Chinas Problem mit der Innovation

GLOBALISIERUNG:

HBM April 2014

Die Chi­ne­sen ha­ben das Schieß­pul­ver er­fun­den, den Kom­pass, das Was­ser­rad und al­ler­hand an­de­re Din­ge, die heu­te selbst­ver­ständ­lich sind - von Bank­ge­schäf­ten über große Ent­fer­nun­gen und Pa­pier­geld bis hin zum Be­am­ten­tum und zu leis­tungs­ba­sier­ten Be­för­de­run­gen. Bis zum An­fang des 19. Jahr­hun­derts war Chi­na of­fe­ner und markt­ori­en­tier­ter als die Volks­wirt­schaf­ten in Eu­ro­pa. Heu­te hin­ge­gen gilt der Wes­ten ge­mein­hin als die Hei­mat krea­ti­ver Wirt­schafts­vor­den­ker und In­no­va­to­ren. Chi­na steht in dem Ruf, ein Land vol­ler stump­fer Aus­wen­dig­ler­ner zu sein, die nur Re­geln be­fol­gen kön­nen. Staat und Un­ter­neh­men in­ves­tie­ren zwar eif­rig in For­schung und Ent­wick­lung (F&E), kön­nen je­doch nur sel­ten große Er­fol­ge vor­wei­sen.
Auf die Fra­ge, wa­rum das so ist, gibt es un­ter­schied­li­che Ant­wor­ten. Man­che se­hen die Schuld bei den In­ge­nieu­ren. „Die meis­ten chi­ne­si­schen Start-ups wer­den nicht von De­si­gnern oder Künst­lern ge­grün­det, son­dern von In­ge­nieu­ren. Die­se ver­fü­gen aber nicht über die Krea­ti­vi­tät und die Vor­stel­lungs­kraft, um et­was Neu­es zu ent­wi­ckeln“, sagt Ja­son Lim, ein Re­dak­teur des chi­ne­si­schen IT-Blogs Tech­no­de.
An­de­re ma­chen die Re­gie­rung ver­ant­wort­lich. Sie habe beim Ur­he­ber­rechts­schutz auf bei­spiel­lo­se Wei­se ver­sagt. Ge­fälsch­te Ap­p­le-Pro­duk­te gibt es auf der gan­zen Welt. Aber nur in Chi­na ha­ben kom­plett nach­ge­ahm­te Ap­p­le-Lä­den er­öff­net - vol­ler Mit­ar­bei­ter, die glau­ben, sie ar­bei­te­ten für den Kon­zern aus den USA.
Wie­der an­de­re se­hen die Ur­sa­che im Bil­dungs­sys­tem. Die­ses sei eine mo­der­ne Ver­si­on von „Chinas Prü­fungs­höl­le“, wie es der ja­pa­ni­sche Wis­sen­schaft­ler Ichi­sa­da Miyaz­a­ki in ei­nem Buch aus­drück­te. Wie kön­nen Schü­ler und Stu­den­ten, die nur auf Prü­fungs­er­geb­nis­se fi­xiert sind, Krea­ti­vi­tät ent­wi­ckeln?
Wir be­sit­zen jahr­zehn­te­lan­ge Pra­xi­ser­fah­rung in Chi­na, wo wir ge­forscht und Dut­zen­de Fall­stu­di­en an­ge­fer­tigt ha­ben. Un­se­rer Mei­nung nach steckt in je­dem die­ser Er­klä­rungs­an­sät­ze ein Stück­chen Wahr­heit (wo­bei wir nicht un­er­wähnt las­sen wol­len, dass auch vie­le der in­no­va­tivs­ten west­li­chen Un­ter­neh­men von In­ge­nieu­ren ge­grün­det wur­den). Aber das ist nicht die gan­ze Ge­schich­te. Chi­na fehlt es we­der an Un­ter­neh­mern noch an Markt­nach­fra­ge. Und mit ih­rem enor­men Reich­tum und po­li­ti­schen Ein­fluss hat die chi­ne­si­sche Re­gie­rung das Po­ten­zi­al, ge­nau die Art von Wirt­schafts­po­li­tik zu be­trei­ben und die Art von Bil­dungs- und For­schungs­ein­rich­tun­gen auf­zu­bau­en, die den USA zur tech­no­lo­gi­schen Vor­herr­schaft ver­hol­fen ha­ben. Nur: Wird sie die­ses Po­ten­zi­al auch aus­schöp­fen kön­nen? Da se­hen wir große Hin­der­nis­se.
Jetzt kaufen
© Harvard Business Manager
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH
Inhalt

Abbildungen und Diagramme

Bilder:
3
Infografiken:
0

Textumfang

Seiten:
8
Zeichen:
33.994
Nachdrucknummer:
201404078
Nachdrucke
Nachdrucke in Medien aller Art
Seitenpreise ab 360 Euro je nach Auflage

Nutzungsrechte im PDF-Format
Ohne Fotos und Illustrationen. Für die Verwendung bei betriebsinternen Fortbildungen, Kundenbroschüren, im Intranet und firmeninternen Pressespiegel: Preisberechnung pro Exemplar beziehungsweise pro Nutzer je nach Auflage.

Sonderdrucke
Möglich ab 500 Exemplaren, Preise auf Anfrage.
Ein Beispiel finden Sie hier.

Nachdrucke von Illustrationen
© Harvard Business Manager: Preise auf Anfrage

Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer und gegebenenfalls Versandkosten.

Für Artikel mit Copyrightvermerk "Harvard Business School Publishing" gelten besondere urheberrechtliche Bedingungen, die wir Ihnen auf Anfrage gern erläutern.
Hier können Sie nach den Lizenz-Bedingungen fragen.

Alle Themen
ANZEIGE
Nach oben