Fünf-Sterne-Hotel auf Sparkurs

FALLSTUDIE:

HBM Juli 2015

Andy, Sie müs­sen da rich­tig ran – 20 per­cent less. You'll make it, I trust you." Die Wor­te von Tina Mc­Dou­glas, der HR-Di­rek­to­rin der Aqua-Red-Ho­tel­grup­pe, gin­gen An­dre­as Bor­chert nicht aus dem Kopf. Auch auf dem Rück­flug von der Zen­tra­le in Chi­ca­go nach Ham­burg dach­te er stän­dig an das Ge­spräch.
Die Zahl hat­te ihn voll­kom­men scho­ckiert; 20 Pro­zent run­ter mit den Per­so­nal­kos­ten! Das be­deu­te­te für sein Air­port­ho­tel, das er seit ein paar Jah­ren führ­te, mas­si­ve Kür­zun­gen. Und was das für ein Fünf-Ster­ne-Haus an Ein­bu­ßen im Ser­vice hieß, moch­te er sich gar nicht aus­ma­len ... „Um Got­tes wil­len“, dach­te der Ho­tel­ma­na­ger, schüt­tel­te re­si­gniert den Kopf und sah aus dem Fens­ter des Flug­zeugs auf die un­ter­ge­hen­de Son­ne, die den Him­mel oran­ge-vio­lett färb­te.
In den ver­gan­ge­nen sechs Mo­na­ten hat­te Aqua Red kei­ne Ge­le­gen­heit aus­ge­las­sen, Bor­chert in die Zan­ge zu neh­men: Das ex­klu­si­ve Ho­tel in Ham­burg war im Ver­gleich zu an­de­ren Häu­sern der US-Ho­tel­grup­pe nicht pro­fi­ta­bel ge­nug, und die Ame­ri­ka­ner ver­lang­ten, dass Bor­chert an der Kos­ten­schrau­be dre­hen soll­te. Noch vor knapp ei­nem Jahr hat­te das Haus ei­nem Ham­bur­ger Ho­te­lier ge­hört, dem es in ers­ter Li­nie auf her­aus­ra­gen­den Ser­vice an­kam, um den Fünf-Ster­ne-Sta­tus zu hal­ten. Doch seit­dem er ver­kauft hat­te und Aqua Red neu­er Be­trei­ber war, weh­te ein an­de­rer Wind.
Bor­chert hat­te schon vor sei­ner Rei­se in die USA alle Mög­lich­kei­ten ge­prüft und meh­re­re Vor­schlä­ge im Ge­päck ge­habt – von der Aus­la­ge­rung gan­zer Ab­tei­lun­gen über die Um­stel­lung auf die Ar­beit mit ge­ring­fü­gig Be­schäf­tig­ten und die Aus­nut­zung sämt­li­cher staat­li­cher För­der­mit­tel bis hin zur Er­hö­hung des An­teils nicht ta­rif­lich be­schäf­tig­ter Mit­ar­bei­ter. „Es sind bis­her nur Vor­schlä­ge, Tina, aber der Min­dest­lohn macht es nicht ge­ra­de ein­fa­cher. Und ob wir da­mit lang­fris­tig er­folg­reich sein kön­nen, ist frag­lich“, hat­te Bor­chert ar­gu­men­tiert, um die Hoff­nun­gen der HR-Ma­na­ge­rin zu dämp­fen und ihr die be­son­de­re Si­tua­ti­on in Deutsch­land vor Au­gen zu füh­ren. Als Bei­spiel führ­te er den Me­diens­kan­dal aus dem Jahr 2011 an, der die Bran­che in Deutsch­land er­schüt­tert hat­te: Da­mals war be­kannt ge­wor­den, dass füh­ren­de Ho­tel­grup­pen Rei­ni­gungs­kräf­te über Sub­un­ter­neh­mer zu Dum­pinglöh­nen be­schäf­tigt hat­ten. Dar­aus war nach lan­gen Ver­hand­lun­gen not­ge­drun­gen eine Selbst­ver­pflich­tung der Bran­che zu ta­rift­reu­en Lohn­zah­lun­gen ent­stan­den, der ei­gent­lich auch das „Aqua Red Air­port­ho­tel“ un­ter­lag.
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