Gedächtnis ohne Biss

VERTEIDIGEN SIE IHRE FORSCHUNG:

HBM September 2015

Ist un­ser vi­su­el­les Ge­dächt­nis wirk­lich so schlecht, dass wir uns selbst ganz ein­fa­che Sa­chen nicht mer­ken kön­nen?
CAS­TEL Ei­gent­lich ha­ben wir für vi­su­el­le In­for­ma­tio­nen ein gu­tes Ge­dächt­nis. Da­für gibt es in der For­schung ge­nü­gend Be­wei­se. Men­schen sind über­ra­schend gut dar­in, Ob­jek­te oder kom­ple­xe Bil­der – etwa Ur­laubs­fo­tos von an­de­ren Leu­ten – zu er­ken­nen, die sie vor­her schon ein­mal ge­se­hen ha­ben. Aber un­se­re Auf­merk­sam­keit ist ir­gend­wann ge­sät­tigt, da­für gibt es den Be­griff „At­ten­tio­nal Sa­tu­ra­ti­on“. Es wäre auch un­an­ge­mes­sen und wür­de uns über­for­dern, wenn wir men­tal al­les spei­chern wür­den, was in un­ser Sicht­feld kommt. Des­halb las­sen wir un­be­wusst man­che Din­ge au­ßen vor.
Das be­kann­tes­te Ex­pe­ri­ment zu die­sem The­ma kam zu fol­gen­dem Er­geb­nis: Es gibt nur we­ni­ge Leu­te, die kor­rekt wie­der­ge­ben kön­nen, wie die Ele­men­te auf ei­ner Ein-Cent-Mün­ze po­si­tio­niert sind – in wel­che Rich­tung Abra­ham Lin­coln schaut oder wo auf der Mün­ze das Wort „Li­ber­ty“ steht. Es ist ein sehr ver­trau­tes Ob­jekt. Und den­noch kon­zen­trie­ren wir uns nicht auf die De­tails.
Un­ter­su­chun­gen ha­ben er­ge­ben, dass das Glei­che für die Ta­sta­tu­ren von Ta­schen­rech­nern und Com­pu­tern, Tas­ten­fel­der in Auf­zü­gen und Ele­men­te von Stra­ßen­schil­dern gilt. Mei­ne Kol­le­gen Adam Bla­ke, Mee­ne­ly Na­za­ri­an und ich dach­ten, wir wür­den beim Ap­p­le-Logo mög­li­cher­wei­se ein an­de­res Er­geb­nis er­hal­ten. Es ist uns eben­falls ex­trem ver­traut – in­zwi­schen viel­leicht so­gar mehr als ein Cent –, aber es ist sch­lich­ter. Es ist äs­the­tisch an­spre­chend ge­stal­tet, und für vie­le sym­bo­li­siert es Hoch­wer­tig­keit. Aber viel­leicht weil es so all­ge­gen­wär­tig und ein­fach ist, hat­ten un­se­re Stu­den­ten of­fen­sicht­lich die De­tails des Lo­gos nicht im Ge­dächt­nis ge­spei­chert. Nur eine Per­son lag bei al­len Tei­len des Lo­gos rich­tig, und nur sie­ben konn­ten es mit drei oder we­ni­ger Feh­lern zeich­nen. Als wir das tat­säch­li­che Ap­p­le-Logo in ei­ner Rei­he mit sie­ben ab­ge­wan­del­ten Ver­sio­nen zeig­ten, konn­ten es nur 47 Pro­zent der Be­frag­ten iden­ti­fi­zie­ren. Wir alle wis­sen, dass es wie ein Ap­fel aus­sieht. Aber die meis­ten von uns ach­ten nicht auf den Biss­ab­druck oder das Blatt. Und das ist nur na­tür­lich. Wir be­las­ten uns nicht mit In­for­ma­tio­nen, wenn wir nicht da­von aus­ge­hen, dass wir sie ver­wen­den müs­sen.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
3
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
3
Zeichen:
15.801
Nachdrucknummer:
201509012
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben