­ra­ti­on hat 2011 das so­zia­le Netz­werk My Space für ma­ge­re 35 Mil­lio­nen Dol­lar ver­kauft. Sechs Jah­re zu­vor hat­te der Me­dien­kon­zern noch 580 Mil­lio­nen Dol­lar da­für hin­ge­blät­tert.
Na­tür­lich gibt es auch Er­fol­ge. Der Kauf von Next im Jahr 1997 für aus heu­ti­ger Sicht schlap­pe 404 Mil­lio­nen Dol­lar hat Ap­p­le die Exis­tenz ge­ret­tet und den Bo­den für die wohl größ­te Ak­ku­mu­la­ti­on von Share­hol­der-Va­lue der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te be­rei­tet. Mit dem Er­werb von An­dro­id für 50 Mil­lio­nen Dol­lar im Jahr 2005 hat sich Goo­gle eine Vor­macht­stel­lung im Ge­schäft mit Smart­pho­ne-Be­trie­bs­sys­te­men ge­si­chert – ei­ner der welt­weit wich­tigs­ten Pro­dukt­märk­te. Und mit der schritt­wei­sen Über­nah­me der US-ame­ri­ka­ni­schen Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft Gei­co in den Jah­ren 1951 bis 1996 schuf War­ren Buf­fett die Grund­la­ge sei­ner Be­tei­li­gungs­hol­ding Berks­hi­re Hat­ha­way. Den­noch blei­ben, wie fast alle Stu­di­en zei­gen, die­se Bei­spie­le Aus­nah­men, die die Re­gel be­stä­ti­gen: Die meis­ten Fu­sio­nen und Über­nah­men er­wei­sen sich als Schuss in den Ofen – 70 bis 90 Pro­zent en­den als ka­ta­stro­pha­le Miss­er­fol­ge.
Wa­rum ist das so? Die Ant­wort ist er­staun­lich ein­fach: Un­ter­neh­men, die schau­en, was sie bei ei­ner Über­nah­me für sich selbst her­aus­ho­len kön­nen, ha­ben schlech­te­re Er­folgs­aus­sich­ten als sol­che, die über­le­gen, was sie da­bei ge­ben kön­nen. Die­se Er­kennt­nis spie­gelt eine Ein­sicht des ame­ri­ka­ni­schen Ma­na­ge­ment­pro­fes­sors und Psy­cho­lo­gen Adam Grant wi­der. Er schreibt in sei­nem Buch „Ge­ben und Neh­men“, dass Men­schen, die sich in ih­ren zwi­schen­mensch­li­chen Be­zie­hun­gen mehr dem Ge­ben als dem Neh­men wid­men, am Ende bes­ser fah­ren als sol­che, die vor al­lem den ei­ge­nen Vor­teil im Blick ha­ben (sie­he Kas­ten „Gu­tes tun und Kar­rie­re ma­chen“).
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