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VERANTWORTUNG:

HBM Juli 2015

Armut ist nicht nur in Schwel­len­län­dern ein Pro­blem. In den USA sind nach An­ga­ben der Sta­tis­tik­be­hör­de mehr als 45 Mil­lio­nen Men­schen arm. Das sind 15 Pro­zent der Be­völ­ke­rung, und der An­teil ist seit Be­ginn des 21. Jahr­hun­derts bei­na­he je­des Jahr ge­stie­gen (au­ßer 2006). Ja­pan steht mit ei­ner Ar­muts­quo­te von 16 Pro­zent nicht bes­ser da. In der Eu­ro­päi­schen Uni­on sind knapp 120 Mil­lio­nen Men­schen von Ar­mut oder so­zia­ler Aus­gren­zung be­droht. Das ist je­der Vier­te.
Die Un­ter­neh­men in den In­dus­tri­e­län­dern ha­ben die Be­dürf­nis­se die­ser Be­völ­ke­rungs­grup­pen in der Ver­gan­gen­heit weit­ge­hend igno­riert. Dass nicht alle ihre Kun­den reich sind, wis­sen sie. Des­halb ha­ben sie mas­siv in so­ge­nann­te Bil­lig­pro­duk­te und Bil­lig­dienst­leis­tun­gen in­ves­tiert, die zu mög­lichst nied­ri­gen Kos­ten pro­du­ziert wer­den und für Men­schen mit ei­nem be­grenz­ten Bud­get ge­dacht sind. Die meis­ten Au­to­mo­bil­her­stel­ler hat­ten schon vor Jahr­zehn­ten Bil­lig­mo­del­le im An­ge­bot: Fords Mo­del T, der VW Kä­fer, der Mini Cooper und der Citroën 2CV wur­den zu ih­rer Zeit ex­pli­zit für Käu­fer mit we­nig Geld kon­zi­piert. Im Ein­zel­han­del be­grün­de­ten Dis­coun­ter wie Aldi und Lidl in Eu­ro­pa oder Mar­ket Bas­ket in den USA das klas­si­sche Bil­lig­seg­ment.
Aber für die 25 Pro­zent, die von Ar­mut be­droht sind, sind so­ge­nann­te Bil­lig­pro­duk­te meist im­mer noch zu teu­er. Die Ver­brau­cher die­ser Be­völ­ke­rungs­grup­pe kön­nen sich ohne staat­li­che Hil­fe oft nicht ein­mal die Wa­ren und Dienst­leis­tun­gen des Grund­be­darfs leis­ten. Doch wäh­rend der Be­darf an staat­li­cher Un­ter­stüt­zung steigt, ha­ben die Re­gie­run­gen im­mer we­ni­ger fi­nan­zi­el­len Spiel­raum da­für. Auf dem Land sind arme Men­schen we­gen der schlech­ten An­bin­dung an öf­fent­li­che Ver­kehrs­mit­tel oft auf alte, ex­trem bil­li­ge Fahr­zeu­ge an­ge­wie­sen. Ver­sagt das Auto ir­gend­wann den Dienst, droht man­gels Mo­bi­li­tät oft gar der Ver­lust des Ar­beits­plat­zes.
Eine Rei­he von in­ter­na­tio­nal tä­ti­gen Un­ter­neh­men be­geg­net die­sen Pro­ble­men seit ei­ni­gen Jah­ren mit ei­nem neu­en An­satz. Der fran­zö­si­sche So­zi­al­po­li­ti­ker Mar­tin Hir­sch und Da­no­ne-Chef Em­ma­nu­el Fa­ber grün­de­ten 2009 die Non-Pro­fit-Or­ga­ni­sa­ti­on Ac­ti­on Tank und setz­ten Jac­ques Ber­ger, den Chef der Pa­ri­ser Busi­ness School HEC, als Lei­ter ein.
In die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on ar­bei­ten mul­ti­na­tio­na­le Kon­zer­ne, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (NGOs) und staat­li­che Stel­len ge­mein­sam an so­zia­len Un­ter­neh­mens­kon­zep­ten für Frank­reich.
„So­ci­al Busi­ness“ ist ein Kon­zept, das ur­sprüng­lich im Hin­blick auf arme Län­der ent­wi­ckelt wur­de. Sol­che So­zial­un­ter­neh­men zeich­nen sich vor al­lem durch drei Merk­ma­le aus. Ers­tens: Sie kämp­fen ge­gen so­zia­le Pro­ble­me, un­ter an­de­rem ge­gen Ar­mut in all ih­ren For­men. Zwei­tens: Sie müs­sen nach­hal­tig ge­führt wer­den, das heißt, sie dür­fen nicht de­fi­zi­tär sein. Und drit­tens: Ge­win­ne wer­den ins Un­ter­neh­men rein­ves­tiert und nicht an die An­teils­eig­ner aus­ge­schüt­tet. Die In­ves­to­ren er­hal­ten am Ende nur ihre An­fangs­in­ves­ti­ti­on zu­rück. Da­no­ne und an­de­re mul­ti­na­tio­na­le Un­ter­neh­men ver­fol­gen seit ei­ni­ger Zeit So­ci­al-Busi­ness-Pro­jek­te in Ban­gla­de­sch und wei­te­ren ar­men Län­dern, in den In­dus­tri­e­län­dern sind sol­che Pro­jek­te je­doch sel­ten.
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