Kampf den Regelbrechern

WETTBEWERB:

HBM Juni 2016

Viele er­folg­rei­che Platt­for­men – also Un­ter­neh­men wie Airb­nb, Uber oder You­tu­be, de­ren An­ge­bo­te auf ei­nem zen­tra­len On­li­ne­dienst ba­sie­ren – set­zen sich über Ge­set­ze und Vor­schrif­ten hin­weg, die ih­rem Ge­schäfts­mo­dell im Weg ste­hen. Viel­leicht steckt da­hin­ter die Be­geis­te­rung für die ei­ge­ne Ge­schäfts­idee oder die tie­fe Über­zeu­gung, zum Woh­le des Kun­den zu han­deln. Vie­le Grün­der und Ma­na­ger die­ser Un­ter­neh­men schei­nen in den vor­han­de­nen Re­geln nicht mehr zu se­hen als Re­lik­te ei­ner Zeit, die für ihre In­no­va­tio­nen noch nicht reif war. Nach die­sem Welt­bild wä­ren Ge­set­ze und Vor­schrif­ten an die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten un­se­rer Zeit an­zu­pas­sen. Viel­leicht er­in­nern sich die Re­gel­bre­cher aber auch ein­fach an die Ma­xi­me von Grace Mur­ray Hop­per, ei­ner Com­pu­ter­pio­nie­rin, die in der U. S. Navy diente: Es ist ein­fa­cher, um Ver­ge­bung zu bit­ten, als um Er­laub­nis zu fra­gen.
Die­ses Phä­no­men, sich über alle Re­geln hin­weg­zu­set­zen, ist nicht neu. Wir be­zeich­nen es als „spon­ta­ne pri­va­te De­re­gu­lie­rung“. Tat­säch­lich ha­ben In­no­va­tio­nen be­ste­hen­de Ge­set­ze und Vor­schrif­ten schon häu­fig ob­so­let ge­macht. Gute Bei­spie­le bie­ten die An­fän­ge des Au­to­mo­bils und des Flug­zeugs (sie­he Kas­ten „Spon­ta­ne De­re­gu­lie­rung in frü­he­ren Epo­chen“). Selbst­ver­ständ­lich sind Ge­set­ze in der Re­gel nö­tig und an­ge­mes­sen, und eine spon­ta­ne De­re­gu­lie­rung ist nicht un­pro­ble­ma­tisch. Vie­le Men­schen mit Be­hin­de­rung kön­nen die Mit­fahr­diens­te Uber oder Lyft nicht nut­zen. Sie sind ge­zwun­gen, zu­ge­las­se­nen Ta­xi­un­ter­neh­men treu zu blei­ben, die an vie­len Or­ten recht­lich ver­pflich­tet sind, eine roll­stuhl­ge­rech­te Be­för­de­rung zu ga­ran­tie­ren. Und wie Ben­ja­min Edel­man in ei­ner jüngst mit Mi­cha­el Luca und Da­niel Svir­s­ky durch­ge­führ­ten Stu­die zei­gen konn­te, sind in der Welt von Airb­nb ei­ni­ge Kun­den glei­cher als an­de­re (sie­he Kas­ten „Nach­tei­le der De­re­gu­lie­rung“).
Egal ob gut oder schlecht – die spon­ta­ne De­re­gu­lie­rung er­folgt im­mer schnel­ler und in im­mer mehr Bran­chen. Vor ei­nem Jahr­zehnt lös­ten neu ge­grün­de­te Soft­wa­re­fir­men wie Naps­ter und You­tu­be eine Wel­le der Pro­dukt­pi­ra­te­rie aus, die das Ur­he­ber­recht aus den An­geln hob und zahl­rei­che Me­dien­häu­ser an den Rand des Ru­ins trieb. Heu­te schaf­fen Platt­for­men wie Uber neue li­zen­zier­te oder un­li­zen­zier­te Be­för­de­rungs­diens­te, und die Gäs­te von Airb­nb um­ge­hen Steu­ern, Ge­wer­be­ge­bie­te und Si­cher­heits­vor­schrif­ten, die für das klas­si­sche Ho­tel­ge­wer­be gel­ten und die für Ho­te­liers hohe Kos­ten und einen er­heb­li­chen Zu­satz­auf­wand be­deu­ten. An­de­re neue Platt­for­men bie­ten fer­ti­ge Ge­rich­te an, ohne die Auf­la­gen er­fül­len zu müs­sen, die für Re­stau­rant­be­trie­be im Hin­blick auf Hy­gie­ne, den Um­gang mit Le­bens­mit­teln, die Stand­ort­wahl und Steu­er­ab­ga­ben gel­ten. All die­se Platt­for­men re­vo­lu­tio­nie­ren ihre Märk­te, ver­klei­nern den re­gu­la­to­ri­schen Wir­kungs­kreis und las­sen ver­schie­de­ne Markt­schutz­me­cha­nis­men hin­fäl­lig wer­den.
Die­se Ent­wick­lung zwingt die Ma­na­ger der un­ter­schied­lichs­ten Bran­chen zu hin­ter­fra­gen, ob ih­rem Ge­schäft durch eine spon­ta­ne pri­va­te De­re­gu­lie­rung Ge­fahr droht. Vor­aus­schau­en­de Ma­na­ger soll­ten Ant­wor­ten auf die­se Be­dro­hung pa­rat ha­ben. Nur ist die­se Auf­ga­be al­les an­de­re als ba­nal, denn es kann jetzt dar­um ge­hen, sich über Ge­set­ze hin­weg­zu­set­zen, de­ren Ein­hal­tung zum Teil über Jahr­zehn­te ein­ge­übt wur­de.
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