Brust oder Keule?

FALLSTUDIE:

HBM August 2016

Rohit jonglier­te mit Ei­ern. Mit glat­ten, brau­nen Ei­ern. Für den Bruch­teil ei­ner Se­kun­de nahm er sie mit der Hand auf, um sie wie­der hoch­zu­wer­fen, die an­de­re Hand – hoch, hoch, im­mer wie­der hoch. Erst wa­ren es drei, dann vier, schließ­lich fünf. „Wo­her kom­men die?“, frag­te er sich. Doch er hielt sei­ne Arme in Be­we­gung und setz­te die Loo­pings fort, sehr zur Be­geis­te­rung der Zu­schau­er­men­ge vor ihm. „Wo bin ich? Wer sind die­se Leu­te?“ Er woll­te sich um­schau­en, konn­te den Blick aber nicht von den Ei­ern lö­sen. Plötz­lich ver­wan­del­ten die­se sich in an­de­re Din­ge: einen Hühn­chen­schen­kel, eine Zuc­chi­ni, eine To­ma­te, eine Kar­tof­fel, eine Tüte mit Lin­sen. Er ver­such­te, wei­ter zu jonglie­ren, doch der glat­te Hühn­chen­schen­kel ent­glitt sei­nen Fin­gern, die Lin­sen­tü­te warf er nicht hoch ge­nug, die Kar­tof­fel zu hoch, und schließ­lich fiel al­les pol­ternd zu Bo­den. Er blick­te hin­un­ter. Das Durch­ein­an­der sah an­ders aus als er­war­tet. Um ihn her­um la­gen ge­platz­te Eier. Dut­zen­de Eier. Ei­weiß und Dot­ter quol­len aus zer­bors­te­nen Ei­er­scha­len.
Er­schro­cken fuhr er hoch – schwit­zig und mit ra­sen­dem Her­zen – und sah sich nach al­len Sei­ten um. An sei­ner Lin­ken fand er Ana­ya, in tie­fem Schlaf. Zur Rech­ten war sein Nacht­tisch mit dem We­cker. Es war kurz vor Mit­ter­nacht. Er ließ sich ins Kopf­kis­sen sin­ken, nahm ein paar tie­fe Atem­zü­ge und muss­te schließ­lich la­chen – lei­se gluck­send, um sei­ne Frau nicht zu we­cken. Ro­hit war Un­ter­neh­mens­grün­der und Chef von Yolk-ay, ei­ner gut be­such­ten Re­stau­rant­ket­te in den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten, die bis­her aus­schließ­lich tra­di­tio­nel­le in­di­sche Ei­er­ge­rich­te an­bot und die jetzt – seit heu­te Mor­gen – ver­such­te, ihre Spei­se­kar­te zu er­wei­tern. Was sein Traum zu be­deu­ten hat­te lag auf der Hand.

ZEHN JAH­RE ZU­VOR
„Papa, ver­such mal!“
„Was ver­su­chen, Vi­kram?“, frag­te Ro­hit und senk­te sei­ne Sonn­tags­zei­tung. Er hat­te eine An­zei­ge des Ho­tels be­trach­tet, für das er als Lei­ter des Pa­gen­diens­tes ar­bei­te­te. Er hät­te sich ge­wünscht, dass dort – ne­ben „Lu­xuss­pa, Fünfs­ter­ne­kü­che und Dach­ter­ras­se mit Pool“ – auch „hoch­klas­si­ger Ser­vice“ ge­stan­den hät­te. Er fühl­te sich nicht wert­ge­schätzt; eben­so er­ging es sei­nen Mit­ar­bei­tern. Aber we­nigs­tens hat­te er heu­te frei. Ana­ya be­rei­te­te ein fan­tas­tisch duf­ten­des Früh­stück zu. Es gab Eier-Ha­fer-Upma – ein tra­di­tio­nel­les in­di­sches Früh­stücks­ge­richt auf Ba­sis von ge­rös­te­tem Hart­wei­zen­grieß.
„Nimm das hier in die Hand und drück so fest du kannst“, for­der­te Vi­kram sei­nen Va­ter her­aus.
„Si­cher, und dann bin ich von oben bis un­ten voll mit Ei­gelb?“
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