Cloud Computing für Manager

Heft 1/2012

3. Teil: Schluss mit lästigen Verwaltungsaufgaben

Teamwork erleichtern
Einige der bislang größten Erfolge von Cloud Computing lagen in Bereichen, in denen es um neuartige Formen der Zusammenarbeit ging. Um das Wissen seiner 90 000 Mitarbeiter besser erfassen und verteilen zu können, wandte sich zum Beispiel der US-amerikanische IT-Berater und Dienstleister CSC an Jive Software, einen Anbieter von Programmen für bessere Teamarbeit aus Kalifornien. Zuerst einmal testete CSC, ob die Mitarbeiter bereit waren, die Software zu nutzen. Jeder von ihnen bekam Zugriff darauf - was unmöglich gewesen wäre, wenn CSC die gesamte Hardware und alle Softwarelizenzen dafür hätte kaufen müssen. Auf der von Jive bereitgestellten Plattform konnten die Nutzer zum Beispiel Fragen an alle im Unternehmen stellen, Foren wie "Wo haben wir das schon mal gemacht?" oder "Power-Tipps für Excel" ansehen, selbst dazu beitragen und im Handumdrehen neue Diskussionsgruppen gründen.

    WENIGER SCHWUND        Controlling : In Restaurants und Gaststätten kommt es immer wieder zu Diebstählen durch Mitarbeiter. Ein Programm, das die Kassendaten der Lokale analysiert, kann helfen, diesem Schwund auf die Spur zu kommen. Ein Restaurant in Kalifornien konnte mithilfe dieses Cloud-Dienstes seinen Profit verdoppeln.
Dirk Schleef

WENIGER SCHWUND

Controlling: In Restaurants und Gaststätten kommt es immer wieder zu Diebstählen durch Mitarbeiter. Ein Programm, das die Kassendaten der Lokale analysiert, kann helfen, diesem Schwund auf die Spur zu kommen. Ein Restaurant in Kalifornien konnte mithilfe dieses Cloud-Dienstes seinen Profit verdoppeln.

Im Lauf des 20-wöchigen Tests registrierten sich mehr als 25.000 Nutzer für das neue cloudbasierte Angebot, genannt C3. Sie schufen mehr als 2100 Gruppen und kamen zusammen auf 150 000 Aktionen pro Monat. Das überzeugte CSC davon, C3 zu behalten. "Es war schlicht umwerfend", sagte dazu Lem Lasher, President und Chief Innovation Officer des Unternehmens, auf einer Enterprise-2.0-Konferenz im Jahr 2010, "C3 ist zum De-facto-Standard für Zusammenarbeit bei uns geworden. Es ist die Sprache des Unternehmens."

Aus Daten Erkenntnisse gewinnen
Ein weiterer Bereich mit viel Aktivität in der Cloud sind Datenanalysen. Unternehmen sammeln heutzutage gewaltige Mengen an Informationen. Cloud-Anbieter wiederum stellen die Hardware und Algorithmen zur Verfügung, mit deren Hilfe die Firmen von diesen Daten profitieren können. Oft geht es dabei darum, das Verhalten von Kunden on- wie offline zu verstehen, vorherzusagen und zu beeinflussen. Bei dem US-Anbieter Radiant Systems aber, der Tausende Restaurants mit dem Kassensystem Aloha beliefert und deren Daten verwaltet, ist das Ziel von Cloud-Analysen ein anderes: Sie helfen den Kunden dabei, ihren Betrieb besser zu kontrollieren.

Schwund, eine höfliche Umschreibung für Diebstahl durch Mitarbeiter, ist im Gastgewerbe ein großes Problem - und für Restaurantbesitzer ist es schwierig, Kellner und Tresenpersonal im hektischen Betrieb genau im Auge zu behalten. Radiant kam deshalb auf die Idee, die detaillierten Transaktionsdaten nach verdächtigen Mustern wie besonders vielen hohen Trinkgeldern für einen Barkeeper an einem Freitagabend zu untersuchen. Wenn so etwas vorkommt, kann es sein, dass der Barkeeper manchen Gästen Getränke nicht berechnet, um so mehr Trinkgeld zu bekommen.

Mithilfe von Daten aller seiner Kunden entwickelte Radiant einen Satz von Algorithmen, der viele Arten von Schwund identifiziert, und integrierte ihn in ein Produkt mit dem Namen Aloha Restaurant Guard (ARG), das für jeden Standort Berichte über verdächtige Aktivitäten jedes Mitarbeiters generiert. Diese gehen an die Besitzer und die Manager der Restaurants, die auf dieser Grundlage Maßnahmen ergreifen können. Die Ergebnisse können überraschend und dramatisch sein. Laut Radiant verdoppelte sich bei einem Restaurant in Marina del Rey in Kalifornien innerhalb eines Jahres der ARG-Nutzung der Gewinn auf 40 000 Dollar. Dazu musste der Besitzer des Restaurants keine neue Software kaufen oder installieren, keine Techniker oder Berater beschäftigen und seine Technologieinfrastruktur in keiner Weise anpassen. Er musste einfach nur ARG bei Radiant bestellen.

Anwendungen entwickeln und bereitstellen
Vor der Cloud mussten Softwareentwickler ihre Server meistens selbst kaufen, konfigurieren und warten, was sie oft als unwillkommene Ablenkung von der eigentlichen Aufgabe des Programmierens betrachten.

Bei der Entwicklung des Visual Attention Service, eines Satzes von Software-Werkzeugen, die verraten, worauf Menschen beim Betrachten eines Bildes am meisten achten werden, wollten die Manager beim US-Mischkonzern 3M diesem Problem aus dem Weg gehen. Grafikdesigner und andere Nutzer sollten diese Werkzeuge über eine webbasierte Anwendung einsetzen können, doch die Verantwortlichen bei 3M wussten nicht recht, wie hoch die Nachfrage sein würde. "Um sicherzugehen, hätten wir in große Serverkapazitäten investieren müssen, vor allem weil unser Dienst so rechenintensiv ist", sagt 3M-Manager Bill Smyth. Für das Bereitstellen der Anwendung nutzte 3M den Dienst Windows Azure von Microsoft. "Mit der Cloud konnten wir die Kapazität schnell und einfach er- höhen, und zwar ohne Kapital zu binden", lobt Smyth.

Doch Cloud-Anbieter vermieten nicht nur Platz für fremde Anwendungen, sie stellen Kunden auch eigene leistungsfähige Software zu Verfügung. Google Earth Builder etwa ist eine Sammlung digitaler Werkzeuge für die Visualisierung und Analyse von Geodaten, bei der Organisationen ihre eigenen Informationen hochladen und sie in beliebte Dienste wie Google Earth, Google Chart Tools oder Google Maps integrieren können. So plant Ergon Energy, der Stromversorger von Queensland in Australien, seine 150 000 Kilometer an Leitungen mit einem Spezialflugzeug abzufliegen, dabei Daten zu sammeln und dann zu Google Earth Builder zu übertragen. So entstehen mit Informationen angereicherte Karten und Bilder. Diese will das Unternehmen laut seinem Chef Ian McLeod nutzen, "um den Zustand des Netzes und die damit zusammenhängenden Risiken zu erkennen. Mit diesen Informationen können wir dann in Fragen wie Vegetationskontrolle, Notfallmaßnahmen, Anschluss neuer Kunden und Verstärkung des Netzes besser entscheiden und reagieren".

Wie diese Beispiele zeigen, bietet die Cloud Vorteile für den Einzelnen wie für Gruppen, bei Daten wie bei Anwendungen. Sie ermöglicht Unternehmen, Größe und Leistungsfähigkeit ihrer IT-Infrastruktur zu erhöhen sowie das Tempo zu steigern, mit der sie sich einrichten und nutzen lässt. Sie macht Schluss mit lästigen Verwaltungsaufgaben und funktioniert unabhängig von Standorten, Endgeräten und organisatorischen Grenzen. Und all diese Vorteile werden noch größer, je weiter wir in das Cloud-Zeitalter voranschreiten.

Weitblickende Manager haben das erkannt und setzen aggressiv auf die Cloud, selbst wenn sie die technischen, finanziellen und personellen Ressourcen für jede andere Computerstrategie hätten. Der Videoverleih Netflix, der Spieleanbieter Zynga und das Internetauktionshaus Ebay gehören zu denjenigen, die öffentlich bekannt haben, dass die Cloud einen wichtiger Teil ihrer IT-Strategie darstellt. Ihre Führungskräfte haben verstanden, dass sie Technik nicht besitzen müssen, um im Wettbewerb zu bestehen. Ihnen ist letztlich sogar klar, dass es eher ein Hindernis ist als ein Vorteil, wenn sie die gesamte Computerinfrastruktur selbst besitzen.

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