Von A. G. Lafley, Roger L. Martin, Jan W. Rivkin und Nicolaj Siggelkow
Strategieplaner sind stolz auf ihre Gründlichkeit. Ihre Strategien sollen schließlich auf Zahlen, Fakten und ausführlichen Analysen aufbauen und nicht auf vagen Meinungen oder Vorurteilen. Je umfangreicher die Tabellen, desto überzeugter sind Unternehmen, dass dies auch erreicht wird. All die Zahlen und all die Analysen fühlen sich einfach wissenschaftlich an, und in der modernen Welt ist "wissenschaftlich" gleichbedeutend mit "gut".
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Eine häufige Reaktion auf diese Erkenntnis besteht darin, in die gegenteilige Haltung zu verfallen und explizit unwissenschaftlich zu werden - also die Fesseln der Zahlen zu sprengen und es stattdessen mit "Ideenfindungs-Events" im Grünen oder "Jam-Sessions" via Internet zu versuchen. Auf solchen Veranstaltungen können tatsächlich radikale neue Ideen entstehen, aber in der Mehrzahl der Fälle lassen sich daraus keine strategischen Optionen formulieren, die als Richtschnur für konkrete Maßnahmen dienen könnten. "Es hat eben seinen Grund, warum solche Ideen unkonventionell bleiben und nicht weiterverfolgt werden", formuliert es eine Führungskraft.
Viele Manager haben deshalb das Gefühl, sie seien dazu verdammt, sich entweder für die fruchtlose Gründlichkeit gewöhnlicher Strategieplanung zu entscheiden oder für die Auf-gut-Glück-Kreativität alternativer Ansätze. Wir aber sind der Ansicht, dass sich beides miteinander verbinden lässt, sodass kreative, aber trotzdem realistische Strategien entstehen. Der Schlüssel liegt darin, zu verstehen, dass konventionelle Strategieplanung in Wirklichkeit gar nicht wissenschaftlich ist.
Der Ansatz, den wir im Folgenden beschreiben, überträgt die Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens auf die Strategieplanung in Unternehmen; er kann zum Tragen kommen, wann immer sich eine strategische Herausforderung oder Chance bietet.
Am Anfang dieses Prozesses steht die Formulierung wohlüberlegter Hypothesen, die wir als Möglichkeiten bezeichnen. Als Nächstes fragt man sich, wie die Welt aussehen müsste, damit die einzelnen Möglichkeiten Unterstützung verdienen. Erst im Anschluss daran dürfen die Analytiker loslegen, um herauszufinden, welche der Möglichkeiten die größten Erfolgsaussichten hat. Auf diese Weise entwickelt unsere Methode den Prozess der Strategiefindung von einem lediglich gründlichen (oder unrealistisch kreativen) zu einem wirklich wissenschaftlichen Prozess (siehe Fotostrecke "In sieben Schritten zur optimalen Strategie") .