Forschen oder Geld verdienen?

FALLSTUDIE:

HBM Juli 2014

End­lich war die neues­te kli­ni­sche Stu­die des Ex­pe­ri­men­tal­me­di­ka­ments L-39 in In­di­en ab­ge­schlos­sen. Doch die Er­geb­nis­se wa­ren aus­ge­spro­chen ent­täu­schend. Hil­de Dach, Team­lei­te­rin beim deut­schen Phar­ma­her­stel­ler Ca­lis­ka, sah die Ent­täu­schung auch in den Au­gen ih­res Chefs Jo­han Gre­ve. Der wei­te­re Weg für L-39 ver­sprach be­schwer­lich zu wer­den. Denn Gre­ve und die an­de­ren Füh­rungs­kräf­te bei Ca­lis­ka muss­ten bald eine schwie­ri­ge Ent­schei­dung fäl­len: Soll­te Dachs Team L-39 als mög­li­chen Durch­bruch für die Me­di­zin wei­ter­ver­fol­gen oder lie­ber auf Num­mer si­cher ge­hen und sich auf das Po­ten­zi­al von L-39 als kom­mer­zi­ell sehr in­ter­essan­tes Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel kon­zen­trie­ren?
Dach selbst war klar für die ers­te Va­ri­an­te - sie hat­te nicht ih­ren Pos­ten als Chef­wis­sen­schaft­le­rin beim Phar­ma-Start-up Gen­bac auf­ge­ge­ben, um bei Ca­lis­ka nur „me­di­zi­ni­sches Es­sen“ zu ver­kau­fen, wie man in der Nu­tra­zeu­tik­bran­che sagt. Bei La­bor­mäu­sen hat­te L-39 (die Ab­kür­zung für einen pro­prie­tä­ren Stamm des Lak­to­ba­zil­lus-Bak­te­ri­ums, den Hil­de Dach über Jah­re ge­züch­tet hat­te) Darm­ent­zün­dun­gen so ef­fek­tiv ein­dämmt, dass sie ihm viel zu­trau­te. Als ers­tes pro­bio­ti­sches Bak­te­ri­um, so ihre Hoff­nung, könn­te es von der Eu­ro­päi­schen Arz­nei­mit­tel-Agen­tur (EMA) für die Be­hand­lung ei­ner kon­kre­ten Krank­heit bei Men­schen zu­ge­las­sen wer­den: Mor­bus Crohn, eine ver­brei­te­te chro­ni­sche Ent­zün­dung des Darm­trak­tes.
Jo­han Gre­ve brei­te­te die Er­geb­nis­se der jüngs­ten Stu­die auf sei­nem Bü­ro­tisch aus. Der Durch­lauf in In­di­en war der zwei­te Test mit L-39 ge­we­sen. Zwei Jah­re zu­vor hat­te der ers­te Test In­for­ma­tio­nen über die Ver­träg­lich­keit der Bak­te­ri­en ge­lie­fert - die Er­geb­nis­se wa­ren er­war­tungs­ge­mäß po­si­tiv aus­ge­fal­len. Jetzt hat­te Ca­lis­ka die Wirk­sam­keit von L-39 an Mor­bus-Crohn-Pa­ti­en­ten ge­tes­tet. Doch wie die Da­ten zeig­ten, hat­te sich der Ge­sund­heits­zu­stand der Stu­dien­teil­neh­mer kaum ver­bes­sert. Und nicht nur das: Der lei­ten­de For­scher in In­di­en merk­te an, dass bei ei­nem der Pa­ti­en­ten of­fen­bar eine Trans­lo­ka­ti­on - also ein Ein­drin­gen - der Bak­te­ri­en in die Milz statt­ge­fun­den hat­te. Der Grund da­für war mög­li­cher­wei­se, dass der Pa­ti­ent gleich­zei­tig Im­mun­sup­pres­si­va ein­ge­nom­men hat­te.
Gre­ve tipp­te auf die Sei­te mit die­sen An­ga­ben. „Das ist sehr be­un­ru­hi­gend“, sag­te er.
„Ich weiß“, ant­wor­te­te Dach. Wenn L-39 den Ver­dau­ungs­trakt ver­las­sen, au­ßer­halb über­le­ben und sich ver­meh­ren konn­te, be­stand für Pa­ti­en­ten die Ge­fahr ei­ner Bak­te­riä­mie und letzt­lich ei­nes mehr­fa­chen Or­gan­ver­sa­gens.
„Auch die Zah­len sind so we­nig über­zeu­gend“, kri­ti­sier­te Gre­ve wei­ter.
„Wir kön­nen sie bes­ser ma­chen“, sag­te Dach er­mu­ti­gend, „Wir müs­sen den Stamm ein­fach wei­ter ver­fei­nern. Wir ha­ben da­mit schon große Fort­schrit­te er­zielt und wer­den wei­te­re ma­chen. Und schau­en Sie doch mal hier“, füg­te sie hin­zu und zeig­te auf eine Spal­te mit Da­ten, „das ist eine sta­tis­tisch si­gni­fi­kan­te Er­hö­hung der Durch­blu­tung der be­fal­le­nen Stel­len. Das ist sehr viel­sa­gend.“
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