„Frauen wollen führen, nicht herrschen“

INTERVIEW:

HBM Februar 2016

Herr Pro­fes­sor Hen­ner­kes, wie er­le­ben Sie Töch­ter in Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men?
HEN­NER­KES Frau­en sind ein Ge­winn für je­des Un­ter­neh­men, weil sie Qua­li­tät mit­brin­gen. Ich habe aus­ge­spro­chen gern mit ih­nen zu tun. Aber in mei­ner An­fangs­pha­se gab es die Mög­lich­keit dazu gar nicht.

Die längs­te Zeit ih­rer Ge­schich­te wa­ren Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men vor al­lem Män­ner­un­ter­neh­men.
HEN­NER­KES Das wa­ren im­mer die glei­chen Re­ge­lun­gen: Mit Er­rei­chen des 25. Le­bens­jah­res oder spä­tes­tens bei der Ehe­schlie­ßung hat­ten die Töch­ter zu ver­schwin­den. Sie schie­den ge­gen eine Ab­fin­dung zu Buch­wer­ten – das sind die no­mi­nel­len Wer­te aus der Bi­lanz, nicht die hö­he­ren Ver­kehrs­wer­te wohl­ge­merkt – aus dem Un­ter­neh­men aus. Da­mit war die Sa­che be­en­det.

Für Töch­ter war kein Platz in der Fir­ma.
HEN­NER­KES Frü­her galt das Kron­prin­zen­prin­zip: Der äl­tes­te Sohn hat­te die Fir­ma zu über­neh­men und dann das al­lei­ni­ge Sa­gen. Da­für hat der Pa­tri­arch ge­sorgt, der sei­ne Macht ja auch nicht ge­teilt hat­te. Der Kron­prinz be­kam da­für die Mehr­heit der An­tei­le am Un­ter­neh­men, um si­cher­zu­ge­hen, dass ihn kei­ner über­stim­men kann. Er war also dop­pelt pri­vi­le­giert: Er hat­te die Macht und das Ver­mö­gen ge­erbt. Da­bei hat man nicht un­be­dingt auf Qua­li­tät und Eig­nung ge­ach­tet.

Wie und wann kam es zum Um­schwung?
HEN­NER­KES In den 80ern, als man an­fing, stär­ker auf Qua­li­tät zu ach­ten. Man merk­te, welch großes Po­ten­zi­al da ver­schwen­det wird, und un­ge­recht war es zu­dem. Wir ha­ben ja hier in Ba­den-Würt­tem­berg vie­le Bei­spie­le tol­ler Frau­en, wie zum Bei­spiel die Frau Kär­cher vom gleich­na­mi­gen Rei­ni­gungs­ge­räte­her­stel­ler oder Bri­git­te Vös­ter-Al­ber, die Chefin von GEZE, ei­nem in Deutsch­land füh­ren­den Un­ter­neh­men für Si­cher­heits­tech­nik. Spä­tes­tens da hat man fest­ge­stellt: Das ist ein Wahn­sinn, die Töch­ter da hin­aus­zu­kom­pli­men­tie­ren.

Nun be­kam also die Toch­ter die Mehr­heit der An­tei­le?
HEN­NER­KES Nein, hier gibt es mo­der­ne Kon­struk­tio­nen: So kön­nen GmbH-An­tei­le mit ei­nem Mehr­stimm­recht aus­ge­stat­tet wer­den. Das er­laubt, Herr­schafts­macht und Be­tei­li­gungs­ver­mö­gen von­ein­an­der zu tren­nen. Will die Fa­mi­lie bei­spiels­wei­se den Sohn wert­mä­ßig gleich hoch be­tei­li­gen wie die Toch­ter, Letz­te­rer aber die Ge­schäfts­füh­rung über­tra­gen, so gibt man bei­den zwar einen An­teil in glei­cher Höhe, die Toch­ter er­hält je­doch 75 Pro­zent der Stimm­rech­te. Dazu tre­ten an­de­re Mo­del­le wie die Fa­mi­li­en­stif­tung. Sie er­wirbt sämt­li­che An­tei­le des Un­ter­neh­mens und hält die­se treu­hän­de­risch für die Fa­mi­lie. Die Stif­tung bie­tet viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, Ei­gen­tum und Herr­schafts­macht in ih­ren Or­ga­nen (Vor­stand und Auf­sichts­rat) un­ter meh­re­ren Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen auf­zu­tei­len.
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