„Das Leben besteht aus Augenblicken“

ACHTSAMKEIT:

HBM April 2014

Frau Lan­ger, be­gin­nen wir mit ei­ner De­fi­ni­ti­on: Was ver­ste­hen Sie un­ter dem Be­griff Acht­sam­keit?
LAN­GER Acht­sam­keit be­deu­tet, al­les Neue be­wusst wahr­zu­neh­men. Wer sich dar­um be­müht, ist au­to­ma­tisch in der Ge­gen­wart. Es macht einen sen­si­bler für den Kon­text und die Per­spek­ti­ve von Din­gen - schon al­lein, weil man sich da­bei wirk­lich auf das ein­las­sen muss, was um einen her­um pas­siert. Das gibt ei­nem Kraft und kos­tet kei­ne Ener­gie. Es gibt im­mer wie­der Men­schen, die glau­ben, Acht­sam­keit sei an­stren­gend, weil man da­bei so viel den­ken müs­se. Sie lie­gen falsch. Das, was uns in Wirk­lich­keit stresst, ist un­se­re Art, al­les um uns her­um per­ma­nent ne­ga­tiv zu be­wer­ten - und die Grun­d­über­zeu­gung, dass man ge­wiss bald auf ein Pro­blem stößt, das die ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten über­steigt.
Ver­ste­hen Sie mich nicht falsch: Es ist durch­aus mensch­lich, sich nach Sta­bi­li­tät zu seh­nen und den Sta­tus quo be­wah­ren zu wol­len. Wir nei­gen alle dazu zu glau­ben, dass wir das Le­ben da­durch un­ter Kontrol­le brin­gen kön­nen. Doch das funk­tio­niert nicht. Al­les in un­se­rem Le­ben ist im Fluss. Je mehr wir ver­su­chen, Din­ge fest­zu­hal­ten, de­sto schnel­ler ver­lie­ren wir die Kon­trol­le.
Neh­men Sie etwa Ar­beitspro­zes­se: Glau­ben Sie nie­man­dem, der sagt, dass et­was hun­dert­pro­zen­tig ei­nem be­stimm­ten Mus­ter fol­gen müs­se. Es gibt im­mer zig un­ter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten und Me­tho­den, eine Sa­che zu Ende zu brin­gen. Die Fra­ge, wel­che die rich­ti­ge ist, hängt vom Kon­text ab. Pro­ble­me von heu­te kön­nen nicht mit Lö­sun­gen von ges­tern be­wäl­tigt wer­den. Wenn Ih­nen also je­mand sagt: „Du musst dir das so lan­ge ein­prä­gen, bis es dir in Fleisch und Blut über­ge­gan­gen ist“, soll­ten bei Ih­nen die Alarm­glo­cken schril­len. Denn so er­rei­chen Sie nur geist­lo­ses, me­cha­ni­sches Han­deln. Re­geln kön­nen durch­aus ihre Be­rech­ti­gung ha­ben - al­ler­dings funk­tio­nie­ren sie vor al­lem für den­je­ni­gen, der sie auf­ge­stellt hat. Je we­ni­ger Sie mit die­ser Per­son ge­mein­sam ha­ben, de­sto mehr Schwie­rig­kei­ten wer­den Sie mit ih­ren Re­geln ha­ben. Es sei denn, Sie sind acht­sam. Denn dann las­sen Sie sich von Ziel­vor­ga­ben und rou­ti­ne­mä­ßi­gen Ab­läu­fen lei­ten, aber nicht be­herr­schen.

Was spricht laut Ih­rer For­schung noch da­für, acht­sam zu sein?
LAN­GER Acht­sam­keit ver­bes­sert die Leis­tungs­fä­hig­keit. Das konn­ten wir etwa in ei­ner Stu­die nach­wei­sen, die wir mit ei­ner Grup­pe von Sin­fo­ni­kern durch­ge­führt ha­ben. Die Mu­si­ker fan­den ihre Ar­beit - er­staun­li­cher­wei­se - häu­fig ster­bens­lang­wei­lig. Sie lit­ten dar­un­ter, im­mer wie­der die­sel­ben Mu­sik­stücke spie­len zu müs­sen. Auf der an­de­ren Sei­te geht ihr Be­ruf mit ei­nem ho­hen so­zia­len Sta­tus ein­her, den sie nicht so ein­fach auf­ge­ben wol­len.
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