Seien Sie wachsam!

SELBSTMANAGEMENT:

HBM Oktober 2014

Ich be­schäf­ti­ge mich nun schon seit ei­nem Jahr­zehnt mit der Fra­ge, wa­rum man­che Men­schen Chan­cen und Ge­fah­ren in ih­rem Un­ter­neh­men er­ken­nen und dar­auf rea­gie­ren, wäh­rend an­de­re we­der das eine noch das an­de­re be­mer­ken. Im Mit­tel­punkt mei­ner For­schungs­tä­tig­keit ste­hen Füh­rungs­kräf­te, de­nen Ver­stö­ße ge­gen ethi­sches Ver­hal­ten in ih­rer Fir­ma ent­ge­hen. Wie kann es sein, dass in­tel­li­gen­te, in­teg­re Ma­na­ger Ver­feh­lun­gen über­se­hen oder igno­rie­ren, die letzt­end­lich eine Be­dro­hung für ihr Ge­schäft dar­stel­len? Im Jahr 2005 hat­te ich mein per­sön­li­ches Aha-Er­leb­nis. Da­mals wur­de ich Zeu­ge ei­nes Vor­gangs, der - wie mir spä­ter klar wur­de - ge­gen die Grund­re­geln ethi­schen Ver­hal­tens vers­tieß. Trotz mei­ner Er­fah­rung, mei­ner Wert­vor­stel­lun­gen und mei­ner Fach­kom­pe­tenz auf die­sem Ge­biet tat ich zu­nächst nichts da­ge­gen.
Ich hat­te mich in ei­nem bahn­bre­chen­den Pro­zess des ame­ri­ka­ni­schen Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums ge­gen die Ta­bak­in­dus­trie als Sach­ver­stän­di­ger zur Ver­fü­gung ge­stellt. Mei­ne Auf­ga­be war es, Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge zu ma­chen, falls die An­ge­klag­ten für schul­dig be­fun­den wur­den: Die ame­ri­ka­ni­sche Re­gie­rung warf den Ta­b­ak­kon­zer­nen kri­mi­nel­le Ver­schwö­rung und mehr­fa­chen Be­trug vor, mit dem sie die Öf­fent­lich­keit über die Ri­si­ken des Rau­chens ge­täuscht ha­ben soll­ten. In mei­ner schrift­lich ab­ge­fass­ten Zeu­gen­aus­sa­ge emp­fahl ich dem Ge­richt, in die­ser Bran­che ei­ni­ge gra­vie­ren­de Ver­än­de­run­gen ein­zu­füh­ren: So soll­ten bei­spiels­wei­se ex­ter­ne Be­ob­ach­ter be­ru­fen wer­den, die be­voll­mäch­tigt wa­ren, die Ta­b­ak­kon­zer­ne um­zu­struk­tu­rie­ren und den Füh­rungs­kräf­ten ihre Be­fug­nis­se zu ent­zie­hen. Doch vier Tage vor mei­nem Aus­sa­ge­ter­min vor Ge­richt wur­de ich von ei­nem Mit­glied der Rechts­ab­tei­lung des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums ge­be­ten, die­se Emp­feh­lun­gen zu re­vi­die­ren: Statt­des­sen soll­te ich aus­sa­gen, dass vie­le die­ser Maß­nah­men nicht an­ge­mes­sen sei­en, wenn vier Be­din­gun­gen (die der Ju­rist mir vor­las) er­füllt wa­ren. Ich be­saß nicht die nö­ti­gen ju­ris­ti­schen Kennt­nis­se, um die Ver­än­de­rungs­vor­schlä­ge die­ses Rechts­kun­di­gen be­ur­tei­len zu kön­nen. Doch mein ers­ter Ein­druck war, dass sie mei­ne Aus­sa­ge ab­schwä­chen wür­den. Ich frag­te ihn, wa­rum ich die­se Än­de­run­gen vor­neh­men soll­te. Wenn ich es nicht täte, wür­den lei­ten­de Be­am­te des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums mir viel­leicht nicht er­lau­ben, mei­ne Aus­sa­ge zu ma­chen. Dann wä­ren über 200 Ar­beits­stun­den um­sonst ge­we­sen - eine enor­me Ver­schwen­dung von Steu­er­gel­dern, er­klär­te er mir. Ich er­wi­der­te, dass ich zu mei­nen An­sich­ten stün­de, und am 4. Mai trat ich in den Zeu­gen­stand und brach­te mei­ne Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge un­ver­än­dert vor.
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