Arrogante Selbstdarsteller

Bücher:

Von Helene Endres
Heft 6/2018

Wenn ein Jurist beschließt, ein Buch über die letzten 20 Jahre seines Berufslebens zu schreiben, über seine Beratungsmandate bei Regierungen und Entwicklungsinstitutionen weltweit, dann kann das sehr trocken werden. Oder ein unterhaltsamer Blick hinter die Kulissen der Macht. Daniel Levin ist Letzteres gelungen.

In "Alles nur ein Zirkus" lassen sich Gespräche belauschen, die hinter verschlossenen Türen stattfanden, mit denen Menschen ihren Status bewahrten und ihre skrupellosen Entscheidungen rechtfertigten - von Dubai bis Luanda, von Moskau bis Peking und im Herzen der Uno und der US-Regierung. Levin entlarvt menschliche Schwächen, ohne die Moralkeule zu schwingen. Seine Mittel sind trockener Humor, Selbstironie und entlarvende Beobachtungen. Im freundlichen Plauderton erzählt der Autor Anekdoten aus seinem Leben, beispielsweise von einem Vermittler, der ihn in Dubai bei Hofe vorstellen sollte - sich vor Ort jedoch als Hochstapler erwies. Oder einem Meeting bei der Uno, in dem ihn die selbstverliebte Saturiertheit der Beamten fast in den Wahnsinn trieb: Sie hatten ein Entwicklungshilfeprogramm erst fünf Jahre lang am Schreibtisch entwickelt, um es dann ohne jeglichen Praxistest zu implementieren.

Levins Erlebnisse mit unseren globalen Eliten klingen bisweilen so absurd, dass man sie fast als überzeichnete Fiktion abtun möchte - oder zumindest hofft, dass es ganz so schlimm nicht zugehen mag. Doch laut Levin "haben alle Ereignisse und Gespräche stattgefunden ... die Realität erwies sich als skurriler und lustiger als jede einfallsreiche Dichtung."

Buchtipp


Daniel Levin

Alles nur ein Zirkus


Elster 2018, 264 Seiten, 32 Euro

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Endlich Erfolg mit Change-Management


Kleiner Tipp: Die Umsetzung ist nicht das Problem. Das Geheimnis liegt in der Vorbereitung.


Helene Endres
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    Helene Endres ist Redakteurin beim Harvard Business Manager.
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