Die Wiedergeburt der Di­ver­si­fi­ka­ti­on

WACHSTUM:

HBM Januar 2015

Als Jeff Be­zos 1994 Ama­zon grün­de­te, soll­te das jun­ge Start-up ei­gent­lich den Na­men Relentless.com (engl. un­barm­her­zig) tra­gen - die­se In­ter­net­adres­se führt bis heu­te zu Ama­zon. Da­bei fing das Un­ter­neh­men ganz harm­los an. Wie so vie­le an­de­re Start-ups auch, be­gann Ama­zon als be­schei­de­ne Ga­ra­gen­grün­dung mit dem Ver­trieb von Bü­chern über das In­ter­net. Und heu­te? 20 Jah­re spä­ter ist das Un­ter­neh­men etwa 150 Mil­li­ar­den US-Dol­lar wert und hat welt­weit über 250 Mil­lio­nen Kun­den. Ama­zon bie­tet na­he­zu al­les an. Das Un­ter­neh­men ist Su­per­markt, Hard­wa­re­fa­bri­kant, Kon­trakt­lo­gis­ti­ker, Cloud-An­bie­ter, On­li­ne­vi­deo­thek, Mu­sik­por­tal, Film­pro­du­zent, Ver­lag, Per­so­nal­ver­mitt­ler, Au­to­händ­ler, Ser­ver­pro­vi­der, IT-Dienst­leis­ter, Spie­le­ent­wick­ler und vie­les mehr. Erst kürz­lich wur­de be­kannt, dass Ama­zon auch dar­an ar­bei­tet, güns­ti­ge Rei­sen ins All zu er­mög­li­chen.
Ama­zon ist ein ex­trem di­ver­si­fi­zier­tes Un­ter­neh­men, was ei­gent­lich un­ty­pisch ist. Heut­zu­ta­ge gilt als best­mög­li­che Pra­xis und ele­men­ta­res Ma­na­ge­ment­prin­zip, ein Un­ter­neh­men in­ner­halb ei­ner Bran­che klar zu po­si­tio­nie­ren und sich auch in sei­ner Di­ver­si­fi­ka­ti­on auf ähn­li­che Ge­schäf­te zu kon­zen­trie­ren. Die­se Er­kennt­nis be­ruht auf den Er­fah­run­gen der 60er Jah­re, als vie­le Misch­kon­zer­ne wie Gulf & Wes­tern, ITT und Te­le­dy­ne ent­stan­den wa­ren und kon­glo­me­ra­te Di­ver­si­fi­ka­ti­on das Man­tra war. Da die Syn­er­gi­en aus­blie­ben und die Ma­na­ger die Kom­ple­xi­tät nicht be­herr­schen konn­ten, zer­schlu­gen sie die­se Kon­struk­tio­nen in den nach­fol­gen­den Jah­ren weit­ge­hend. Doch das Bei­spiel Ama­zon zeigt, das The­ma der bran­chen­über­grei­fen­den Di­ver­si­fi­ka­ti­on ist nicht vom Tisch. Im Ge­gen­teil.
Wir be­schäf­tig­ten uns seit vie­len Jah­ren mit der Art und Wei­se, wie Un­ter­neh­men wach­sen. In jüngs­ter Zeit fie­len uns da­bei Wachs­tumss­tra­te­gi­en auf, die in kei­nes der his­to­risch üb­li­chen Ras­ter pass­ten. Die ge­naue­re Ana­ly­se er­gab, dass sich in man­chen Fir­men ein Wachs­tums­mo­dell eta­bliert hat, das wir Mar­ket Fracking ge­nannt ha­ben. Die Un­ter­neh­men er­schlie­ßen sich wie die mo­der­nen Öl- und Gas­för­der­fir­men kleins­te Ni­schen mit neu­er Tech­no­lo­gie. Sie spren­gen eta­blier­te Markt­seg­men­te, wie die Öl­fir­men das Ge­stein, in dem die wert­vol­len Öl- und Gas­vor­kom­men la­gern.
Mög­lich wird dies, weil die Kos­ten der Ko­or­di­na­ti­on, Kom­mu­ni­ka­ti­on und In­di­vi­dua­li­sie­rung stark sin­ken. Au­ßer­dem wird es im­mer ein­fa­cher und bil­li­ger, große Da­ten­men­gen zu er­fas­sen, zu spei­chern und zu ana­ly­sie­ren. So ent­ste­hen neue Wege, wie Ma­na­ger mit­hil­fe der Di­ver­si­fi­ka­ti­on für nach­hal­ti­ges Wachs­tum sor­gen kön­nen. Wir ha­ben die heu­te ex­pan­sivs­ten Un­ter­neh­men ana­ly­siert und fest­ge­stellt, dass die­se auf der einen Sei­te ihre an­ge­stamm­ten Märk­te im­mer stär­ker durch­drin­gen und dort im­mer grö­ße­re An­tei­le ver­ei­nen, aber gleich­zei­tig auch neue Märk­te im­mer schnel­ler er­schlie­ßen. Da­bei steu­ern die Ma­na­ger das Wachs­tum in neue Märk­te und Bran­chen häu­fig über das Wis­sen, dass sie aus der in­ten­si­ven Be­ar­bei­tung ih­rer Stamm­märk­te ge­won­nen ha­ben. Die bis­her üb­li­chen Bran­chen­gren­zen ent­lang von Pro­dukt­ka­te­go­ri­en spie­len eine zu­neh­mend un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le; sie wer­den schein­bar mü­he­los über­wun­den.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
4
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
8
Zeichen:
29.814
Nachdrucknummer:
201501054
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben