„Ich will mich nicht beliebt machen“

INTERVIEW:

HBM Januar 2016

Larry Fink scheut kei­ne kla­ren Wor­te, wenn er das Kurz­frist­den­ken von In­ves­to­ren an­pran­gert – vor al­lem wenn es um die Wall Street geht. Die­ses The­ma wird auch im US-Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf 2016 eine wich­ti­ge Rol­le spie­len. Fink ist seit Lan­gem An­hän­ger der de­mo­kra­ti­schen Par­tei des Amts­in­ha­bers Ba­rack Oba­ma. Zu­letzt sorg­te er im April 2015 für Auf­se­hen, als er sich mit ei­nem Brief an die CEOs von Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten welt­weit wand­te. Dar­in for­der­te er sie auf, ak­ti­vis­ti­sche In­ves­to­ren zu igno­rie­ren – also bei­spiels­wei­se Hed­ge­fonds, die bei bör­sen­no­tier­ten Un­ter­neh­men ein­stei­gen und dann in das Ma­na­ge­ment ein­grei­fen. Fink riet Vor­stands­chefs dazu, sich aus­schließ­lich auf den nach­hal­ti­gen Er­folg ih­rer Fir­men zu kon­zen­trie­ren.
Im In­ter­view mit Adi Igna­ti­us, dem Chef­re­dak­teur der Har­vard Busi­ness Re­view, er­läu­tert der Black­rock-CEO, wa­rum er ge­gen das Kurz­frist­den­ken zu Fel­de zieht und was es braucht, um das Sys­tem zu ver­än­dern.

Herr Fink, was steckt hin­ter Ih­rem Kreuz­zug ge­gen das kurz­fris­ti­ge Den­ken von In­ves­to­ren?
FINK Ich will dazu bei­tra­gen, dass sich un­se­re Sicht auf wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­hän­ge ver­än­dert. Je­mand muss die Stim­me er­he­ben, weil die Be­richt­er­stat­tung in die falsche Rich­tung geht. Das gan­ze Ge­schäfts­mo­dell der Me­di­en ist auf Kurz­fris­tig­keit aus­ge­rich­tet: Was pas­siert ge­ra­de in Mos­kau, in Pe­king oder in Broo­klyn? Wa­rum sind die Bör­sen­kur­se um 0,2 Pro­zent ge­stie­gen oder ge­fal­len? Auf Ban­ken trifft das ge­nau­so zu: Ihr Ge­schäft dreht sich nur um die Ge­schwin­dig­keit des Gel­des. Es gibt kaum je­man­den, der über Lang­fris­tig­keit re­det.

Wa­rum ist das schlecht?
FINK In ei­nem sol­chen Um­feld ist es so gut wie un­mög­lich, über lang­fris­ti­ge Kon­zep­te zu spre­chen. Ein Bei­spiel ist die Al­ters­vor­sor­ge. Und CEOs kön­nen sich kaum um die lang­fris­ti­gen Be­dürf­nis­se ih­rer Un­ter­neh­men küm­mern, wenn vie­le In­ves­to­ren nur kurz­fris­ti­ge Er­geb­nis­se se­hen wol­len.

Ich neh­me an, dass der Haupt­grund die Kenn­zah­len sind, mit de­nen wir wirt­schaft­li­che Leis­tung mes­sen.
FINK Sie spie­len si­cher eine wich­ti­ge Rol­le. Aber es han­delt sich um ein Phä­no­men, das tief in un­se­rer Ge­sell­schaft ver­an­kert ist. Den­ken Sie nur dar­an, wie häu­fig wir heu­te auf un­se­ren Han­dys nach­schau­en, ob neue E-Mails an­ge­kom­men sind. Un­se­re Ge­sell­schaft ist da­mit kon­fron­tiert, dass In­for­ma­tio­nen je­der­zeit un­mit­tel­bar ver­füg­bar sind. Wir ha­ben Schwie­rig­kei­ten, rich­tig da­mit um­zu­ge­hen.
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