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Heft 2/2013: Retten Sie Ihr Geschäftsmodell | 15.01.2013

Fallstudie

Wie stark sind Familienbande?

Von Christopher Marquis und Joshua D. Margolis

Der junge Wodkaproduzent Erbe, ein von zwei Vettern geführtes Start-up, ist dabei, sich am Markt zu etablieren. Da entbrennt zum ersten Jahresabschluss ein Streit darüber, wem welcher Anteil am Unternehmen gehört.

Tut mir leid, Leute. Nur noch ein paar Fragen. Ich weiß, dass euch das langweilt", sagte Laura, die Buchhalterin von Erbe. "Nächstes Mal müssen wir eine Flasche Wodka mitbringen", witzelte Brooks. "Wer so viel Zeit für unsere Steuern investiert, sollte wenigstens Gelegenheit haben, unser Produkt zu verkosten."

"Eigentlich hatte ich gehofft, dass das unsere letzte Besprechung ist. Der Abgabetermin für die Steuererklärung ist nächste Woche", seufzte Laura. "Aber wenn ich an eure Geschmacksrichtungen denke, läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen. Doch um auf unsere Frage zurückzukommen: Wie ist das Firmenkapital zwischen euch aufgeteilt?"

Brooks schwieg. Laura blickte auf.

"50 zu 50", sagte Tyler. "Stimmt doch, oder nicht, Brooks?"

Soll Brooks seinem Vetter die Hälfte seines 90-Prozent-Anteils an Erbe überlassen?

Soll Brooks seinem Vetter die Hälfte seines 90-Prozent-Anteils an Erbe überlassen?

© Eva Hillreiner
"Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht", erwiderte Brooks zögernd. Natürlich hatte er sich schon Gedanken über dieses Thema gemacht. Er hatte nur noch nicht mit Tyler darüber gesprochen.

"Wo liegt das Problem? Wir sind gleichberechtigte Partner. Wir haben dieses Unternehmen von Anfang an gemeinsam geführt."

"Nicht ganz von Anfang an", widersprach Brooks.

Schließlich war er derjenige, der in der Investmentbanking-Abteilung von Morgan Stanley fünf Jahre lang Kunden aus der Getränkebranche betreut und die Wachstumschancen des Marktes für hochwertige Spirituosen erkannt hatte. Er war derjenige, der sich ein Jahr freigenommen hatte, um als Barkeeper in Los Angeles zu arbeiten und Getränkeideen zu testen. Er war es auch, der beschlossen hatte, eine Produktlinie umweltfreundlich hergestellter Wodkas mit Kräuteraroma zu kreieren, die Basis von Erbe. Und er hatte seine gesamten Ersparnisse - 250.000 Dollar - als Startkapital in die Firma hineingesteckt.

Natürlich war auch Tyler von Anfang an mit dabei gewesen, und sie hatten sich bei der Suche nach Ideen immer gegenseitig die Bälle zugespielt. Dieses Spiel hatten die beiden Vettern schon in ihrer Kindheit meisterhaft beherrscht. Und natürlich hatte Tyler einen Monat nach der Gründung des Unternehmens einen ziemlich guten Private-Equity-Job aufgegeben, um Brooks beim Aufbau seiner Firma zu helfen. Später hatte er ihren gemeinsamen Onkel Charlie dazu überredet, in das Unternehmen zu investieren. Und seitdem hatte er Tag für Tag die Ärmel hochgekrempelt und keine Mühe gescheut, wenn es um das Wohl der Firma ging. Aber war das alles wirklich einen 50-prozentigen Anteil an dem Geschäft wert? Da war Brooks sich nicht so sicher.

"Aber fast von Anfang an", betonte Tyler. Er sah verärgert aus, hatte sich jedoch sehr rasch wieder im Griff. "Mit dieser Frage sollten wir Laura jetzt nicht belästigen." Er wandte sich der Buchhalterin zu und zauberte das typische Tyler-Grinsen auf seine Lippen. "Ich schlage vor, wir beide unterhalten uns jetzt erst mal, Laura, und kommen dann wieder auf dich zu."

"Kein Problem", sagte sie. "Den Rest der Steuererklärung können wir auch später fertigmachen."

"Was zum Teufel sollte das denn?", schnauzte Tyler seinen Vetter an, kaum dass Laura den Raum verlassen hatte.

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"Tut mir leid", sagte Brooks. "Wir hätten das vorher besprechen sollen. Natürlich weiß ich, dass dir ein höherer Anteil an dem Unternehmen zukommt, als zurzeit auf dem Papier steht."

"Ja, stimmt - mehr als nichts wäre vielleicht gar nicht so schlecht."

"Aber die Investoren haben ja schon 10 Prozent plus Kursgewinn, und ich weiß wirklich nicht, ob ich meinen Anteil deinetwegen auf 45 Prozent reduzieren möchte."

"Immerhin habe ich dir bei der Erstellung des Geschäftsplans geholfen, Onkel Charlie mit ins Boot geholt, die kongeniale umweltverträgliche Destillerie gefunden und die Formel für unsere Getränke und unsere komplette Marken- und Marketingstrategie entwickelt. Meinst du nicht, dass das 45 Prozent wert ist?"

"Ich habe keine Ahnung, wie viel es wert ist. Mit so etwas habe ich mich bisher noch nie beschäftigt."

"Hätte ich das etwa von vornherein mit dir aushandeln sollen? Mit meinem eigenen Vetter? Das ist ja absurd."

"Aber ich will dir doch nichts wegnehmen. Ich weiß, dass dir ein großer Anteil an diesem Unternehmen zusteht. Lass mich nur nachdenken, damit wir eine faire Lösung finden."

"Ich weiß, wie diese faire Lösung aussehen müsste. Und ich bin sicher, du weißt es auch."

Im Eifer ihrer Diskussion waren sie auf dem Bürgersteig stehengeblieben. Brooks versuchte das Thema zu wechseln. "Gehst du zurück ins Büro?"

"Nein, ich muss nach Malibu und dafür sorgen, dass auf der Party heute Abend alles rund läuft."

"Prima, dann treffen wir uns ja nachher dort. Ich habe noch eine Besprechung mit den Anwälten wegen des TTB." Es hatte Brooks ein halbes Jahr gekostet, vom Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau (TTB)die Genehmigung dafür zu bekommen, dass er seine Erbe-Wodkas herstellen und verkaufen durfte. Jetzt musste er mit der Behörde noch aushandeln, was auf der Webseite des Unternehmens stehen durfte. Diese Verhandlungen waren ein bürokratischer Albtraum gewesen. "Und", ergänzte Brooks, "bitte sei mir wegen dieser Sache nicht böse. Wir kriegen das schon geregelt."

"Das sollten wir auch. Wenn mir weniger als die Hälfte des Unternehmens gehört, dann sollte ich mich in Zukunft vielleicht auch nicht mehr so sehr dafür ins Zeug legen."

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16.01.2013 von Bianca Gade: Eine Vertrauensfrage

Spannende Frage, hier mein Urteil zum Fall: Die dritte Antwort des Herrn Hennerkes kann ich auf keinster Weise zustimmen, da sie riskiert das Signal zu setzen, er wolle Tyler abspeisen. Hinzufügen möchte ich noch: Nicht jeder Mitarbeiter ist austauschbar. Taylor als Null-acht-fuffzehn Arbeitnehmer hinzustellen halte ich für daneben. Wären alle ANs so wunderbar emotionslos und austauschbar, hätten wir Maschinen an den Schreibtischen sitzen. Die zweite [...] mehr...

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