Emotional verkümmert

KOMMENTAR:

HBM März 2016

In un­se­rer mo­der­nen Welt hat der Ver­stand dem Ge­fühl längst den Rang ab­ge­lau­fen. Si­tua­tio­nen, Pro­ble­me und Kon­flik­te wer­den ra­tio­na­li­siert und Lö­sun­gen er­ar­bei­tet. Dar­an ist an sich nichts Falsches: In vie­len Fäl­len hilft es sehr, die sach­li­che und emo­tio­na­le Ebe­ne von­ein­an­der zu tren­nen. Den­noch soll­te man sich da­vor hü­ten, Emo­tio­nen gänz­lich aus der Ar­beits­welt zu ver­ban­nen. Schon Ari­sto­te­les be­ton­te, dass nicht nur die Ver­stan­des­kräf­te des Men­schen be­mer­kens­wert sei­en, son­dern dass auch die Fä­hig­keit zu füh­len eine we­sent­li­che Trieb­kraft un­se­rer Exis­tenz sei. Das mach­te der Den­ker auch dar­an fest, dass Trie­be und Im­pul­se sich – wenn über­haupt – nur un­ter größ­ter An­stren­gung dem Ver­stand un­ter­wer­fen. Wenn der Men­sch, das ver­nünf­ti­ge Tier, eine Si­tua­ti­on als Schlüs­sel­mo­ment wahr­nimmt, dann häu­fig, weil die­se emo­tio­nal be­son­ders auf­ge­la­den war. In al­ler Re­gel er­in­nern wir uns an sol­che Mo­men­te auch Jah­re spä­ter.

ANGST VOR NÄHE
Lei­der igno­rie­ren vie­le Füh­rungs­kräf­te die­se Fa­cet­te des Mensch­seins. An­ders lässt sich die emo­tio­na­le Ver­küm­me­rung, die man in vie­len Bü­ros be­ob­ach­ten kann, aus mei­ner Sicht zu­min­dest nicht er­klä­ren. Ein be­son­ders er­schre­cken­des Bei­spiel für das Feh­len zwi­schen­mensch­li­cher Grund­fer­tig­kei­ten ist das Mit­ar­bei­ter­ge­spräch. Was ei­gent­lich da­für ge­dacht ist, sich na­he­zu­kom­men, aus­zut­au­schen und bei der ge­gen­sei­ti­gen Ent­wick­lung zu hel­fen, ver­kommt viel zu häu­fig zu ei­ner ge­ra­de­zu gro­tes­ken Um­kehr die­ses Ziels. Bit­te ver­ste­hen Sie mich nicht falsch: Ich weiß durch­aus, dass ein ge­lun­ge­nes Ge­spräch eine hohe Kunst ist und von bei­den Sei­ten ein ho­hes Maß an Auf­merk­sam­keit er­for­dert. Doch ge­ra­de wenn man sich des­sen be­wusst ist, dür­fen Zeit­not oder man­geln­des In­ter­es­se nicht als Ent­schul­di­gung für ein nicht ge­führ­tes oder schlecht vor­be­rei­te­tes Ge­spräch gel­ten.
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