Tiki-Taka fur Manager

FÜHRUNG:

HBM Juli 2014

Am 1. April 2009 emp­fing Wa­les die deut­sche Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft zum WM-Qua­li­fi­ka­ti­onss­piel im Mill­en­ni­um Sta­di­um von Car­diff. Deutsch­land führ­te mit 2:0, als Mi­cha­el Bal­lack in der 67. Mi­nu­te zum wie­der­hol­ten Mal an den Ein­satz sei­nes Mit­spie­lers Lu­kas Po­dolski ap­pel­lier­te. In die­ser zu­nächst schein­bar all­täg­li­chen Sze­ne - schließ­lich war Bal­lack als Team­ka­pi­tän auch Po­dols­kis Chef - ent­lu­den sich die Emo­tio­nen bei­der Ak­teu­re: Es en­de­te be­kannt­lich da­mit, dass Po­dolski Bal­lack eine Ohr­fei­ge gab.
Was da­mals als ver­meint­lich klei­ne Strei­te­rei schnell wie­der bei­ge­legt wur­de, ist rück­bli­ckend be­trach­tet ein Mei­len­stein für die Ent­wick­lung von Füh­rung und Zu­sam­men­ar­beit im mo­der­nen Fuß­ball. Ga­ben frü­her ein­zel­ne Platz­hir­sche den Takt auf dem Spiel­feld vor, so spielt heu­te ein gan­zes Or­che­s­ter zu­sam­men. Wo einst hier­ar­chisch-me­cha­ni­sche Pass­kom­bi­na­tio­nen vor­herrsch­ten und Tore mit der Brech­stan­ge er­zwun­gen wur­den, sieht man heu­te tem­po­rei­che, mul­ti­va­ria­te Passsta­fet­ten, die vom blo­ßen Auge teil­wei­se nur mit Mühe er­fasst wer­den kön­nen.
Was man heu­te im mo­der­nen Fuß­ball bei den welt­bes­ten Teams be­ob­ach­ten kann, ist die In­tel­li­genz des Schwarms, die Weis­heit der Vie­len, die Ge­schwin­dig­keit des Kol­lek­tivs. Der Be­griff Schwar­min­tel­li­genz meint, dass ver­mehrt im Kol­lek­tiv Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen und in­no­va­ti­ve Re­sul­ta­te her­bei­ge­führt wer­den, die ei­nem In­di­vi­du­um al­lein nicht mög­lich ge­we­sen wä­ren (sie­he Kas­ten „Der Eti­ket­ten­schwin­del mit der Schwar­min­tel­li­genz“) .
Doch wie kam es zu der Wach­ab­lö­sung der Al­pha­tie­re durch den Schwarm? Und wie­so war eine Re­vo­lu­ti­on im Fuß­ball über­haupt nö­tig? Im Rah­men un­se­rer über zehn­jäh­ri­gen Zu­sam­men­ar­beit und For­schung mit deut­schen Fuß­ball-Bun­des­li­ga- und Schwei­zer Su­per-League-Ver­ei­nen ha­ben wir eine zu­neh­men­de Dy­na­mi­sie­rung und Pro­fes­sio­na­li­sie­rung im Pro­fi­fuß­ball fest­ge­stellt. Mehr noch: Un­se­re ver­glei­chen­de Stu­die zwi­schen Fuß­ball-Hoch­leis­tungs­teams und der Ma­na­ge­ment­pra­xis (dar­un­ter eth­no­gra­fi­sche Un­ter­su­chun­gen bei nam­haf­ten Fuß­ball­klubs, Be­fra­gun­gen, se­mistruk­tu­rier­te In­ter­views) er­gab, dass die­se Ent­wick­lung im Ma­na­ge­ment bis­her aus­ge­blie­ben ist. Mit an­de­ren Wor­ten: Der Pro­fi­fuß­ball ist den Un­ter­neh­men in Sa­chen Füh­rung und Kul­tur um Jah­re vor­aus.
Man spricht von Kom­ple­xi­tät, wenn Phä­no­me­ne viel­schich­tig, ver­netzt und dy­na­misch sind. Es ist of­fen­sicht­lich, dass dies auf den mo­der­nen Fuß­ball zu­trifft. Die 70er, 80er und 90er Jah­re des 20. Jahr­hun­derts wa­ren Epo­chen über­ra­gen­der In­di­vi­dua­lis­ten wie Pelé, Franz Be­cken­bau­er, Die­go Ma­ra­do­na oder Lo­thar Mat­thä­us. An­ders als die heu­ti­gen Fuß­bal­ler hat­ten sie ge­nug Raum und Zeit, um den Ball durchs Mit­tel­feld zu tra­gen und sich dann zu ent­schei­den, zu wem sie ihre töd­li­chen Päs­se schla­gen oder ob sie selbst den To­rab­schluss su­chen. Im Jahr 2005 hat­ten die Spie­ler den Ball im Schnitt noch drei Se­kun­den am Fuß, be­vor sie ihn wei­ter­spiel­ten. Heu­te liegt die durch­schnitt­li­che Pass­zeit bei Spie­lern von FC Bar­ce­lo­na, Bay­ern Mün­chen oder Bo­rus­sia Dort­mund un­ter ei­ner Se­kun­de. In den letz­ten Jah­ren gab es eine ra­san­te Ent­wick­lung vom eng­li­schen One-Touch-Stil bis hin zum spa­ni­schen Tiki-Taka-Fuß­ball, der sich durch ein schnel­les Kurz­pass­s­piel und stän­di­ge Po­si­ti­ons­wech­sel in­ner­halb der Mann­schaft aus­zeich­net. Bei ei­ner solch en­gen Tak­tung wird für In­di­vi­dua­lis­ten der Raum für Mög­lich­kei­ten klei­ner und das Kol­lek­tiv im­mer wich­ti­ger.
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