"Ich wollte mein Glück weitergeben"

Fünf Minuten mit ... Steffi Graf:

Heft 11/2012

HBM: Frau Graf, Tennis hat lange Ihr Leben bestimmt. Ist Ihnen der Abschied schwergefallen?

Graf: Nach 17 Jahren Profisport und der damit einhergehenden emotionalen und physischen Anstrengung habe ich mich sehr auf etwas mehr Ausgewogenheit in meinem Leben gefreut. Ich hatte bereits während meiner Karriere viele Pläne für die Zeit danach geschmiedet - wie etwa mich noch intensiver für meine Stiftung Children for Tomorrow einzusetzen, auf Reisen zu gehen und einfach mal Neues zu erleben. So war der Übergang zu diesem neuen Lebensabschnitt für mich relativ einfach - zumal ich noch dazu das Glück hatte, genau in dieser Phase meinen Ehemann kennenzulernen.

Der Legende nach war Stefanie Graf drei Jahre alt, als sie erstmals einen Tennisschläger in die Hand nahm. Im Laufe ihrer Tenniskarriere gewann Graf 22 Grand-Slam-Turniere und war 377 Wochen lang die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste.1999 verabschiedete sie sich vom Profisport. Heute lebt die 43-Jährige mit ihrem Ehemann Andre Agassi, ebenfalls eine Tennislegende, und ihren beiden Kindern in Las Vegas.
Manfred Klimek / ASAblanca

Der Legende nach war Stefanie Graf drei Jahre alt, als sie erstmals einen Tennisschläger in die Hand nahm. Im Laufe ihrer Tenniskarriere gewann Graf 22 Grand-Slam-Turniere und war 377 Wochen lang die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste.1999 verabschiedete sie sich vom Profisport. Heute lebt die 43-Jährige mit ihrem Ehemann Andre Agassi, ebenfalls eine Tennislegende, und ihren beiden Kindern in Las Vegas.

HBM: Sie haben die Stiftung Children for Tomorrow initiiert und eine Fitnesskette für Frauen mitbegründet: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, wofür Sie sich einsetzen?

Graf: Der Tennissport gab mir besondere Privilegien: Durch ihn bin ich heute in der luxuriösen Situation, mir meine Zeit und den Alltag weitgehend frei und nach meinen persönlichen Interessen einteilen zu können. Heute haben für mich meine Rolle als Mutter und Ehefrau und die Arbeit für meine Stiftung Children for Tomorrow ganz klar Priorität. Mir ist es wichtig, meine begrenzte Zeit für Projekte einzusetzen, mit denen ich das Leben anderer Menschen positiv beeinflussen kann - auch, weil ich gern etwas von dem Glück weitergeben wollte, das mir im Leben zuteil wurde.

Ein Beispiel ist die von mir vor 14 Jahren gegründete Stiftung Children for Tomorrow, die Kindern und Familien, die Opfer von Krieg, Verfolgung, Flucht und organisierter Gewalt geworden sind, psychotherapeutische Behandlungen ermöglicht. Meine anderen Engagements sind entweder bereits während meiner Tenniskarriere oder durch meine Erfahrungen im Fitness und die Gründung von Miss Sporty entstanden.

HBM: Auf welche Ihrer Errungenschaften jenseits des Tennisplatzes sind Sie besonders stolz?

Graf: Neben meiner Familie schaue ich mit großem Stolz auf meine Stiftung, bei der die Eröffnung des Stiftungszentrums auf dem Gelände des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf - neben unseren lokalen Projekten in Eritrea, Uganda und dem Kosovo - ein wichtiger Meilenstein war. Dank dieses Zentrums können wir noch mehr Flüchtlingskindern Hilfe und innovative Projekte anbieten, wie etwa unsere "mobile Sprechstunde", bei der Ärzte in Flüchtlingsunterkünfte und Schulen gehen und dadurch auch Kinder erreichen, die den Weg zu uns nicht allein finden. Aber mit jedem Erfolg in der Stiftungsarbeit sieht man zugleich auch die vielen hilfsbedürftigen Kinder, die wir noch nicht erreichen konnten. Das ist für uns alle ein enormer Ansporn.

HBM: Sie sind eine Tennislegende: Empfinden Sie Ihren Bekanntheitsgrad als Fluch oder als Segen?

Graf: In Las Vegas schätzen wir es sehr, im Kreise unserer Familie und Freunde ein normales und ruhiges Leben ohne viele Fotografen führen zu können. Aber natürlich ist die mediale Aufmerksamkeit auch ein Geschenk, weil wir sie zum Wohle unserer Stiftungen nutzen können - etwa wenn ich bei Schaukämpfen auf dem Tennisplatz Spenden sammele.

Mit Steffi Graf sprach Gesine Braun, Redakteurin des Harvard Business Managers.

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