Wer macht die Wäsche?

Buchtipp:

Von Britta Domke
Heft 3/2019

Als die drei Herausgeberinnen dieses Buches mit ihren Recherchen begannen, stießen sie auf eine Mauer des Schweigens: "Kein Kommentar", "peinlich und zu intim", "das Thema ist uninteressant" - in zwei Jahren fingen sie sich mehr als 100 Absagen ein. Auch wissenschaftliche Forschung existiert so gut wie nicht. Und so scheint es, als rühre das Buch an eines der letzten Tabus im Gesellschaftsleben: die Rolle der Partner von Frauen in Spitzenpositionen. "Weder Herr Sauer, der Ehemann von Frau Merkel, noch Herr von der Leyen und schon gar nicht Prinz Philip sprechen über ihre Rolle als ,Ehemann von...'", heißt es im Vorwort.

Dass die Herausgeberinnen trotzdem Männer - und Frauen - gefunden haben, die Einblicke in die Alltagsorganisation zwischen zwei anspruchsvollen Jobs, Kindern und Haushalt geben, ist ihrer Hartnäckigkeit zu verdanken. Dabei suchten sie nicht nach "Hausmännern", sondern nach gleichberechtigten Partnern mit eigener Karriere, die - anders als die Mehrheit der Männer - keine Probleme damit haben, wenn ihre Partnerin erfolgreicher ist und mehr verdient.

Die zahlreichen Erfahrungsberichte zeigen aber auch, wie fragil die mühsam ausgehandelte Balance sein kann. Wenn der Babysitter plötzlich ausfällt oder die Kinder krank werden, ist Improvisationskunst gefragt. Und mitunter blitzen alte Rollenbilder durch die scheinbar gleichberechtigte Oberfläche, etwa wenn ein Ehemann gesteht, dass er sich "bis heute strikt weigere, die Wäsche zu machen".

Es ist zu hoffen, dass das Buch den Startschuss gibt zu einer überfälligen Debatte - zwischen Ehepartnern ebenso wie in der Wirtschaft.

Diese und weitere Leseempfehlungen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Managers.

Buchtipp

Vanessa Conin-Ohnsorge et al.
Männer an der Seite erfolgreicher Frauen
Side by Side an die Spitze

Haufe-Lexware 2018, 198 Seiten, 29,95 Euro

Ausgabe 3/2019


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© Harvard Business Manager 3/2019
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