Ein neues Bündnis

ARBEITSWELT:

HBM Februar 2014

Im 20. Jahr­hun­dert hat­te die Be­zie­hung zwi­schen Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern meist ein ein­deu­ti­ges Ziel: Bei­den Sei­ten ging es um Sta­bi­li­tät. Eine Fes­t­an­stel­lung in ei­nem großen Un­ter­neh­men galt als si­che­re Bank. So­lan­ge es die­sem fi­nan­zi­ell gut­ging und man pflicht­be­wusst sei­ne Auf­ga­ben er­le­dig­te, hat­te man aus­ge­sorgt und wur­de - zu­min­dest was Bü­ro­jobs an­ging - re­gel­mä­ßig be­för­dert. Im Ge­gen­zug konn­ten die Ar­beit­ge­ber auf eine loya­le Be­leg­schaft und hohe Ver­weil­dau­er ih­rer An­ge­stell­ten bau­en.
Seit­dem die Glo­ba­li­sie­rung und das In­for­ma­ti­ons­zeit­al­ter Ein­zug in un­se­re Welt ge­hal­ten ha­ben, ist der Pakt je­doch ins Wan­ken ge­ra­ten. Wo frü­her Sta­bi­li­tät herrsch­te, ist heu­te per­ma­nen­ter Wan­del Pro­gramm. Wer in die­sem Um­feld er­folg­reich blei­ben will, muss an­pas­sungs­fä­hig sein und un­ter­neh­me­risch den­ken kön­nen. Die Jahr­zehn­te lang wäh­ren­de Über­ein­kunft zwi­schen Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern samt ih­rer au­to­ma­ti­schen Auf­stiegs­ga­ran­tie hat kei­nen Be­stand mehr. Be­le­ge da­für fin­den sich - wenn auch in un­ter­schied­li­chem Maße aus­ge­prägt - welt­weit in al­len In­dus­trie­na­tio­nen.
Die Au­to­ren die­ses Stückes ma­ßen sich kei­nes­wegs an, die Ers­ten zu sein, de­nen die­se Ent­wick­lung auf­fällt oder die sich an ei­ner Lö­sung die­ses Pro­blems ver­su­chen. Doch bis­lang konn­te sich kei­ner der vor­ge­schla­ge­nen neu­en An­sät­ze durch­set­zen. Statt ein neu­es Mo­dell der Zu­sam­men­ar­beit zu ent­wi­ckeln, ha­ben die meis­ten Un­ter­neh­men ver­sucht, an­pas­sungs­fä­hi­ger zu wer­den, in­dem sie die al­ten Ver­trä­ge bis aufs Äu­ßers­te aus­ge­reizt ha­ben. Wenn es dar­um ging, Kos­ten zu sen­ken, wur­den Leu­te ent­las­sen. Wa­ren neue Kom­pe­ten­zen ge­fragt, stell­te man sie kur­z­er­hand ein. Den Ar­beit­neh­mern wur­de in die­sem Lais­sez-faire-Mo­dell vor­ge­gau­kelt, sie sei­en ih­rer­seits eben­falls voll­kom­men frei, sich je­der­zeit an­de­ren Un­ter­neh­men zu­zu­wen­den. Dem obers­ten Ma­na­ge­ment mag eine der­art auf­ge­stell­te Volks­wirt­schaft fair er­schie­nen sein, für alle an­de­ren führ­ten die Ver­hält­nis­se zu enor­mem Ver­trau­ens­ver­lust und Ent­täu­schung.
Selbst Un­ter­neh­men, die sich an al­ter­na­ti­ven For­men der Zu­sam­men­ar­beit ver­sucht ha­ben, be­ka­men un­an­ge­neh­me Ne­ben­wir­kun­gen zu spü­ren - wie etwa eine hohe Fluk­tua­ti­on und nied­ri­ge Ar­beits­pro­duk­ti­vi­tät. Die feh­len­de Ar­beits­platz­si­cher­heit sporn­te die Mit­ar­bei­ter zwar in­di­rekt tat­säch­lich an, fle­xibler zu wer­den und neue Wege zu ge­hen, führ­te je­doch zu­gleich auch dazu, dass aus­ge­rech­net die fle­xi­bels­ten und un­ter­neh­me­rischs­ten Mit­ar­bei­ter das Un­ter­neh­men bald wie­der ver­lie­ßen. Am Ende hat­ten die Un­ter­neh­men also ihre Kos­ten re­du­ziert, aber auch viel von ih­rer In­no­va­ti­ons­kraft und An­pas­sungs­fä­hig­keit ein­ge­büßt.
Aus un­se­rer Sicht ist die Zeit des­halb reif da­für, dass Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer sich auf eine neue Form der Zu­sam­men­ar­beit ei­ni­gen. Dar­an, dass ein Un­ter­neh­men, das sei­nen Mit­ar­bei­tern le­bens­lan­ge Jobs zu­si­chert, nicht agil sein kann oder dass die bes­ten Leu­te in der Re­gel oh­ne­hin nicht an Dau­er­be­schäf­ti­gun­gen in­ter­es­siert sind, wird auch ein neu­es Bünd­nis nichts än­dern kön­nen. Doch wir sind über­zeugt da­von, dass es eine bes­se­re Re­ge­lung ge­ben muss als den der­zeit herr­schen­den Wett­be­werb al­ler Be­tei­lig­ten. Ei­ni­ge Un­ter­neh­men ha­ben sie so­gar schon ge­fun­den.
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