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FALLSTUDIE:

HBM Juni 2014

Miss­mu­tig starr­te Vol­ker Hart­mann auf die neues­ten Ab­satz­zah­len auf sei­nem Bild­schirm. Di­cke Mi­nus­zei­chen do­mi­nier­ten. Er seufz­te tief. Der An­blick mie­ser Zah­len am Mon­tag­mor­gen be­rei­te­te dem Ver­trie­bs­chef von Gut­druck schlech­te Lau­ne. „Wo soll das nur hin­füh­ren?“, dach­te Hart­mann, biss in sein hal­b­es Kä­se­bröt­chen und spül­te es mit ei­nem Schluck Kaf­fee hin­un­ter.
Die As­sis­ten­tin des Gut­druck-Chefs kam zur Tür her­ein. „Gu­ten Mor­gen, Vol­ker! Tut mir leid, aber ich muss dir lei­der gleich den Tag ver­der­ben“, er­öff­ne­te Mina Ker­st­ner das Ge­spräch und über­reich­te ihm einen be­reits ge­öff­ne­ten Brief des Groß­kun­den Wort­mann.
„Wir tei­len Ih­nen mit Be­dau­ern mit, dass wir ge­zwun­gen sind, un­se­re Print­pro­duk­te kos­ten­güns­ti­ger pro­du­zie­ren zu las­sen. (...) Wir ha­ben uns für einen Ih­rer Kon­kur­ren­ten aus Tsche­chi­en ent­schie­den, der uns über 20 Pro­zent güns­ti­ger Pro­duk­te in ak­zep­ta­bler Qua­li­tät lie­fern kann. (...) Wir dan­ken für die jah­re­lan­ge gute Zu­sam­men­ar­beit (...).“
Hart­mann lehn­te sich weit in sei­nem Bü­ro­stuhl zu­rück, run­zel­te die Stirn und at­me­te laut aus. „Das ist zy­nisch, oder?“, frag­te der Ver­trie­bs­chef die As­sis­ten­tin. „Das sind lang­jäh­ri­ge Kun­den, de­nen die hohe Qua­li­tät der Drucker­zeug­nis­se über al­les ging und für die der Preis an­geb­lich egal war, und nun hau­en sie ab zu den Dis­coun­tern im Os­ten!“
„Na ja“, wand­te Ker­st­ner ein, „die Ost­eu­ro­pä­er lie­fern im­mer bes­se­re Pro­duk­te. So schlecht sind die nicht.“
„Ich weiß“, sag­te Hart­mann, und die Fal­ten auf sei­ner Stirn wur­den tiefer, „das ist ja das Schlim­me.“
Das Klin­geln des Te­le­fons un­ter­brach das Ge­spräch der bei­den. Hart­mann sah aufs Dis­play. „De­ger. Da muss ich ran­ge­hen“, sag­te er und nahm den Hö­rer ab.
„Das ist ja wirk­lich der Ham­mer“, pol­ter­te Man­fred De­ger, CEO von Gut­druck, am an­de­ren Ende der Lei­tung gleich los. Of­fen­bar hat­te auch er Post von Wort­mann be­kom­men. „Neun Jah­re ha­ben wir ih­nen al­les ge­druckt, was die Ty­pen an Wor­ten pro­du­ziert ha­ben. Neun Jah­re! Die gan­zen Ge­schäfts­be­rich­te, Nach­hal­tig­keits­be­rich­te, je­den - aber auch je­den Pro­spekt für je­des Pro­dukt, von den Vi­si­ten­kar­ten für ihr fröh­lich wech­seln­des Per­so­nal und dem gan­zen Kor­re­spon­denz­kram mal ganz zu schwei­gen. Im­mer in bes­ter Qua­li­tät zu ei­nem fai­ren Preis. Das war ih­nen ja wich­tig. Und nun? Das Letz­te, was wir von ih­nen hö­ren, ist ein la­pi­da­res Schrei­ben, selbst ge­druckt auf un­se­rem Pa­pier! Die las­sen sich noch nicht ein­mal dazu her­ab, uns das per­sön­lich mit­zu­tei­len“, sag­te er wü­tend. De­ger schi­en völ­lig au­ßer Fas­sung.
„Ich bin auch sehr ent­täuscht“, ent­geg­ne­te Vol­ker Hart­mann. „Das verschärft un­se­re Pro­ble­me na­tür­lich zu­sätz­lich.“
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