Von Stefanie Bilen
Werk und Wirkung
Der Mann ist ein Phänomen: Reinhard K. Sprenger hat seit gut zwei Jahrzehnten keine Mitarbeiter mehr geführt, trotzdem reist der promovierte Philosoph von Konzern zu Konzern und von Kongress zu Kongress, um Managern davon zu erzählen, wie Führung funktioniert. "Gute Führung kenne ich nicht", sagt er dann. "Was zählt, ist erfolgreiche Führung. Führungskräfte sichern das Überleben des Unternehmens." Zuletzt war Sprenger Leiter der Personalentwicklung bei 3M, 1990 machte er sich als Trainer und Berater für Personalentwicklung selbstständig. Ein Jahr später veröffentlichte er mit "Mythos Motivation" seinen ersten Bestseller. Motivation ist bis heute eines der Themen, über die Sprenger immer wieder spricht und schreibt: Sie könne nur von innen kommen, extrinsische Motivation funktioniere nicht. Daher sind erfolgreiche Führungskräfte wie angenehme Gastgeber, sagt Sprenger: Sie vermitteln ihren Mitarbeitern ein gutes Gefühl und schaffen es, das Beste aus ihnen herauszuholen. Ihr Ziel ist es nicht, selbst als Bester zu glänzen.
Sprengers Rat wird gern gehört - sehr gern. Er gilt hierzulande als profiliertester Managementvordenker, die "Financial Times Deutschland" nennt ihn "Deutschlands einzigen Management-Guru, der diesen Titel wirklich verdient". Drei seiner Bücher, inzwischen insgesamt acht an der Zahl, wurden mehr als 100.000-mal verkauft.
Das Erfolgsgeheimnis
Sprenger hält Managern gekonnt einen Spiegel vor, formuliert prägnant und vereinfacht komplexe Zusammenhänge: Arbeit muss immer auch die Persönlichkeit weiterentwickeln;
Nach der Finanzkrise brachte er 2010 eine Überarbeitung von "Mythos Motivation" heraus und wiederholte, was er Managern schon 19 Jahre zuvor geraten hatte: Finanzielle Anreize sind nicht zur langfristigen Motivation von Mitarbeitern geeignet. Zur Fußball-Europameisterschaft 2008 veröffentlichte er "Gut aufgestellt" und stellte Parallelen zwischen Managern und Fußballtrainern her. Viele seiner Thesen kommen provokant daher, doch davon will Sprenger nichts wissen: "Wenn die Erkenntnisse der letzten 2000 Jahre Philosophiegeschichte, die Lebenserfahrung meiner Großmutter und ein kleines Stück eigenes Denken provokant sind, dann sagt das mehr über die Unternehmen aus als über mich."