„Sie haben den ganzen Laden abgefackelt“

KRISENMANAGEMENT:

HBM September 2015

Micha­el Lyn­tons per­sön­li­ches Schwar­zer-Schwan-Er­eig­nis trug sich Ende 2014 zu, als Ha­cker die bis­lang ver­hee­rends­te At­ta­cke der mo­der­nen Un­ter­neh­mens­ge­schich­te rit­ten. Lyn­ton, CEO des ame­ri­ka­ni­schen Me­dien­kon­zerns Sony Pic­tu­res En­ter­tain­ment (SPE), muss­te mit an­se­hen, wie streng ver­trau­li­che Un­ter­neh­mens­da­ten öf­fent­lich ge­macht wur­den – dar­un­ter Ge­häl­ter, pri­va­te E-Mails (mit zum Teil ge­har­nisch­ter Kri­tik an ei­ni­gen Hol­ly­wood-Stars) und un­ver­öf­fent­lich­te Fil­me. Da­mit nicht ge­nug: Bei dem An­griff, für den US-Be­hör­den Nord­ko­rea ver­ant­wort­lich mach­ten, lösch­ten die Ha­cker große Da­ten­men­gen von den Ser­vern des Un­ter­neh­mens.
Als die An­grei­fer schließ­lich noch mit Ver­gel­tung droh­ten, falls der Film „The In­ter­view“ tat­säch­lich in die Ki­nos kom­men soll­te, ge­riet der eher zu­rück­hal­ten­de Lyn­ton an die vor­ders­te Front der US-Au­ßen­po­li­tik. Die von Sony Pic­tu­res pro­du­zier­te Ko­mö­die spielt in Nord­ko­rea und han­delt von ei­nem fik­ti­ven Mord­kom­plott ge­gen den am­tie­ren­den Macht­ha­ber Kim Jong Un. Aus Angst vor An­schlä­gen wei­ger­ten sich vie­le Ki­no­be­trei­ber, den Film zu zei­gen, so­dass Sony ge­zwun­gen war, an­de­re Ver­trie­bs­kanä­le zu er­kun­den. Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma schal­te­te sich in die De­bat­te ein und warf Sony vor, sich dem ver­meint­li­chen Druck Pjöng­jangs zu beu­gen. Die für Zu­schau­er ab 17 Jah­ren frei­ge­ge­be­ne Slap­stick­ko­mö­die wur­de un­ver­se­hens zum Sym­bol für Pres­se- und Mei­nungs­frei­heit.
Wie über­steht ein Un­ter­neh­men solch ein Er­eig­nis? Wie be­wahrt es sei­ne Un­ter­neh­mens­kul­tur – und wie die Loya­li­tät sei­ner Mit­ar­bei­ter –, wenn jede streng ge­hei­me, un­an­ge­neh­me oder gar an­züg­li­che In­for­ma­ti­on an die Öf­fent­lich­keit ge­rät? Im ka­li­for­ni­schen Cul­ver City, wo Sony Pic­tu­res in ei­nem tra­di­ti­ons­rei­chen Art-déco-Ge­bäu­de sei­nen Haupt­sitz hat, habe ich Lyn­ton be­sucht und mit ihm über die­se Er­fah­rung ge­spro­chen. Be­reit­wil­lig und un­be­fan­gen be­rich­te­te er über die schwie­ri­gen Wo­chen nach dem Hacke­r­an­griff und zeig­te sich zu­ver­sicht­lich, dass Sony die Epi­so­de un­be­scha­det über­stan­den hat. At­ta­cken wie die­se könn­ten künf­tig zur Nor­ma­li­tät wer­den. Des­halb hof­fe er, sagt Lyn­ton, dass der Alb­traum, den sein Un­ter­neh­men durch­litt, ein Weck­ruf für Ame­ri­kas Un­ter­neh­men ist.

Wer­fen wir zu­nächst einen Blick zu­rück. Ende ver­gan­ge­nen Jah­res sind die Com­pu­ter­sys­te­me von Sony ge­hackt wor­den. Was ha­ben Sie als Ers­tes ge­dacht?
LYN­TON Ich war ge­ra­de auf dem Weg zur Ar­beit. Es war ge­gen acht Uhr mor­gens, als mich un­ser CFO an­rief und be­rich­te­te, dass auf un­se­re Sys­te­me zu­ge­grif­fen wor­den war. Als ich im Büro an­kam, war das ge­sam­te Stu­dio be­reits vom Netz.

Und das war erst der An­fang.
LYN­TON Ja. Wir er­hiel­ten eine Rei­he be­droh­li­cher Nach­rich­ten über ge­stoh­le­ne Da­ten, und dann be­gann de­ren Ver­öf­fent­li­chung. Schon bald muss­ten wir an vie­len Fron­ten gleich­zei­tig kämp­fen. Zum einen ver­such­ten wir, den Be­trieb am Lau­fen zu hal­ten. Gleich­zei­tig muss­ten wir uns um Mit­ar­bei­ter küm­mern, die Angst hat­ten, dass ihre Da­ten an die Öf­fent­lich­keit ge­lan­gen. Wir muss­ten uns mit der Pres­se aus­ein­an­der­set­zen, die ei­ni­ge der E-Mails druck­te. Und dann kam das FBI für die fo­ren­si­sche Ana­ly­se zu uns.
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