Plattform statt Pipeline

GESCHÄFTSMODELL:

HBM Juni 2016

Im Jahr 2007 war die Welt noch in Ord­nung – zu­min­dest für No­kia, Sam­sung, Mo­to­ro­la, Sony Erics­son und LG. Die fünf füh­ren­den Han­dy­her­stel­ler si­cher­ten sich welt­weit 90 Pro­zent des Ge­winns der Bran­che. Doch dann kam Ap­p­le. Und sam­mel­te mit dem neu­en iPho­ne Markt­an­tei­le ein. 2015 war das iPho­ne al­lein für 92 Pro­zent des welt­wei­ten Bran­chen­ge­winns ver­ant­wort­lich. Von den an­de­ren fünf Han­dy­pro­du­zen­ten er­ziel­te bis auf eine Aus­nah­me kei­ner mehr einen Ge­winn.
Wie lässt sich der schnel­le und um­fas­sen­de Sie­ges­zug des iPho­nes er­klä­ren? Und wa­rum sind die ehe­ma­li­gen Markt­füh­rer der­art un­ter­ge­gan­gen? No­kia und die an­de­ren hat­ten klas­si­sche stra­te­gi­sche Vor­tei­le, die hät­ten Schutz bie­ten müs­sen: eine kla­re Pro­dukt­dif­fe­ren­zie­rung, be­währ­te Mar­ken, füh­ren­de Be­trie­bs­sys­te­me, ex­zel­len­te Lo­gis­tik, schüt­zen­de Re­gu­lie­rungs­vor­schrif­ten, rie­si­ge For­schungs- und Ent­wick­lungs­bud­gets und enor­me Grö­ßen­vor­tei­le. Die Un­ter­neh­men wirk­ten sta­bil, pro­fi­ta­bel und gut eta­bliert.
Na­tür­lich hat­te das iPho­ne ein in­no­va­ti­ves De­sign und neue Funk­tio­nen. Aber Ap­p­le war 2007 ein schwa­cher, harm­lo­ser Neu­ein­stei­ger, der von aus­ge­wach­se­nen Platz­hir­schen um­ge­ben war. Bei Desktop-Be­trie­bs­sys­te­men hat­te Ap­p­le noch nicht ein­mal 4 Pro­zent Markt­an­teil und bei Mo­bil­funk­be­trie­bs­sys­te­men über­haupt kei­nen.
Ap­p­le hat die eta­blier­ten An­bie­ter mit der Kraft von Platt­for­men be­siegt; Goo­gle schlug mit dem Kon­kur­renz­sys­tem An­dro­id in die­sel­be Ker­be. Die bei­den mach­ten sich neue Stra­te­gi­en und Re­geln zu ei­gen. Und sind da­mit kein Ein­zel­fall: Im­mer mehr Platt­for­man­bie­ter brin­gen Her­stel­ler und Ver­brau­cher auf Bör­sen zu­sam­men. Ihre wert­volls­ten Ver­mö­gens­wer­te sind Da­ten und In­ter­ak­tio­nen; die­se bei­den Ele­men­te bil­den die Wert­schöp­fungs­quel­le und den Wett­be­wer­bs­vor­teil die­ser Un­ter­neh­men.
Ap­p­le hat das iPho­ne samt sei­nem neu­en Be­trie­bs­sys­tem nicht nur als Pro­dukt oder Dienst­leis­tungs­in­stru­ment kon­zi­piert. Es er­öff­ne­te viel­mehr die Mög­lich­keit, die Teil­neh­mer von zwei­sei­ti­gen Märk­ten – App-Ent­wick­ler und App-Nut­zer – zu­sam­men­zu­brin­gen und bei­den Grup­pen einen Mehr­wert zu bie­ten. Je grö­ßer die bei­den Grup­pen wur­den, de­sto stär­ker wuchs der Wert; das ist der Netz­wer­k­ef­fekt, der das zen­tra­le Ele­ment der Platt­form­stra­te­gie dar­stellt. Im Ja­nu­ar 2015 bot der App Sto­re von Ap­p­le 1,4 Mil­lio­nen Apps an und hat­te für die Ent­wick­ler ins­ge­samt 25 Mil­li­ar­den Dol­lar ge­ne­riert.
App­les Er­folg beim Auf­bau ei­nes Platt­form­ge­schäfts in­ner­halb ei­nes kon­ven­tio­nel­len Pro­dukt­her­stel­lers hält wich­ti­ge Lek­tio­nen be­reit für Un­ter­neh­men der un­ter­schied­lichs­ten Bran­chen. Wer kei­ne Platt­for­men schafft und die neu­en Stra­te­gie­re­geln nicht lernt, wird auf Dau­er nicht kon­kur­rie­ren kön­nen.

VON DER PI­PE­LI­NE ZUR PLATT­FORM
Platt­for­men gibt es schon lan­ge. Ein­kaufs­zen­tren brin­gen Kon­su­men­ten und Händ­ler zu­sam­men; Zei­tun­gen ver­bin­den Abon­nen­ten und Wer­be­trei­ben­de. Neu ist im 21. Jahr­hun­dert, dass dank mo­der­ner In­for­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie deut­lich we­ni­ger phy­si­sche In­fra­struk­tur und Ver­mö­gens­wer­te er­for­der­lich sind. Die IT macht es ein­fa­cher und bil­li­ger, Platt­for­men auf­zu­bau­en, und stärkt durch eine na­he­zu rei­bungs­lo­se Teil­nah­me die Netz­wer­k­ef­fek­te. Sie stei­gert die Fä­hig­keit, rie­si­ge Da­ten­men­gen zu er­fas­sen, zu ana­ly­sie­ren und aus­zut­au­schen, die Platt­for­men für alle Be­tei­lig­ten wert­vol­ler ma­chen. Platt­for­man­bie­ter, die mit ih­rem spek­ta­ku­lä­ren Wachs­tum ihre Bran­chen re­vo­lu­tio­niert ha­ben, gibt es zu­hauf: vom chi­ne­si­schen Han­dels- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men Ali­ba­ba über den On­li­ne-Über­nach­tungs­dienst Airb­nb bis hin zum Ta­xi­ver­mitt­ler Uber.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
5
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
10
Zeichen:
45.155
Nachdrucknummer:
201606022
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben