CEO-Ranking
Die 50 besten Manager der Welt
Von Morten T. Hansen, Herminia Ibarra und Urs Peyer
Welche CEOs haben ihren Unternehmen nachhaltige Werte statt kurzfristiger Gewinnsteigerungen verschafft? Ein weltweites Ranking von Wissenschaftlern des Insead bietet überraschende Einsichten und zeigt, welche CEOs wirklich Spitzenleistung gebracht haben.
Warum konzentrieren sich Unternehmenschefs so häufig auf kurzfristige Ergebnisse statt auf langfristige Erfolge? Die Antwort ist einfach: Sie haben allen Grund dazu. Wenn Topmanager ihre Zielvorgaben zum Quartals- oder Jahresende nicht erreichen, gefährden sie zuerst ihre hohen Boni und dann ihre Jobs. Sie werden von Aktienanalysten, Shareholdern und oft sogar dem eigenen Aufsichtsrat für schlechte Kurzfristergebnisse abgestraft.
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Und ohne entsprechenden Gegendruck fühlen sie sich kaum angehalten, ihr Verhalten zu ändern und für ihr Unternehmen mehr als 90 oder 180 Tage in die Zukunft zu denken. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, ein ebenso einfaches wie gründliches Verfahren für die Beurteilung langfristiger Performance zu finden - schließlich sind Führungskräfte von Unternehmen nun einmal darauf ausgerichtet, nur auf das zu reagieren, was auch gemessen wird.
Vor fünf Jahren stellten wir ein weltweites Projekt auf die Beine, das sich dieser Herausforderung annehmen sollte. Es ging uns dabei um mehr als nur um die Definition der richtigen Kennzahlen. Wir wollten eine Scorecard entwickeln, die einerseits Menschen in Unternehmen dazu bringt, über langfristige Performance zu sprechen, darüber hinaus aber auch die gesamte Art und Weise verändert, wie Aufsichtsräte, Manager, Unternehmensberater und Wissenschaftler CEOs wahrnehmen und beurteilen. Wir wollten mit dieser Innovation Unternehmenschefs ins Rampenlicht stellen, die in ihren Firmen langfristig Werte geschaffen haben, und wir wollten Führungskräften auf der ganzen Welt neue Benchmarks anbieten, an denen sie sich messen können.
Vor rund drei Jahren stellten wir in der Februar-Ausgabe 2010 des Harvard Business Managers eine solche Scorecard vor. Anhand ihrer Kriterien bewerteten wir die Leistungen von CEOs während ihrer gesamten Dienstzeit und stellten ein Ranking mit fast 2000 Namen zusammen. Für die hier vorliegende Ausgabe haben wir die Analyse aktualisiert und um zwei wichtige Aspekte erweitert: Die CEOs wurden wirklich global ausgewählt, und es wurde berücksichtigt, inwieweit sie nicht nur finanziell, sondern auch im Hinblick auf soziale Komponenten erfolgreich waren.
Wie wir die Performance beurteilen
Wir verwendeten für die aktuelle Untersuchung weitgehend dieselbe Methodik wie vor drei Jahren (siehe auch den Kasten unten "Die Methode"
) . Dabei standen uns drei Ziele vor Augen:
Langfristigkeit.
Wir maßen die langfristige Leistung des jeweiligen CEOs über die gesamte Zeitspanne von seinem ersten bis zum letzten Arbeitstag. (Für CEOs, die noch im Amt sind, werteten wir Daten bis zum Stichtag 31. August 2012 aus.) Dafür ermittelten wir die Veränderungen der länder- und branchenbereinigten Aktienrendite plus die Entwicklung der Marktkapitalisierung.
Globale Ausrichtung.
Unser Ranking soll die Internationalität der Wirtschaft widerspiegeln. 2010 untersuchten wir die Leistungen der CEOs von Unternehmen aus S&P Global 1200 und BRIC 40. Diesmal nahmen wir drei weitere Indizes aus Schwellenländern hinzu. Das vergrößerte den Kreis der beurteilten CEOs um etwa ein Drittel von 1999 im Jahr 2010 auf 3143 im Jahr 2012.
Objektivität.
Andere Rankings ziehen Reputationswerte oder Ergebnisse aus Umfragen für die Beurteilung von CEOs heran. Das birgt die Gefahr, dass Popularität oder Berühmtheit eine Rolle spielen. Wir dagegen stützten uns ausschließlich auf Performance-Kennzahlen - vor allem auf die Aktienrendite. Andere Messgrößen wie Umsatz, Profitabilität oder Innovationskraft sind ebenfalls geeignet, aber sie sind branchenabhängig und erschweren deshalb den Vergleich.
Die Methode
Unsere Projektmanagerin Nana von Bernuth verantwortete die Erstellung des Rankings. Die dabei berücksichtigten CEOs fanden wir in den Unternehmen der folgenden Indizes:
- S&P Global 1200, 1997-2010,
- S&P CNX 500, 1998-2010 (für Indien),
- Shanghai und Shenzhen Aktienbörsen, 1998-2010,
- MSCI Emerging Markets Latin America Index und AmericaEconomía 500, 2002-2010,
- S&P BRIC 40, 1997-2010.
Damit wir auf ausreichende und zuverlässige Daten aufbauen konnten, ließen wir CEOs außer Acht, die vor 1995 und nach dem 31. August 2010 ins Amt gekommen sind (Tim Cook wurde zum Beispiel erst 2011 Chef von Apple, deshalb taucht er in diesem Ranking nicht auf). Am Ende kamen wir auf 3143 CEOs in 1862 Unternehmen. 1007 von ihnen waren am letzten Stichtag noch im Amt. Diese CEOs repräsentieren 64 Nationalitäten, ihre Unternehmen kommen aus 37 Ländern.
Wir bauten auf dem Datenmaterial von Datastream und Worldscope auf und kalkulierten die tägliche Rendite während der gesamten Amtszeit eines CEOs (oder bis zum 31. August, wenn der CEO zu diesem Zeitpunkt noch im Amt war). Wir errechneten drei Kennzahlen:
Zunächst errechneten wir für jeden CEO die Aktienrendite seines Unternehmens (einschließlich reinvestierter Dividenden) während seiner Amtszeit. Anschließend kalkulierten wir die Durchschnittsrendite, die Unternehmen desselben Landes im selben Zeitraum erwirtschaftet hatten, und zogen diesen Wert von der Aktienrendite des untersuchten Unternehmens ab. Dadurch rechneten wir Renditesteigerungen heraus, die lediglich auf einen allgemeinen Konjunkturanstieg im jeweiligen Land zurückgingen.
Außerdem subtrahierten wir von der täglichen Aktienrendite eines Unternehmens die durchschnittliche Branchenrendite. So konnten wir verhindern, dass Renditesteigerungen, die auf einen allgemeinen Aufschwung der Branche zurückgingen, das Ergebnis verfälschten.
Schließlich erfassten wir, wie sich die Marktkapitalisierung eines Unternehmens im Laufe der Amtszeit eines CEOs veränderte. Diese Veränderung bereinigten wir um die Inflation im jeweiligen Land und rechneten den Betrag zu Wechselkursen des Jahres 2011 in US-Dollar um. Zu diesem Wert addierten wir den inflationsbereinigten Wert der Dividenden und zurückgekauften Aktien und subtrahierten den bereinigten Wert ausgegebener Aktien.
Für jede der drei Kennzahlen stellten wir eine Rangliste sämtlicher CEOs zusammen - von Platz 1 bis Platz 3143 - und bildeten für das endgültige Ranking den Durchschnitt dieser drei Ranglisten. Der Einsatz von drei Kennzahlen gewährleistet dabei in unseren Augen einen ausgewogenen Ansatz. Denn bei den ersten beiden Maßstäben sind kleinere Unternehmen ein wenig im Vorteil, weil sich hohe Renditen nun mal leichter von einer niedrigen Basis aus erzielen lassen. Dafür sind bei der dritten Kennzahl wiederum größere Unternehmen im Vorteil.
Mithilfe einer Regressionsanalyse (zeigt die Zusammenhänge zwischen einzelnen Variablen an - Anm. d. Red.) für die Datensätze der 3143 CEOs konnten wir anschließend verschiedene Einflussfaktoren überprüfen und ausrechnen, wie stark sich ein bestimmter Faktor (zum Beispiel ein MBA-Abschluss) auf die Platzierung eines CEOs im Ranking auswirkte. Die wichtigsten Auswirkungen werden in diesem Beitrag beschrieben.
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