Mit Künstlern arbeiten

SELBSTMANAGEMENT:

HBM Februar 2016

Vor ei­ni­ger Zeit er­leb­ten wir wäh­rend un­se­rer Re­cher­chen zur Ent­wick­lung neu­er Pro­duk­te in ei­nem Un­ter­neh­men den to­ta­len Zu­sam­men­bruch des krea­ti­ven Ko­ope­ra­ti­ons­pro­zes­ses. Ein Spiel­zeugher­stel­ler brauch­te drin­gend einen neu­en Best­sel­ler für das nächs­te Weih­nachts­ge­schäft. Be­reits im Früh­sta­di­um der Ent­wick­lungs­ar­beit nahm ein Mar­ke­ting­fach­mann – nen­nen wir ihn Kyle – an ei­ner Be­spre­chung teil, bei der ei­ner der be­gab­tes­ten Spie­le­ent­wick­ler des Un­ter­neh­mens ein Kon­zept für ein Au­to­ren­nen­spiel prä­sen­tier­te. Wäh­rend der Dis­kus­si­on mel­de­te Kyle sich mit ei­nem gut ge­mein­ten Rat­schlag zu Wort: „Bei dem Spiel feh­len noch Men­schen oder ir­gend­wel­che an­de­ren le­ben­den Fi­gu­ren.“ Doch der Spie­le­ent­wick­ler be­ach­te­te sei­nen Ein­wand kaum. Er schi­en sich eher grund­sätz­lich über das Feed­back ei­nes Be­spre­chungs­teil­neh­mers zu är­gern, der von krea­ti­vem De­sign of­fen­bar kei­ne Ah­nung hat­te.
Den­noch hat­te der Mar­ke­ting­ex­per­te mit sei­nem in­tui­tiv ge­äu­ßer­ten Ein­wand recht ge­habt. Ei­ni­ge Wo­chen spä­ter kam das De­si­gn­team zu dem Er­geb­nis, dass ein Gau­ner (oder ir­gend­ei­ne an­de­re „le­ben­de Fi­gur“) das Spiel tat­säch­lich an­spre­chen­der und in­ter­essan­ter ma­chen wür­de. Doch lei­der war es für die­se Ein­sicht nun zu spät: Wenn man das neue Ele­ment jetzt noch ein­bau­en wür­de, könn­te das Spiel nicht mehr recht­zei­tig zu Be­ginn der Weih­nachts­sai­son aus­ge­lie­fert wer­den. Also wur­de das Pro­jekt ad acta ge­legt.
Un­se­re Un­ter­su­chun­gen zur Dy­na­mik von Zu­sam­men­ar­beit deu­ten dar­auf hin, dass sol­che Sze­na­ri­en kei­nes­wegs sel­ten sind. Ma­na­gern wie Kyle, die zwar wert­vol­len In­put zu bie­ten ha­ben, aber kei­ne Ex­per­ten sind, fällt es oft schwer, krea­ti­ve Kol­le­gen in ih­rer Tä­tig­keit zu be­ein­flus­sen. Denn sol­che Mit­ar­bei­ter – sei­en es nun in­no­va­ti­ve Spie­le­ent­wick­ler, cle­ve­re Wer­be­tex­ter, bril­lan­te Bio­tech­no­lo­gen oder smar­te Ban­k­a­na­lys­ten – ent­wi­ckeln nor­ma­ler­wei­se lie­ber selbst Ide­en, als An­re­gun­gen an­de­rer Kol­le­gen zu ak­zep­tie­ren.
Vor ei­ni­ger Zeit nah­men wir uns vor, die­ses Phä­no­men zu un­ter­su­chen und her­aus­zu­fin­den, was die Ky­les die­ser Welt da­ge­gen tun kön­nen. Un­se­re Stu­di­en zei­gen, dass das Pro­blem nicht etwa im emp­find­li­chen Ego, son­dern eher in der Iden­ti­tät die­ser Kol­le­gen be­grün­det liegt: Vie­le Men­schen in krea­ti­ven Tä­tig­keits­fel­dern be­trach­ten sich selbst als Künst­ler. Sol­che Kol­le­gen rea­gie­ren häu­fig kon­tra­pro­duk­tiv, wenn sie ihre künst­le­ri­sche Iden­ti­tät be­droht se­hen.
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