Wettkampf der Allianzen

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HBM Dezember 2015

Im Au­gust 2010 kün­dig­ten die bra­si­lia­ni­sche Flug­ge­sell­schaft TAM und die chi­le­ni­sche Air­li­ne LAN an, sich in na­her Zu­kunft zu­sam­menschlie­ßen zu wol­len. Da­mit be­gann ein Wett­lauf, wel­cher Al­li­anz das neue Un­ter­neh­men zu­ge­hö­ren soll­te. Bei­de Ge­sell­schaf­ten wa­ren bis da­hin Mit­glied in un­ter­schied­li­chen glo­ba­len Luft­ver­kehrs­bünd­nis­sen: TAM bei der Star Al­lian­ce, LAN bei One­world. Das fu­sio­nier­te Un­ter­neh­men LA­TAM muss­te sich für eine der bei­den Or­ga­ni­sa­tio­nen ent­schei­den. Die Wahl fiel auf One­world. 2012 kam es zur Fu­si­on, Mit­te 2014 wech­sel­te die neue Ein­heit dann in die One­world Al­lian­ce. Es war eine Ent­schei­dung von großer Trag­wei­te: Das Bünd­nis konn­te da­durch ver­hin­dern, dass sein ein­zi­ges Mit­glied im süd­ame­ri­ka­ni­schen Markt ab­wan­der­te; au­ßer­dem stieg der Markt­an­teil in der Re­gi­on durch die Auf­nah­me von TAM auf 30 Pro­zent. Für die Star Al­lian­ce war der Aus­tritt von TAM hin­ge­gen ein har­ter Schlag. Im­mer­hin: Dank ih­rer bei­den Mit­glie­der Copa Air­li­nes und Avian­ca ver­fügt sie noch über 15 Pro­zent Markt­an­teil in der Re­gi­on.
Stra­te­gi­sche Netz­wer­ke, also lang­fris­tig an­ge­leg­te Ko­ope­ra­tio­nen meh­re­rer Un­ter­neh­men, sind in na­he­zu al­len Bran­chen wich­ti­ge Ma­na­ge­ment­werk­zeu­ge. Kon­zer­ne wie Cis­co, DHL, IBM oder Sie­mens un­ter­hal­ten heu­te zahl­rei­che Al­li­an­zen un­ter­schied­li­cher Art und In­ten­si­tät mit an­de­ren Fir­men. Ne­ben bi­la­te­ra­len Ko­ope­ra­tio­nen wer­den zu­neh­mend auch For­men po­pu­lär, an de­nen mehr als zwei Part­ner be­tei­ligt sind. Sie kön­nen in Ein­zel­fäl­len aus meh­re­ren Hun­dert Teil­neh­mern be­ste­hen, die sich da­durch Wett­be­wer­bs­vor­tei­le er­hof­fen. Be­son­ders vie­le Bei­spie­le fin­den sich heu­te in der Au­to­mo­bil-, Lo­gis­tik- oder Elek­tro­nik­bran­che. Je mehr Be­deu­tung die­se Netz­wer­ke er­lan­gen, de­sto ab­hän­gi­ger wer­den ihre Mit­glie­der von ih­nen. Die Or­ga­ni­sa­tio­nen ent­schei­den über we­sent­li­che Fak­to­ren für den Un­ter­neh­mens­er­folg, bei­spiels­wei­se Ein­kaufs­prei­se, Ex­pan­si­ons­mög­lich­kei­ten oder tech­ni­sche Stan­dards für neue Pro­duk­te. Wer in kei­nem oder in ei­nem in­ef­fek­ti­ven Netz­werk Mit­glied ist, muss im Wett­be­werb mit schwer­wie­gen­den Nach­tei­len rech­nen.
In ei­ni­gen Bran­chen ist die Netz­wer­kin­ten­si­tät – der An­teil der Wert­schöp­fung, die Un­ter­neh­men in­ner­halb von stra­te­gi­schen Netz­wer­ken er­zie­len – be­son­ders hoch. In der Luft­fahrt­bran­che er­wirt­schaf­ten Ge­sell­schaf­ten, die in ei­nem der drei Bünd­nis­se Star Al­lian­ce, One­world oder Sky­team Mit­glied sind, 70 Pro­zent der Um­sät­ze. Große Ge­sell­schaf­ten wie die Deut­sche Luft­han­sa oder Uni­ted Air­li­nes ver­an­schla­gen den Er­geb­nis­bei­trag, den ih­nen die Mit­glied­schaft bringt, auf meh­re­re Hun­dert Mil­lio­nen Euro pro Jahr. Die Vor­tei­le sind viel­fäl­tig – sie rei­chen von ge­mein­sa­men An­ge­bo­ten und Stre­cken über ge­mein­sa­me Loun­ges und Ter­mi­nals an Flug­hä­fen bis hin zu ge­mein­sam ent­wi­ckel­ten IT-Lö­sun­gen und ein­ge­kauf­ten Er­satz­tei­len. Ent­spre­chend steht und fällt der Er­folg ein­zel­ner Un­ter­neh­men mit dem Er­folg des Bünd­nis­ses ins­ge­samt. Die­ser wird vor al­lem dann auf die Pro­be ge­stellt, wenn sich die Wett­be­wer­bs­be­din­gun­gen zwi­schen meh­re­ren sol­cher Netz­wer­ke än­dern. Das war zum Bei­spiel der Fall, als die TAM aus der Star Al­lian­ce aus­trat.
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