„Einfach mehr Ausprobieren“

INTERVIEW:

HBM Mai 2014

Das In­ter­net ist in Mar­ke­ting und Ver­trieb selbst­ver­ständ­li­ches Werk­zeug ge­wor­den. Nun ver­netzt es Pro­duk­te, Pro­duk­ti­on und Lie­fer­ket­te. Ist das Ma­na­ge­ment auf die­se Ver­än­de­run­gen vor­be­rei­tet?
GASS­MANN Da gibt es noch großen Nach­hol­be­darf. Ich war auf vie­len CEO- und CIO-Round­ta­bles. Da sa­gen zwar alle Ma­na­ger, die neue Welt des In­ter­nets der Din­ge sei wich­tig. Aber sie ent­schei­den nicht da­nach.

Viel­leicht ist es noch zu früh? Rück­bli­ckend hät­te man auch zu Be­ginn der New Eco­no­my et­was vor­sich­ti­ger sein kön­nen, was neue Tech­no­lo­gi­en be­trifft.
FLEISCH Nein. Wer nicht mit­spielt, kann nicht ler­nen. Ein­zel­ne Spit­zen­un­ter­neh­men, vor al­lem in Eu­ro­pa, sind her­vor­ra­gend vor­be­rei­tet. Und Deutsch­land hat hier die Chan­ce, eine füh­ren­de Rol­le ein­zu­neh­men. Das wür­de den deut­schen Un­ter­neh­men über vie­le Jah­re die Wett­be­wer­bs­fä­hig­keit si­chern.

Was be­rei­tet Ih­nen dann Un­be­ha­gen?
FLEISCH Es gibt bei vie­len Ma­na­gern zwar ein dif­fu­ses Be­wusst­sein, dass et­was nicht stimmt. Aber die meis­ten Füh­rungs­kräf­te ver­ste­hen noch nicht, dass ein Kon­flikt in den Un­ter­neh­men die Ent­wick­lung neu­er Ge­schäfts­mo­del­le be­hin­dert. Die exis­tie­ren­de IT-Welt und die In­ter­net­welt, die sich nun auf Ge­gen­stän­de und Ma­schi­nen aus­dehnt, har­mo­nie­ren nicht mit­ein­an­der. Die­ser Kon­flikt klingt ba­nal, wie ein Zwist zwi­schen Spe­zia­lis­ten. Aber er hat Aus­wir­kun­gen auf In­no­va­ti­on, Ge­schäfts­mo­dell­ent­wick­lung, stra­te­gi­sche Aus­rich­tung und Or­ga­ni­sa­ti­on.

Das müs­sen Sie bit­te nä­her er­klä­ren.
FLEISCH Es geht dar­um, dass hier zwei Tech­no­lo­gie­wel­ten auf­ein­an­der­pral­len, de­ren Zie­le und An­for­de­run­gen sich ex­trem un­ter­schei­den. Die eine ist die klas­si­sche IT-Welt. Dort wer­den Com­pu­ter­pro­gram­me her­ge­stellt, die wie ex­ak­te Au­to­ma­ten funk­tio­nie­ren: Sie steu­ern Ro­bo­ter, Mo­to­ren, Brem­sen oder Ab­füll­an­la­gen. Zu­ver­läs­sig­keit und Si­cher­heit ste­hen hier ganz oben auf der Prio­ri­tä­ten­lis­te.
Die neue Welt ist die des In­ter­nets. Hier do­mi­niert das Un­ge­fäh­re. Je­der kennt das von ei­ner E-Mail. Man kann nie sa­gen, wann sie ex­akt an­kommt - oder ob sie über­haupt an­kommt. Für klas­si­sche Pro­gram­mie­rer und Ma­schi­nen­bau­er ist die­se Un­si­cher­heit nicht trag­bar. Sie leh­nen sie für ihre si­cher­heits­re­le­van­ten An­la­gen da­her erst ein­mal ab.
Da auf Ent­schei­dungs­ebe­ne die alte Gar­de vor­herrscht, ha­ben es in­ter­net­ba­sier­te Ge­schäfts­mo­del­le schwer. Fragt der Ge­schäfts­füh­rer sei­nen IT-Lei­ter, wird die­ser den Kopf schüt­teln und ab­ra­ten. Das er­le­ben wir im­mer wie­der.

Ich wür­de die Be­trie­bs­si­cher­heit mei­ner An­la­gen auch nicht ge­fähr­den wol­len.
FLEISCH Das ver­langt ja auch kei­ner. Bei­de Tech­no­lo­gi­en exis­tie­ren par­al­lel. Das In­ter­net spielt im Grun­de die Rol­le des Ner­ven­sys­tems in und zwi­schen Un­ter­neh­men. Ein mo­der­nes La­ger in Ma­schi­nen­bau­un­ter­neh­men wie ABB be­wahrt sei­ne Tei­le heu­te in Bo­xen mit ei­nem in­te­grier­ten Sen­sor. So­bald zu we­nig Tei­le in ei­ner Box sind, sen­det die­se ein Si­gnal an die Hal­len­de­cke, und über­mit­telt die In­for­ma­tio­nen an die Lie­fer­fir­ma SFS di­rekt in de­ren SAP-Sys­tem. Nun weiß das Com­pu­ter­sys­tem des Lie­fe­ran­ten, dass die Box beim Kun­den wie­der be­füllt wer­den muss.
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