Schlechte Zeiten - Gründerzeiten?

Auf einen Blick:

Heft 10/2012

IBM, Disney, Microsoft, Apple - all diese Schwergewichte entstanden in Zeiten, in denen die Kon junktur nicht gerade rosig war - so zumindest die Legende. Auch in diesen Tagen und Wochen vermelden die internationalen Börsen und Märkte nur selten Positives. Und wieder einmal stimmen Ökonomen und Politiker vielerorts das Hohelied auf Existenzgründer an. Doch genauso wie Legenden nur dann zu Vorbildern taugen, wenn sie nicht die seltene Ausnahme der Regel sind, können Hoffnungsträger nur dann zu Heilsbringern werden, wenn den Worten auch Taten folgen.

Wie ist es wirklich um die weltweite Gründerszene bestellt? Wo wird der Sprung in die Selbstständigkeit besonders leicht, wo besonders schwer gemacht? Die Zahlen der Weltbank und des Global Entrepreneurship Monitors der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) offen baren Bekanntes wie Erstaunliches: Wussten Sie etwa, dass es kaum ein Land gibt, in dem der Anteil von Menschen, die in Großunternehmen tätig sind, ähnlich hoch ist wie in den Vereinigten Staaten - aus gerechnet dem Land, in dem der Tellerwäschermythos entstand? Oder dass die Angst der Deutschen zu scheitern in der Tat ziemlich ausgeprägt ist, aber durchaus getoppt wird: Die Australier sind sogar noch ein wenig verhaltener.

Beeindruckend ist dagegen das Beispiel von Frankreich, das im Jahr 2009 die bürokratischen Hürden für Gründer verringert hat - die Zahl der Neugründungen schoss danach in die Höhe.

Quelle: "Entrepreneurship at a Glance, 2012", OECD
(Die befragten Firmen hatten mindestens einen Angestellten.)

Artikel
Kommentare
3
Unregistriert 18.02.2013

Gab es hier nicht bereits früher eine Diskussion zu diesem Thema? Vielleicht verwechsle ich es auch mit einem anderen Forum. Mein (damaliges) Fazit bleibt: - Es ist ein gesellschaftliches und kein bürokratisches oder persönliches Problem. - Viele würden gründen, wenn sie wüssten, dass nach dem Scheitern ein normales abhängiges Beschäftigungsverhältnis unkompliziert möglich ist. - In der Gesellschaft und den meisten Unternehmen (HR-Abt) wird aber das Scheitern mit einem Stigma belegt, statt es als Chance zu sehen (Nämlich etwas daraus gelernt zu haben wovon das neue Unternehmen profitieren kann) - Das belegt auch der Graph. Deutschland als einziges Land in dem die Angst des Scheiterns (deutlich) größer ist als die Alternativen (Karriereoption bzw. Selbstvertrauen) http://www.harvardbusinessmanager.de/fotostrecke/fotostrecke-90536-3.html

Gast 19.02.2013

Gesellschaftliches Problem
Ich sehe die Problematik noch etwas differenzierter als mein "Vorredner". Sicherlich gibt es Einzelfälle, die nach einer "gescheiterten" Selbständigkeit einen Job in Festanstellung suchen und durch die Vorgeschichte einen Vorteil anderen Mitbewerbern gegenüber haben. Leider sind das aber wohl eher Einzelfälle und somit auch nur Ausnahmen. Ich habe das Gefühl, dass der Versuch, sich neben einer Festanstellung eine selbständige Existenz aufzubauen, in den Unternehmen eher als Bedrohung denn als Chance angesehen werden. Ist es ein guter Mitarbeiter, der in seiner Selbständigkeit auch Erfolg hat, sieht man die Gefahr, ihn zu verlieren. In anderen Fällen sehen viele Vorgesetzte und HR-Abteilungen den Grund in der eigenen Selbständigkeit des Arbeitnehmers, wenn etwas mal nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat. Sprich, selbst "Flüchtigkeitsfehler", die in stressigen Phasen einmal vorkommen können, werden dann auf die Selbständigkeit geschoben und man unterstellt dem Mitarbeiter, er sei nicht mehr ganz bei der "eigentlichen Sache". Wenn dieses Verständnis erst einmal gegeben wäre, wäre vieles einfacher. Aber dieses Umdenken werden wir wohl alle nicht mehr erleben, so dass diese Punkte einfach ein entscheidender Beitrag für potentielle Existenzgründer bleiben werden.

Unregistriert 22.02.2013

Scheitern und das Christentum
Dies hat sehr viel mit der verlorenen Religion Europas zu tun. Im Christentum ist "Scheitern" nicht das Ende sondern der Anfang der persönlichen Weiterentwicklung - die viel christlicheren Amerikaner können darum viel besser mit dem Scheitern umgehen. Im ach so vernünftigen Europa gibt es diese Denkdimension überhaupt nicht mehr, sie endete um 1914. Dazu: http://recognoscere.wordpress.com/2011/11/29/der-unternehmensgeist-und-sein-grund-im-christentum/ gruss ein Christ

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