„Un­zu­frie­den­heit ist gut“

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HBM Januar 2016

Pro­fes­sor Mar­ti­nez, wenn mich je­mand ent­täuscht, ver­traue ich ihm doch nicht mehr. Er­klä­ren Sie bit­te Ihre For­schungs­er­geb­nis­se.
MAR­TI­NEZ Am An­fang wa­ren wir nicht si­cher, was pas­sie­ren wür­de. Wir wuss­ten, dass ne­ga­ti­ve Emo­tio­nen manch­mal po­si­ti­ve so­zia­le Aus­wir­kun­gen ha­ben kön­nen. Der Ef­fekt, den wir be­ob­ach­te­ten, war auf je­den Fall ein­deu­tig: Ent­täu­schung er­höh­te das Ver­trau­en der Per­son, die das Geld ab­gab. Das wie­der­um brach­te den Emp­fän­ger dazu, selbst mehr Ver­trau­en zu ent­wi­ckeln. Be­dau­ern hat­te den ge­gen­tei­li­gen Ef­fekt: Bei­de Sei­ten zeig­ten we­ni­ger Ver­trau­en.

Wie ha­ben Sie Ver­trau­en ge­mes­sen?
MAR­TI­NEZ Über ein Ko­ope­ra­ti­onss­piel mit zwei Teil­neh­mern. Der ers­te be­ginnt das Spiel mit et­was Geld, sa­gen wir 20 Euro. Er ent­schei­det, wie viel er ei­nem zu­fäl­lig aus­ge­wähl­ten Mit­spie­ler ab­ge­ben will. Der Emp­fän­ger ent­schei­det dann, wie viel er zu­rück­gibt. Je mehr der ers­te Spie­ler also dar­auf ver­traut, dass sein Trans­ak­ti­ons­part­ner den Ge­fal­len er­wi­dert, de­sto mehr wird er ihm über­wei­sen. Bei der Re­ak­ti­on des Mit­spie­lers wie­der­um zeugt die Höhe der Sum­me da­von, wie sehr die­ser als ver­trau­ens­wür­dig an­ge­se­hen wer­den will.

Wie ha­ben Sie es ge­schafft, dass die Teil­neh­mer Be­dau­ern und Ent­täu­schung emp­fan­den?
MAR­TI­NEZ In den ers­ten bei­den Ex­pe­ri­men­ten soll­ten die Teil­neh­mer vor­ge­ge­be­ne Sät­ze le­sen. Dar­in ka­men ent­we­der Wör­ter vor, die mit Be­dau­ern zu­sam­men­hän­gen, wie „Feh­ler“, „Selbst­vor­wurf“ und „schlech­te Ent­schei­dung“, oder mit Ent­täu­schung (etwa „un­er­war­tet“, „macht­los“ und „Pech“). Die­ser An­satz ist Stan­dard. Er nennt sich im­pli­zi­te Emo­ti­ons­in­duk­ti­on, weil den Teil­neh­mern nicht klar ist, wel­che Ge­füh­le die Sät­ze aus­lö­sen. Aber er ist nicht so prä­zi­se wie an­de­re Me­tho­den. Des­halb ha­ben wir uns im drit­ten Ex­pe­ri­ment für ein Ver­fah­ren der au­to­bio­gra­fi­schen Er­in­ne­rung ent­schie­den. Die Pro­ban­den soll­ten da­bei auf­schrei­ben, wann sie in letz­ter Zeit ein­mal Be­dau­ern oder Ent­täu­schung emp­fun­den hat­ten. Ih­nen war also ex­pli­zit be­wusst, dass sie die je­wei­li­ge Emo­ti­on ver­spür­ten. Die­se Me­tho­de wird in der Emo­ti­ons­for­schung häu­fig ein­ge­setzt. Sie ist wahr­schein­lich ei­ner der ef­fek­tivs­ten Wege, Men­schen zu kon­di­tio­nie­ren.
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