Das andere Fukushima

KRISENMANAGEMENT:

HBM Oktober 2014

Wenn von der „Fu­kus­hi­ma-Ka­ta­stro­phe“ die Rede ist, den­ken die meis­ten Men­schen an Fu­kus­hi­ma Dai­i­chi. Das war das Atom­kraft­werk, in dem es nach dem Erd­be­ben und dem Ts­un­a­mi im März 2011 zu drei Kern­schmel­zen und Ex­plo­sio­nen in drei Re­ak­tor­blö­cken kam. Ma­na­ger und Ar­bei­ter vor Ort konn­ten die Ka­ta­stro­phe nicht ab­wen­den, denn sie hat­ten kaum Strom für den Be­trieb der nö­ti­gen Kühl­sys­te­me. Men­schen rund um die Welt muss­ten des­halb zu­se­hen, wie auf kör­ni­gen TV-Bil­dern Ex­plo­sio­nen und graue Rauch- und Dampf­wol­ken den Him­mel über Fu­kus­hi­ma ver­dun­kel­ten. Seit­dem kämpft man in Dai­i­chi dar­um, den Scha­den durch ra­dio­ak­tiv ver­seuch­tes Was­ser und Trüm­mer in Gren­zen zu hal­ten.
We­ni­ger gut be­kannt ist die Kri­se in Fu­kus­hi­ma Dai­ni, ei­nem Schwes­ter­kraft­werk un­ge­fähr zehn Ki­lo­me­ter süd­lich. Auch hier gab es schwe­re Schä­den, doch eine ech­te Ka­ta­stro­phe wie in Dai­i­chi konn­te ver­hin­dert wer­den. Um her­aus­zu­fin­den, wel­che Rol­le das Ma­na­ge­ment da­bei spiel­te, ha­ben wir die Er­eig­nis­se in Fu­kus­hi­ma Dai­ni re­kon­stru­iert. Quel­len wa­ren die Aus­sa­gen meh­re­rer Au­gen­zeu­gen, de­tail­lier­te Be­rich­te der To­kyo Elec­tric Power Com­pa­ny (Tep­co) als Be­trei­ber bei­der Kraft­wer­ke, der US-Kern­ener­gie­ver­band Nucle­ar Ener­gy In­sti­tu­te und eine Rei­he von öf­fent­li­chen Do­ku­men­ten. In der­art un­be­re­chen­ba­ren Si­tua­tio­nen, so zeig­te sich, gel­ten die üb­li­chen Re­geln für Ent­schei­dungs­fin­dung und das Ver­hal­ten in Or­ga­ni­sa­tio­nen nicht mehr. Trotz­dem fan­den der Lei­ter des Kraft­werks, Nao­hi­ro Ma­su­da, und die rest­li­chen 400 Be­schäf­tig­ten in Dai­ni einen Weg durch das Cha­os und schaff­ten es, Kern­schmel­zen und Ex­plo­sio­nen zu ver­hin­dern.
Mit ei­ner Stär­ke von 9,0 war das Erd­be­ben das stärks­te seit Be­ginn der Auf­zeich­nun­gen in Ja­pan, und die von ihm aus­ge­lös­ten Wel­len wa­ren drei­mal so hoch wie jene, für die Dai­ni aus­ge­legt war. Da­durch blie­ben nur noch ein Die­sel­ge­ne­ra­tor und eine Strom­zu­lei­tung in­takt. Die Lei­tung lie­fer­te Strom in die Kon­troll­räu­me, so­dass Mit­ar­bei­ter zu­min­dest Was­ser­stand, Tem­pe­ra­tur, Druck und an­de­re wich­ti­ge Wer­te für je­den Re­ak­tor und sei­ne Si­cher­heits­hül­le im Blick be­hal­ten konn­ten. Bei drei der vier Re­ak­to­ren aber fehl­te es an Strom für eine kri­ti­sche Kom­po­nen­te ih­rer Kühl­sys­te­me.
Um eine Ab­küh­lung zu er­rei­chen und so Zer­stö­run­gen wie in Dai­i­chi zu ver­hin­dern, muss­ten Ma­su­da und sein Team die un­ver­sorg­ten Re­ak­to­ren ir­gend­wie an die ver­blie­be­nen Strom­quel­len an­schlie­ßen. Al­ler­dings stand die Be­leg­schaft noch un­ter dem Ein­druck ei­ner Ka­ta­stro­phe fast über­na­tür­li­chen Aus­ma­ßes. Was war ei­gent­lich pas­siert? Wie konn­ten die Ar­bei­ter wei­ter­ma­chen und Not­fall­maß­nah­men er­grei­fen, wo doch kurz zu­vor alle ihre Er­war­tun­gen bru­tal zer­stört wor­den wa­ren? Hin­ter die­sen Fra­gen ver­barg sich eine noch be­un­ru­hi­gen­de­re: War das Schlimms­te wirk­lich schon vor­über? Na­tur­ka­ta­stro­phen sind kei­ne Ein­ze­ler­eig­nis­se. Das Erd­be­ben hat­te sich schon Tage zu­vor an­ge­kün­digt, und mit Nach­be­ben war noch mehr als ein Jahr lang zu rech­nen. Auch bei dem Ts­un­a­mi han­del­te es sich nicht um eine ein­zel­ne zer­stö­re­ri­sche Wel­le, son­dern um eine gan­ze Rei­he da­von.
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