Bildung als Berufung

Vordenker:

Von Stefanie Bilen
Heft 11/2012

Bildung als Berufung: Horst Albach und seine Verdienste als Mittler zwischen Theorie und Praxis
Andreas Gefe

Bildung als Berufung: Horst Albach und seine Verdienste als Mittler zwischen Theorie und Praxis

Werk und Wirkung

Dass Horst Albach einmal Aktionär von Ebay werden würde, hatte er nicht geplant. Und doch findet er es in gewisser Weise folgerichtig, da ihm Gründung und Wachstum von Organisationen Zeit seines Lebens am Herzen gelegen haben. Als Gründungsmitglied der privaten Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung, der WHU, hatte Albach Ende der 80er Jahre den Stiftungslehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Organisationstheorie inne. Dort gehörte Oliver Samwer zu seinen Studenten, der spätere Internetunternehmer. Albach betreute Samwers Diplomarbeit - und unterstützte ihn danach finanziell. Der Gründer überzeugte den Professor, "ziemlich viel Geld" in sein Start-up Alando, das deutsche Ebay-Pendant, zu investieren, wie Albach im Gespräch mit dem Harvard Business Manager sagt. Ein kluger Schachzug des Jüngeren: Kurz nach Albachs Zusage rief ein Wagniskapitalgeber beim Professor an und erkundigte sich nach Samwers Leumund. Dass Albach berichten konnte, dass er ihm gerade Geld gegeben hatte, wirkte. Der Finanzinvestor stieg bei Samwer ein.

Inzwischen wurde Alando von Ebay übernommen, Samwer hat etliche neue Firmen gegründet - und Albach ist bis heute Aktionär von Ebay. "Samwer hat ein untrügliches Gespür für den richtigen Zeitpunkt seiner Entscheidungen", sagt der heute 81-jährige Albach. "Das ist bewundernswert. Denn die Wissenschaft kann dies den Studierenden nicht vermitteln." Es gebe keine Empfehlungen für das perfekte Investitions-, Verkaufs- oder Expansions-Timing.

Mit diesen Themen hat sich Albach, Schüler von Erich Gutenberg, dem Begründer der modernen deutschen BWL, lange beschäftigt und ist darüber selbst zum Grandseigneur seines Fachs geworden: Mit der dynamischen Theorie der Unternehmung - mit Arbeiten zur Investitions- und Finanztheorie, zur Arbeitswissenschaft oder der Produktionsplanung.

Mann der Praxis

Seine Veröffentlichungen haben ihm etliche Mandate von Firmen und Organisationen eingebracht, etwa vom Europäischen Gerichtshof (zu Wettbewerbsfragen), von der Deutschen Telekom (zum Kostenrechnungssystem) und der Deutschen Bahn (zur Privatisierung).

Albachs Tätigkeit im Wissenschaftsrat Mitte der 70er Jahre hat seine Laufbahn besonders geprägt: Der Begriff der Bildungskatastrophe kursierte seit Jahren im Land, die Politik wollte gegensteuern. Der Rat erstellte ein Gutachten über Reformen im tertiären Bildungsbereich, das jedoch nie umgesetzt wurde. "Deshalb habe ich die Herausforderung angenommen, unsere Ideen selbst umzusetzen", sagt Albach.

Er ließ sich von der Universität Bonn beurlauben und engagierte sich auf Initiative der IHK Koblenz bei der Gründung der WHU, die heute in Vallendar nahebei sitzt. "Wissenschaftliche Grundlagen kombiniert mit Praxisorientierung" nennt der Wissenschaftler die Ausrichtung, "ergänzt um Internationalität und Persönlichkeitsbildung." Albach glaubt, dass es ungleich schwerer ist, sich international zu behaupten, als im Vergleich zu den deutschen Hochschulen gut abzuschneiden. Nach seinem Urteil ist es der WHU aber gelungen: "Wenn bedeutende internationale Universitäten unsere Studierenden am liebsten behalten würden, spricht das für sich."

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