Unser Weg nach Hollywood

GESCHÄFTSMODELLE:

HBM Dezember 2013

Als ich 1994 zu IMAX kam, hat­te ich Er­fah­run­gen als Fir­men­grün­der, Rechts­an­walt und In­vest­ment­ban­ker ge­sam­melt. Im Film­ge­schäft kann­te ich mich nicht aus, aber mir war klar, dass das IMAX-Ki­noer­leb­nis großes Po­ten­zi­al hat­te - wenn wir nur den rich­ti­gen Wachs­tums­pfad fän­den. Ein Part­ner und ich hat­ten die Fir­ma im Zuge ei­ner fremd­ka­pi­tal­fi­nan­zier­ten Über­nah­me er­wor­ben und brach­ten sie ei­ni­ge Mo­na­te dar­auf an die Bör­se. Der Bör­sen­wert der Fir­ma stieg schnell an, und auf dem Pa­pier war die Trans­ak­ti­on ein Er­folg. Doch zu die­ser Zeit wa­ren die meis­ten IMAX-Fil­me noch Na­tur­do­ku­men­ta­tio­nen, die aus­schließ­lich in den Vor­führ­sä­len von Na­tur­kun­de- und Tech­nik­mu­se­en ge­zeigt wur­den. Den Weg in den ech­ten Ki­no­markt zu fin­den stell­te sich als wei­taus schwie­ri­ger her­aus, als wir zu­nächst er­war­tet hat­ten.
Zum Teil lag das an den tech­ni­schen Ein­schrän­kun­gen der vor­di­gi­ta­len Ära; es dau­er­te Jah­re, bis wir her­aus­hat­ten, wie man auf ein­fa­che und ren­ta­ble Art IMAX-Fil­me in vie­len Mul­ti­plex­ki­nos zei­gen konn­te. Wir wa­ren auch mit der ganz be­son­de­ren Hol­ly­wood-Kul­tur kon­fron­tiert. Die Fil­m­in­dus­trie ist ein ver­zweig­tes Sys­tem aus Stu­di­os, Re­gis­seu­ren und Ki­nos, das über mehr als 100 Jah­re ent­stan­den ist und da­bei fes­te Ar­beits­wei­sen ent­wi­ckelt hat. Wir Neu­lin­ge ver­such­ten jah­re­lang ver­geb­lich, die In­dus­trie von un­se­rer ei­ge­nen Ar­beits­wei­se zu über­zeu­gen. Und selbst nach­dem wir da­mit be­gon­nen hat­ten, un­se­re Stra­te­gie an Hol­ly­wood an­zu­pas­sen, dau­er­te es noch eine gan­ze Wei­le, bis wir ein rich­ti­ges Mo­dell ge­fun­den hat­ten, das so­wohl uns als auch un­se­ren Ge­schäfts­part­nern Vor­tei­le brach­te.
Im Lau­fe der ver­gan­ge­nen Jah­re aber ha­ben wir ein sinn­vol­les Ge­schäfts­mo­dell auf­bau­en kön­nen. Seit 2008 ist die Zahl der Ki­nos in un­se­rem Netz­werk von 351 auf 738 ge­stie­gen. Vor fünf Jah­ren wur­den acht Spiel­fil­me im IMAX-For­mat her­aus­ge­bracht, für die­ses Jahr ha­ben wir bis jetzt 27 an­ge­kün­digt, dar­un­ter Kas­sen­schla­ger wie „Star Trek: Into Dar­kness“ und „The Hun­ger Ga­mes: Cat­ching Fire“, die bei­de mit den ex­trem hoch­auf­lö­sen­den Ka­me­ras von IMAX ge­filmt wur­den. Wir wach­sen sehr schnell in Chi­na und an­de­ren neu­en Märk­ten; in Ja­pan, In­di­en und Russ­land ge­hen wir so­gar mit syn­chro­ni­sier­ten Fas­sun­gen auf den Markt. Re­gis­seu­re wie Chri­sto­pher No­lan, J. J. Ab­rams und Ja­mes Ca­me­ron sind er­klär­te Freun­de un­se­rer Tech­no­lo­gie - sie se­hen IMAX als die per­fek­te Tech­nik zur Ver­wirk­li­chung ih­rer künst­le­ri­schen Vi­sio­nen. Und wir ha­ben eine große Fan­ge­mein­de, de­ren Mit­glie­der gern be­reit sind, in der Schlan­ge zu ste­hen und einen Auf­preis von fünf US-Dol­lar pro Kar­te zu zah­len, um einen Film im IMAX-Kino zu er­le­ben.
Das Wich­tigs­te, was ich in den bei­na­he zwei Jahr­zehn­ten als Chef von IMAX ge­lernt habe, ist, dass man fle­xi­bel in Be­zug auf sein Ge­schäfts­mo­dell sein muss. Erst nach vie­len Jah­ren und et­li­chen Irr­we­gen ha­ben wir das für uns rich­ti­ge Mo­dell ge­fun­den. Und das ist gar nicht un­ty­pisch. Wenn ich Un­ter­neh­mer tref­fe, die wol­len, dass ich in ein Start-up in­ves­tie­re, fra­ge ich mich als Ers­tes, wie sehr sie an ih­rem Ge­schäfts­mo­dell hän­gen: Wür­den sie auch einen Plan B oder Plan C in Be­tracht zie­hen? Die Chan­ce ist ge­ring, dass ein Ge­schäfts­mo­dell von An­fang an gut läuft. Der Schlüs­sel zum Er­folg ist die stän­di­ge Neu­an­pas­sung.
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