„Nar­ziss­ti­scher Ansatz“

INTERVIEW:

HBM März 2015

Frau Kel­ler­man, Sie ha­ben mehr als ein Dut­zend Bü­cher über das The­ma Lea­der­ship ge­schrie­ben. Was ist heu­te für Füh­rungs­kräf­te die größ­te Her­aus­for­de­rung?
KEL­LER­MAN Füh­rungs­kräf­te ver­lie­ren im All­ge­mei­nen mehr und mehr an Macht und Ein­fluss, und ihre An­hän­ger und an­de­re Ak­teu­re ge­win­nen im Ge­gen­zug bei­des dazu. Das trifft auf ver­schie­de­ne Sek­to­ren zu und - ab­ge­se­hen von Län­dern, in de­nen Un­ter­drückung herrscht - auch auf die gan­ze Welt. Die al­ten Füh­rungs- und Ma­na­ge­ment­mo­del­le funk­tio­nie­ren des­halb nicht mehr so gut wie frü­her. Bei Re­gie­run­gen ist das of­fen­sicht­lich, und mei­ner An­sicht nach auch in der Wirt­schaft. Mei­nungs­um­fra­gen kom­men re­gel­mä­ßig zu dem Er­geb­nis, dass die Füh­rungs­per­sön­lich­kei­ten in west­li­chen De­mo­kra­ti­en an An­er­ken­nung ver­lie­ren und kaum noch et­was durch­set­zen kön­nen.

Was hat der An­se­hens­ver­lust von Po­li­ti­kern mit dem Un­ter­neh­men­sall­tag zu tun?
KEL­LER­MAN Die Füh­rungs­kräf­te in der Wirt­schaft ha­ben ähn­li­che Pro­ble­me wie die Po­li­ti­ker. Das scheint zu­nächst we­ni­ger ein­deu­tig zu sein, weil Un­ter­neh­mens­len­ker äu­ßerst gut ver­die­nen. Doch sie wer­den von al­len Sei­ten zur Re­chen­schaft ge­zo­gen. Ihre Amts­zei­ten wer­den kür­zer, und das ist kein Wun­der: Sie wer­den in­fra­ge ge­stellt, und eine gan­ze Rei­he von Ak­teu­ren greift sie an - ihr ei­ge­nes Ma­na­ge­ment­team, ihre Mit­ar­bei­ter, die Pres­se, die Öf­fent­lich­keit und seit Kur­z­em auch die Ak­tio­näre, vor al­lem sol­che, die sich selbst ins Ma­na­ge­ment ein­mi­schen wol­len. Gleich­zei­tig ist das Um­feld ei­nem kul­tu­rel­len, struk­tu­rel­len und tech­no­lo­gi­schen Wan­del un­ter­wor­fen. Aus die­sen Grün­den ist es viel schwie­ri­ger ge­wor­den, eine Füh­rungs­po­si­ti­on aus­zuü­ben.

Sie be­schrei­ben vor al­lem die Si­tua­ti­on in den USA. Be­trifft die­se Ent­wick­lung auch Deutsch­land?
KEL­LER­MAN Deutsch­land war aus ver­schie­de­nen po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Grün­den bis­her von die­sem Ver­än­de­rungs­druck we­ni­ger be­trof­fen. Aber es kann sich nicht da­von ab­kap­seln. Das Land ist in ein in­ter­na­tio­na­les Sys­tem ein­ge­bun­den und da­mit in keins­ter Wei­se vor die­ser Ent­wick­lung ge­feit. Der große Rah­men, in dem sich Deutsch­land be­wegt, ist der glei­che wie der für die Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Groß­bri­tan­ni­en oder die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te. Das Pro­blem be­steht dar­in, dass die Art und Wei­se, in der wir heu­te Füh­rung un­ter­rich­ten, die dras­ti­schen Ver­än­de­run­gen des Um­felds über­haupt nicht be­rück­sich­tigt, die ich an­ge­spro­chen habe.

Sie kri­ti­sie­ren die Bil­dungs­bran­che, in der bei­spiels­wei­se Hoch­schu­len Se­mi­na­re für Füh­rungs­kräf­te an­bie­ten. Was ge­nau läuft Ih­rer Mei­nung nach schief?
KEL­LER­MAN Die über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit mei­ner Kol­le­gen ist ge­ra­de­zu be­ses­sen von Füh­rungs­kräf­te­ent­wick­lung. Da­hin­ter steckt der Ge­dan­ke, die Fä­hig­kei­ten und die Leis­tungs­fä­hig­keit des Ein­zel­nen zu ver­bes­sern. Es han­delt sich um einen An­satz, der die Füh­rungs­per­son in den Mit­tel­punkt stellt. In der Ver­gan­gen­heit hät­te das viel­leicht funk­tio­nie­ren kön­nen, aber heu­te ist das mei­ner An­sicht nach über­holt. Wir le­ben, füh­ren und ma­na­gen im 21. Jahr­hun­dert. Da­her müs­sen wir die Tat­sa­che be­rück­sich­ti­gen, dass sich die Welt ver­än­dert - und das sehr schnell. Die Bran­che soll­te sich viel mehr an den ex­ter­nen Fak­to­ren ori­en­tie­ren und we­ni­ger die in­ter­nen in den Vor­der­grund stel­len.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
4
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
5
Zeichen:
23.962
Nachdrucknummer:
201503092
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben