Dein Freund, der Roboter

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HBM September 2015

Yuh-Mei Hutt aus Tal­la­has­see in Flo­ri­da rea­gier­te scho­ckiert, als sie von den Er­geb­nis­sen ei­ner neu­en Ox­ford-Stu­die über die Zu­kunft der Au­to­ma­ti­sie­rung und ihre Aus­wir­kun­gen auf den Ar­beits­markt er­fuhr: „Die Idee, dass es je­den zwei­ten Job in Zu­kunft nicht mehr ge­ben könn­te – das hat mei­ne Vor­stel­lun­gen von der Zu­kunft mei­ner Kin­der völ­lig um­ge­wor­fen“, schrieb sie. Und das ist nicht nur die Re­ak­ti­on ei­ner Mut­ter: Als ge­le­gent­li­che Tech­nik­blog­ge­rin und Chefin ei­nes klei­nen Un­ter­neh­mens sind ihr die Vor­tei­le der Com­pu­te­ri­sie­rung längst ver­traut. Doch nun tür­men sich die Nach­tei­le be­droh­lich am Ho­ri­zont: „Wie sol­len mei­ne Kin­der mit der künst­li­chen In­tel­li­genz der Com­pu­ter mit­hal­ten? Wie sol­len sie sich im Kampf um im­mer we­ni­ger Jobs ge­gen die vie­len äl­te­ren und er­fah­re­ne­ren Kon­kur­ren­ten durch­set­zen?“
Hutt steht mit die­sen Fra­gen nicht al­lein da, im Ge­gen­teil: Es scheint, als wür­den sich plötz­lich Men­schen in den un­ter­schied­lichs­ten Le­bens­si­tua­tio­nen Sor­gen über die fort­schrei­ten­de Au­to­ma­ti­sie­rung ma­chen. Und sie ha­ben al­len Grund dazu: Wenn es uns nicht ge­lingt, aus­rei­chen­den Er­satz für die vie­len weg­fal­len­den mensch­li­chen Tä­tig­kei­ten zu fin­den, dann wird der Man­gel an Jobs mit all sei­nen so­zia­len und psy­cho­lo­gi­schen Be­gleiter­schei­nun­gen – Re­zes­si­on, Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit, zu­neh­men­de Iden­ti­täts­kri­sen der Men­schen – im­mer wei­ter um sich grei­fen.
Das gilt ganz be­son­ders in ei­ner Zeit, in der die Au­to­ma­ti­sie­rung in Form künst­li­cher In­tel­li­genz auch geis­ti­ge Tä­tig­kei­ten er­fasst (sie­he Kas­ten „Die drei Zeit­al­ter der Au­to­ma­ti­sie­rung“). Wis­sens­ar­beit – das sind alle Tä­tig­kei­ten, die un­se­rer lo­cke­ren De­fi­ni­ti­on ge­mäß eher mit dem Kopf als mit den Hän­den ver­rich­tet wer­den, lo­gi­sches Ent­schei­den er­for­dern und tra­di­tio­nell eine wei­ter­füh­ren­de Aus­bil­dung oder ein Stu­di­um vor­aus­set­zen – be­stimmt heu­te einen Gut­teil der Jobs in ent­wi­ckel­ten Län­dern. Sie ist das Schutz­ge­biet, in das die Mensch­heit sich zu­rück­zog, als die Ma­schi­nen die ko­gni­tiv we­ni­ger an­spruchs­vol­len Auf­ga­ben über­nah­men. Doch schon in ab­seh­ba­rer Zu­kunft, so be­haup­tet Gart­ner-Ana­lyst Nigel Ray­ner, „wer­den auch die meis­ten Tä­tig­kei­ten au­to­ma­ti­siert, die CEOs heu­te ver­rich­ten“.
Aber was wäre, wenn wir die Si­tua­ti­on ganz an­ders be­trach­ten wür­den? Wenn wir nicht die tra­di­tio­nel­le Fra­ge stell­ten – näm­lich: „Wel­che heu­te noch von Men­schen er­le­dig­ten Auf­ga­ben kön­nen bald bes­ser und bil­li­ger von Ma­schi­nen aus­ge­führt wer­den?“, son­dern statt­des­sen et­was ganz an­de­res frag­ten: „Wel­che neu­en Leis­tun­gen könn­ten Men­schen mit Un­ter­stüt­zung bes­ser den­ken­der Ma­schi­nen er­brin­gen?“ Statt die Ar­beits­ver­tei­lung als Null­sum­men­spiel zu be­trach­ten, bei dem die Ma­schi­nen einen im­mer grö­ße­ren An­teil ge­win­nen, könn­ten wir viel­leicht Wachs­tums­mög­lich­kei­ten für die Be­schäf­ti­gung iden­ti­fi­zie­ren. Statt der Be­dro­hung durch Au­to­ma­ti­on wür­den wir dann die Chan­ce durch Aug­men­ta­ti­on, also durch Er­wei­te­rung un­se­rer Fä­hig­kei­ten, er­ken­nen kön­nen.
Wir ha­ben nach Bei­spie­len ge­sucht, wie Wis­sens­ar­bei­ter in Zu­sam­men­ar­beit mit Ma­schi­nen et­was schaf­fen, das kei­ne Sei­te al­lein hät­te er­rei­chen kön­nen. Da­bei stell­ten wir fest, dass Men­schen auf das Ein­drin­gen der Ma­schi­nen in ihre Ar­beits­be­rei­che auf über­ra­schend viel­fäl­ti­ge Wei­se rea­gie­ren. Die klas­si­sche Ar­gu­men­ta­ti­on lau­tet zwar, dass Men­schen sich nur mit hö­he­rer Bil­dung ge­gen die Be­dro­hung durch die Ma­schi­nen zur Wehr set­zen kön­nen. In Wahr­heit je­doch – das wol­len wir in die­sem Bei­trag zei­gen – schlie­ßen Men­schen auf fünf ver­schie­de­nen We­gen Frie­den mit den Ma­schi­nen.
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