Mehr Geld für Alleskönner

Karriere:

Von Nicole Torres
12. September 2018
Getty Images
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Frau Merluzzi, bringt es wirklich Vorteile, Generalist zu sein?

Spezialisten wurden in unserer Studie vom Markt definitiv benachteiligt. Im Vergleich zu Generalisten war es weniger wahrscheinlich, dass sie mehrere Jobangebote erhielten. Auch die Einmalzahlungen bei Vertragsunterzeichnung fielen bei ihnen geringer aus. In einigen Fällen verdienten die Spezialisten bis zu 48000 Dollar weniger als vergleichbare Generalisten.

Wie definieren Sie Spezialist und Generalist?

Wir haben uns Tätigkeiten und Erfahrungen der Studierenden vor und während ihres MBA-Studiums sowie in der Praktikumsphase angeschaut und darauf geachtet, wie beständig und fokussiert sie waren. Ein Spezialist wäre demnach jemand, der zuvor in einer Investmentbank gearbeitet hat, sich während des MBA auf Finance konzentriert und ein Praktikum im Investmentbanking absolviert. Ein Generalist hingegen hätte vielleicht vor dem MBA in einer anderen Branche gearbeitet - beispielsweise in der Werbung -, konzentriert sich im Studium auf Finance, macht sein Praktikum in einer Unternehmensberatung und geht nach dem Abschluss womöglich ins Investmentbanking. Sobald wir die Studierenden kategorisiert hatten, konnten wir ihre Jobangebote und die dazugehörigen Gehälter vergleichen. Wie wir erwartet hatten, schnitten die Spezialisten weniger gut ab.

Warum hatten Sie vermutet, dass Spezialisten im Nachteil sind?

Zunächst einmal gilt eine Spezialisierung auf Arbeitsmärkten mit starken institutionalisierten Auswahlprozessen als weniger wertvoll. Fehlen andere Informationen, dann ist sie zwar ein wichtiger Hinweis auf Fachwissen. Aber der Abschluss eines Top-MBA-Programms ist ohnehin ein starkes Signal dafür, dass jemand qualifiziert ist. In diesem Szenario bringt es keinen Vorteil, Beständigkeit zu demonstrieren. Außerdem könnten Arbeitgeber Erfahrungen ignorieren, die frühere Leistungen schrittweise ergänzen.

Normalerweise heißt es in Karrieretipps immer, man solle sich spezialisieren und eine Nische finden. Das stimmt also gar nicht?

MBA-Absolventen legen großen Wert darauf, sich ein durchgängiges Profil als Finanz- oder Marketingexperten aufzubauen. Dadurch sind sich Absolventen auf dem Arbeitsmarkt ziemlich ähnlich. Spezialisierung wird zu einem Massenphänomen und schmälert Ihre Verhandlungsmacht, weil Sie leicht zu ersetzen sind. Dazu kommt: Wenn das Unternehmen viele Menschen einstellt, die Ihnen ähnlich sind, kann es leichter Ihren Wert im Vergleich zu jemandem mit vielfältigen Fähigkeiten ausrechnen.

Seit wann gibt es diesen Spezialisierungsdruck bei MBAs?

Seit fünf bis zehn Jahren. Er könnte viele Ursachen haben, beispielsweise den Schock der Rezession. Eine Spezialisierung lässt MBA-Studenten glauben, sie verstünden den Wert des Programms für ihre Karriere. Auch die starke Verbreitung von einjährigen Master-Programmen könnte mit hineinspielen. Diese konzentrierten Ausbildungen ermöglichen es Studierenden, in kürzerer Zeit und für deutlich weniger Geld als bei einem MBA-Programm einen Master of Finance zu machen. Aber der Grundwert eines MBA ist immer noch der Unterricht in allgemeiner Betriebswirtschaft. Der Arbeitsmarkt honoriert das. [...]

Das vollständige Interview mit Jennifer Merluzzi lesen Sie in unserer neuen Edition "Karriere".


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