Schadet das Homeoffice der Motivation?

FALLSTUDIE:

HBM Mai 2015

Die laut­star­ke Aus­ein­an­der­set­zung vor ih­rer Bü­ro­tür war für Am­ri­ta Tri­ve­di nicht zu über­hö­ren. Als Ge­schäfts­füh­re­rin der in­di­schen Nie­der­las­sung von KGDV, ei­nem in­ter­na­tio­na­len Dienst­leis­ter für das Out­sour­cing von Wis­sen­spro­zes­sen, hat sie sich zwar im­mer für eine ge­sun­de Streit­kul­tur im Un­ter­neh­men stark­ge­macht. Aber dass sich der Per­so­nal­chef Vi­jay Na­yak und der obers­te Pro­jekt­ma­na­ger Matt Par­ker aus­ge­rech­net auf dem Bü­roflur der­art hef­tig an­gin­gen, über­rasch­te sie dann doch.
„Sie ha­ben sich das ver­dient, Vi­jay!“, sag­te Par­ker. „Und sie leis­ten wirk­lich viel. Wir ha­ben ja nicht ein­fach un­se­re Lieb­lings­mit­ar­bei­ter aus­ge­sucht und zum Däum­chen­dre­hen und Fern­seh­gu­cken nach Hau­se ge­schickt.“
„So schaf­fen wir aber eine Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft“, ant­wor­te­te Na­yak. „Die Leu­te, die in der Fir­ma zu­rück­blei­ben, ver­lie­ren jede Mo­ti­va­ti­on. Sie wol­len auch von zu Hau­se aus ar­bei­ten und ver­ste­hen nicht, wes­halb das nicht geht.“
„Aber es geht ja, sie müs­sen es sich nur erst ver­die­nen!“, ent­geg­ne­te Par­ker zu­neh­mend auf­ge­bracht.
Am­ri­ta Tri­ve­di öff­ne­te die Tür. „Vi­jay“, sag­te sie, „kön­nen wir mit un­se­rem Mee­ting be­gin­nen?“ Matt Par­ker ent­schul­dig­te sich ver­le­gen und ging wei­ter.
„Was war los?“, woll­te Tri­ve­di wis­sen, als sie und Vi­jay Na­yak in der Sitze­cke Platz nah­men.
„Matts Heim­ar­bei­ter“, sag­te er.
KGDV un­ter­hielt sei­nen Haupt­sitz in New Jer­sey und eine wei­te­re Nie­der­las­sung in Ma­ni­la. Das Un­ter­neh­men bot eine Rei­he ver­schie­de­ner Dienst­leis­tun­gen an, dar­un­ter Markt­for­schung und ju­ris­ti­sche Re­cher­chen. Sein größ­ter und wachs­tums­stärks­ter Be­reich war das Ge­schäft mit den Ver­lags­häu­sern in den USA. KDGV kon­ver­tier­te, in­di­zier­te und fass­te Zeit­schrif­ten­ar­ti­kel zu­sam­men, die sei­ne Kun­den an­schlie­ßend an Bi­blio­the­ken, For­schungs­in­sti­tu­te und Abon­nen­ten ver­kauf­ten. Wie vie­le an­de­re Out­sour­cing­un­ter­neh­men auch, ver­gü­te­te KGDV die Mit­ar­bei­ter er­geb­nis­ba­siert: Je mehr sie schaff­ten, de­sto mehr ver­dien­ten sie und - im Fal­le des Bi­blio­thek­spro­jekts, das Par­ker lei­te­te - de­sto hö­her war die Wahr­schein­lich­keit, dass sie von zu Hau­se aus ar­bei­ten durf­ten.
Al­ler­dings war Na­yak nicht glück­lich dar­über, wie sich die Din­ge ent­wi­ckel­ten. „Wir steu­ern wo­mög­lich ge­ra­de­wegs auf eine Ka­ta­stro­phe zu“, sag­te er.
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