„Gutes Design polarisierT“

INTERVIEW:

HBM November 2015

Wel­che Pro­ble­me woll­ten Sie lö­sen, als Sie das The­ma De­sign bei Pep­si­co stär­ker in den Mit­tel­punkt rück­ten?
NOOYI Ich gehe jede Wo­che zum Le­bens­mit­tel­händ­ler, um zu se­hen, wie sich un­se­re Pro­duk­te im Re­gal ma­chen. Ich fra­ge mich da­bei grund­sätz­lich, nicht als CEO, son­dern als Mut­ter: Wel­che Pro­duk­te spre­chen mich wirk­lich an? Auf mich wirk­ten die Re­ga­le mit der Zeit im­mer un­über­sicht­li­cher. Mir wur­de klar, dass wir un­se­ren ge­sam­ten In­no­va­ti­ons­pro­zess über­den­ken und ein Ein­kaufs­er­leb­nis kre­ie­ren muss­ten – von der Pro­dukt­ent­wick­lung bis zur Prä­sen­ta­ti­on im Re­gal.

Wie be­gan­nen Sie, die­sen neu­en An­satz um­zu­set­zen?
NOOYI Als Ers­tes drück­te ich je­dem mei­ner di­rek­ten Mit­ar­bei­ter ein lee­res Fo­to­al­bum und eine Ka­me­ra in die Hand. Ich bat sie, al­les auf­zu­neh­men, was sie als gu­tes De­sign emp­fan­den.

Was ha­ben sie Ih­nen prä­sen­tiert?
NOOYI Nach sechs Wo­chen hat­ten nur ei­ni­ge we­ni­ge Mit­ar­bei­ter ihr Al­bum zu­rück­ge­ge­ben. Man­che hat­ten ihre Frau­en ge­be­ten, Fo­tos zu ma­chen. Vie­le hat­ten gar nichts un­ter­nom­men. Sie wuss­ten nicht, was De­sign ist. Im­mer wenn ich im Un­ter­neh­men ver­such­te, über De­sign zu spre­chen, dach­ten mei­ne Ge­sprächs­part­ner an Ver­pa­ckun­gen: „Sol­len wir ein an­de­res Blau neh­men?“ Es war, als wür­den Sie ein Haus bunt an­strei­chen, statt das Haus zu re­no­vie­ren. Mir wur­de klar, dass das Un­ter­neh­men einen De­si­gner brauch­te.

Wie leicht war es, De­si­gn­chef Mau­ro Por­ci­ni zu fin­den?
NOOYI Wir mach­ten uns auf die Su­che und sa­hen, dass er bei 3M Ver­gleich­ba­res er­reicht hat­te. Also lu­den wir ihn ein, um mit ihm über un­se­re Vi­si­on zu spre­chen. Er sag­te, er wür­de Mit­ar­bei­ter be­nö­ti­gen, ein De­si­gn­stu­dio und einen Platz am Board­tisch. All das be­kam er. Heu­te le­ben un­se­re Mit­ar­bei­ter das The­ma De­sign im ge­sam­ten Sys­tem, von der Pro­dukt­ent­wick­lung über die Ver­pa­ckung und Aus­zeich­nung bis hin zur Prä­sen­ta­ti­on un­se­rer Pro­duk­te im Re­gal und zur In­ter­ak­ti­on mit un­se­ren Kun­den.

Wie de­fi­nie­ren Sie „gu­tes De­sign“?
NOOYI Für mich ist ein gut de­si­gn­tes Pro­dukt ei­nes, in das Sie sich ver­lie­ben. Oder das Sie has­sen. Gu­tes De­sign darf po­la­ri­sie­ren, vor al­lem aber muss es eine ech­te Re­ak­ti­on her­vor­ru­fen. Idea­ler­wei­se han­delt es sich um ein Pro­dukt, das Ih­nen auch künf­tig et­was be­deu­tet, statt Ih­nen ein­fach nur die Ge­nug­tu­ung zu ver­mit­teln: Ja­wohl, ich habe es ge­kauft, und ich habe es ge­ges­sen.

Sie sa­gen, es gehe Ih­nen nicht ein­fach nur um die Ver­pa­ckung, doch vie­les von dem, was Sie sa­gen, dreht sich ge­nau dar­um.
NOOYI Es geht um weit mehr als Ver­pa­ckung. Wir muss­ten das ge­sam­te Ein­kaufs­er­leb­nis über­den­ken, von der Kon­zep­ti­on über das Pro­dukt im Re­gal bis hin zur Er­fah­rung nach dem Kon­sum. Neh­men wir zum Bei­spiel Pep­si Spi­re, un­se­ren neu­en Touch­s­creen-Ge­trän­ke­au­to­ma­ten (Kon­su­men­ten kön­nen da­mit in­di­vi­du­el­le Ge­trän­ke­mi­schun­gen kre­ie­ren – Anm. d. Red.). An­de­re An­bie­ter er­wei­tern ih­ren Ge­trän­ke­s­pen­der um ein paar Knöp­fe und Ge­schmacks­rich­tun­gen. Un­se­ren De­si­gnern ging es dar­um, eine völ­lig neue In­ter­ak­ti­on zwi­schen Kon­su­ment und Ma­schi­ne zu er­mög­li­chen. Das Er­geb­nis ist eine Art Rie­sen-iPad auf ei­ner fu­tu­ris­tisch an­mu­ten­den Ma­schi­ne, das mit Ih­nen spricht und Sie dazu ani­miert, mit ihm zu in­ter­a­gie­ren. Es merkt sich, was Sie kau­fen, und wird Sie beim nächs­ten Mal, wenn es Ihre Kar­te ein­liest, an die Ge­schmacks­kom­bi­na­tio­nen er­in­nern, die Sie beim letz­ten Mal pro­biert ha­ben. Dann schlägt die Soft­wa­re Ih­nen neue Va­ri­an­ten vor. Der Touch­s­creen zeigt hüb­sche Auf­nah­men des Pro­dukts. Und wenn Sie Aro­men wie Li­mo­ne oder Cran­ber­ry wäh­len, stellt er auch die­sen Vor­gang dar – Sie er­le­ben also, wie das Kon­zen­trat dem Ge­tränk hin­zu­ge­fügt wird, und drücken nicht ein­fach nur ein paar Knöp­fe, um am Ende das fer­ti­ge Pro­dukt aus­ge­hän­digt zu be­kom­men.
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