Onlinehandel in der Bargeldwelt

E-COMMERCE:

HBM Oktober 2014

Anfangs woll­te ich mit Ozon ei­gent­lich gar nichts zu tun ha­ben. Ich stand bei der Bo­ston Con­sul­ting Group (BCG) kurz vor der Wahl zur Part­ne­rin, und Ozon war ei­ner un­se­rer kleins­ten Kun­den. Wie soll­te der mir bei der Be­för­de­rung nut­zen? Aber ein Se­ni­or Part­ner be­stand dar­auf, dass ich die Lei­tung der Be­treu­ung die­ses Kun­den über­neh­men soll­te.
We­ni­ge Mo­na­te spä­ter kün­dig­te ich bei BCG und über­nahm die Lei­tung für Ver­trieb und Mar­ke­ting bei Ozon. Ein­ein­halb Jah­re spä­ter wur­de ich dann dort CEO. Wa­rum ich die­ses Ri­si­ko ein­ge­gan­gen bin? Zu­nächst ein­mal war ich frü­her schon als Un­ter­neh­me­rin ak­tiv ge­we­sen und sehn­te mich nach die­ser auf­re­gen­den Zeit zu­rück. Au­ßer­dem wur­de mir schnell klar, dass Ozon das Ama­zon Russ­lands wer­den wür­de. Vor vier Jah­ren gab es dort noch nicht vie­le an­de­re E-Com­mer­ce-An­bie­ter, und ich war über­zeugt da­von, dass der Markt ex­plo­die­ren wür­de. Im­mer mehr Rus­sen zog es mit ho­her Ge­schwin­dig­keit ins In­ter­net - die Zahl der Men­schen mit On­li­ne­zu­gang stieg pro Jahr um 15 Pro­zent­punk­te und er­reich­te 2013 dann die Mar­ke von 55 Pro­zent.
Im tra­di­tio­nel­len Ein­zel­han­del ist schon ein Wachs­tum von 5 Pro­zent er­freu­lich, also war die schnel­le Ent­wick­lung im In­ter­net wirk­lich span­nend für mich. Zu­dem be­kam ich die Chan­ce, in kur­z­er Zeit viel zu be­we­gen. Ich moch­te mei­ne Ar­beit bei BCG, wo ich mit Ein­zel­han­del und Lo­gis­tik zu tun hat­te. Doch die Chan­ce, mit Ozon Teil ei­ner Ge­schich­te von Hy­per­wachs­tum zu wer­den, war zu in­ter­essant, um sie ver­strei­chen zu las­sen. Und was viel­leicht am wich­tigs­ten war: Der Job ver­sprach die Lei­tung ei­nes großen Teams, denn schon da­mals hat­te Ozon Hun­der­te Mit­ar­bei­ter. Bei BCG da­ge­gen hät­te mein Team nie­mals mehr als zehn oder zwölf Leu­te um­fasst.
Aber wa­rum wur­de aus­ge­rech­net mir der Job an­ge­bo­ten? Ich war erst 32 Jah­re alt und kam aus Frank­reich. Über E-Com­mer­ce wuss­te ich nicht viel (so­lan­ge man Ein­kau­fen bei Ama­zon nicht mit­zählt). Doch bei Tech-Start-ups spie­len Al­ter und Na­tio­na­li­tät kei­ne Rol­le, und ich sprach gut Rus­sisch. Au­ßer­dem hat­te ich zu­min­dest ein we­nig tech­ni­sche Er­fah­rung. Das Board von Ozon hat­te er­kannt: Der Schlüs­sel zur Er­schlie­ßung des rus­si­schen E-Com­mer­ce-Mark­tes lag dar­in, einen Weg zu fin­den, be­stell­te Ware trotz der un­zu­ver­läs­si­gen Ver­trie­bs­sys­te­me im Land rasch zum Kun­den zu brin­gen. Es war die Chan­ce mei­nes Le­bens, und ich er­griff sie mit bei­den Hän­den.
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