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Heft 12/2012: Change Management | 26.02.2013

Vordenker

Der einzige Guru

Von Stefanie Bilen

Leiten, delegieren, motivieren, coachen: Reinhard K. Sprenger beschäftigt sich mit allen Aspekten der Mitarbeiterführung - und schafft es immer wieder, Führungskräften neue Sichtweisen eindringlich vorzustellen. Kürzlich hat er ein weiteres Buch zu dem Thema veröffentlicht. Der Philosoph gilt als einer der wichtigsten Managementautoren im deutschsprachigen Raum.

Vordenker: Bestsellerautor Reinhard K. Sprenger

Vordenker: Bestsellerautor Reinhard K. Sprenger

© Andreas Gefe
Werk und Wirkung

Der Mann ist ein Phänomen: Reinhard K. Sprenger hat seit gut zwei Jahrzehnten keine Mitarbeiter mehr geführt, trotzdem reist der promovierte Philosoph von Konzern zu Konzern und von Kongress zu Kongress, um Managern davon zu erzählen, wie Führung funktioniert. "Gute Führung kenne ich nicht", sagt er dann. "Was zählt, ist erfolgreiche Führung. Führungskräfte sichern das Überleben des Unternehmens." Zuletzt war Sprenger Leiter der Personalentwicklung bei 3M, 1990 machte er sich als Trainer und Berater für Personalentwicklung selbstständig. Ein Jahr später veröffentlichte er mit "Mythos Motivation" seinen ersten Bestseller. Motivation ist bis heute eines der Themen, über die Sprenger immer wieder spricht und schreibt: Sie könne nur von innen kommen, extrinsische Motivation funktioniere nicht. Daher sind erfolgreiche Führungskräfte wie angenehme Gastgeber, sagt Sprenger: Sie vermitteln ihren Mitarbeitern ein gutes Gefühl und schaffen es, das Beste aus ihnen herauszuholen. Ihr Ziel ist es nicht, selbst als Bester zu glänzen.

Sprengers Rat wird gern gehört - sehr gern. Er gilt hierzulande als profiliertester Managementvordenker, die "Financial Times Deutschland" nennt ihn "Deutschlands einzigen Management-Guru, der diesen Titel wirklich verdient". Drei seiner Bücher, inzwischen insgesamt acht an der Zahl, wurden mehr als 100.000-mal verkauft.

Das Erfolgsgeheimnis
Sprenger hält Managern gekonnt einen Spiegel vor, formuliert prägnant und vereinfacht komplexe Zusammenhänge: Arbeit muss immer auch die Persönlichkeit weiterentwickeln;

Unternehmen haben keinen Therapievertrag mit ihren Mitarbeitern und auch keinen Erziehungsauftrag; oder: Redet auf Augenhöhe mit ihnen! Für seine eigene Tätigkeit kann Sprenger sich kein Wachstum, keine Expansion vorstellen: "Meine Arbeit lässt sich nicht gut multiplizieren. Für meine Kunden ist meine Dienstleistung an meine Person gebunden", sagt er. Und er liebt seine Freiheit - ganz im Sinne des Menschen als Freiheitswesen, das er in den Mittelpunkt seiner Führungstheorie stellt ("Jeder besitzt die Freiheit zu tun, was er will - wenn er die Konsequenzen trägt") - und will sich keinen bürokratischen Apparat aufbürden. Drei Kooperationsangebote hat er im Laufe seiner Selbstständigkeit von renommierten Unternehmensberatungen bekommen, sagt er im Gespräch mit dem Harvard Business Manager, und sich immer dagegen entschieden. "Ich führe eine schreibende Existenz", sagt der studierte Gymnasiallehrer, der zwischen seinen Wohnsitzen in Winterthur in der Schweiz und Santa Fe in New Mexico pendelt. Mit seinen Büchern gelingt es Sprenger stets aufs Neue, aktuelle Themen zu besetzen.

Nach der Finanzkrise brachte er 2010 eine Überarbeitung von "Mythos Motivation" heraus und wiederholte, was er Managern schon 19 Jahre zuvor geraten hatte: Finanzielle Anreize sind nicht zur langfristigen Motivation von Mitarbeitern geeignet. Zur Fußball-Europameisterschaft 2008 veröffentlichte er "Gut aufgestellt" und stellte Parallelen zwischen Managern und Fußballtrainern her. Viele seiner Thesen kommen provokant daher, doch davon will Sprenger nichts wissen: "Wenn die Erkenntnisse der letzten 2000 Jahre Philosophiegeschichte, die Lebenserfahrung meiner Großmutter und ein kleines Stück eigenes Denken provokant sind, dann sagt das mehr über die Unternehmen aus als über mich."

Profil

Philosoph
Sprenger wurde 1953 in Essen geboren. Als Erster in seiner Familie studierte er: Philosophie, Psychologie, BWL, Geschichte und Sport. 1985 promovierte er in Philosophie an der FU Berlin.

Angestellter
Er arbeitete als wissenschaftlicher Referent beim Kultusministerium Nordrhein-Westfalen, später bei 3M in Deutschland, wo er zum Leiter der Personalentwicklung aufstieg - bevor er sich 1990 als Trainer und Berater selbstständig machte.

Autor
Sprenger hat die deutsche Managementliteratur maßgeblich geprägt. Zudem ist er ein gefragter Redner und Berater, gelegentlich coacht er Manager.

Blättern: Teil 1 / 2

HBM-Editionen

Das Beste aus dem Harvard Business Manager
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