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Heft 10/2012: Strategische Planung mit einfachen Regeln | 24.01.2013

Vordenker

Vater der Wirtschaftsprüfer

Von Stefanie Bilen

Eugen Schmalenbach gilt als Begründer der modernen Betriebswirtschaftslehre. Er war der erste Habilitand seines Faches - und prägte es mit zahlreichen Forschungsergebnissen in Bilanzlehre und Kostenrechnung. Auch die Idee des Wirtschaftens in Profitcentern geht auf ihn zurück.

Eugen Schmalenbach: Begründer der modernen Betriebswirtschaftslehre

Eugen Schmalenbach: Begründer der modernen Betriebswirtschaftslehre

© Andreas Gefe
Werk und Wirkung

Das Thema hat ihn nicht losgelassen: "Wie berechnen sich die Generalunkosten unseres Betriebes?", fragte Eugen Schmalenbach seinen Vater immer wieder. Und: "Warum liegen sie stets bei exakt 20 Prozent?" Friedrich Schmalenbach, Kleineisenwarenfabrikant aus dem Sauerland, konnte wenig mit diesen Fragen anfangen. Er empfand sie auch nicht als besonders wichtig. Ein paar Jahre zuvor hatte er seinen wissbegierigen Jungen vom Gymnasium genommen, er konnte das Schulgeld nicht bezahlen. Eugen machte statt des höheren Schulabschlusses eine kaufmännische Ausbildung - und führte anschließend die Buchführung im elterlichen Betrieb.

Dass er aber mit den vielen Fragen allein blieb, störte den jungen Mann. Als 1898 in Leipzig die erste deutsche private Handelshochschule gegründet wurde, zog Schmalenbach - gegen den Willen seines Vaters - nach Leipzig und schrieb sich als einer der Ersten im Fach Handelstechnik ein.

Der Pionier
Dass diese verhalten gestartete akademische Laufbahn schließlich in einem großen Erfolg gipfelte, ist Geschichte: Schmalenbach gilt als Begründer der modernen Betriebswirtschaftslehre. Ohne Abitur und ohne Promotion wurde er 1903 Dozent, bald darauf Professor an der Handelshochschule Köln. Sein Metier: das Rechnungs-, Prüfungs- und Finanzwesen sowie die Betriebsorganisation. Wie Betriebe sinnvoll verwaltet werden, war bis dahin nicht wissenschaftlich untersucht worden. Und so wurden die Bilanzlehre, Kostenrechnung sowie Unternehmensbewertung Schwerpunkte seiner Arbeit.

Unter anderem hat er die dynamische Bilanz entwickelt. Abweichend von der statischen Bilanztheorie stellte Schmalenbach die Ermittlung eines Periodenerfolges als Maßstab der Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund - und nicht die Messung des Vermögens.

Auch das Wirtschaften nach Profitcentern geht auf den Kölner Professor zurück: Schmalenbach hat die Aufteilung eines Gesamtbetriebs in Unterbetriebe bei größtmöglicher Selbstständigkeit propagiert. Damit wollte er die marktwirtschaftliche Ordnung von der volkswirtschaftlichen Ebene auf die betriebswirtschaftliche übertragen und so ein sich weitgehend sich selbst regelndes System zur Erzielung größtmöglicher Effizienz einrichten.

Der Doyen
Zu Schmalenbachs Zeit gab es so gut wie keine betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Als der Wirtschaftswissenschaftler schon einige Jahre Professor war, gab es in Deutschland gerade mal 23 Hochschullehrer für BWL (1914). Bis zum Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl auf 70, heute sind es mehr als 1000 Professorenstellen.

Der Fabrikantensohn begann früh, seine Forschungsergebnisse zu veröffentlichen. Bereits im Jahr seiner Berufung zum Professor gründete er die "Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung", die bis heute als "Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung" (ZfbF) fortgeführt wird und noch immer als wichtiges deutschsprachiges Fachorgan gilt. Seiner Hochschule in Köln brachten Schmalenbachs Fleiß und Erfolge einen großen Imageschub - er hat den Ruf der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in maßgeblicher Weise beeinflusst und geprägt. Schmalenbach blieb Köln treu bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1951.

Blättern: Teil 1 / 2

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