Von Jody Greenstone Miller und Matt Miller
Ed Trevisani verbringt nach Schulschluss gern Zeit mit seinen Söhnen. Er betätigt sich ehrenamtlich als Pfadfinderleiter, sitzt in gemeinnützigen Ausschüssen und unterrichtet Management an verschiedenen Unis im Umkreis von Philadelphia. Manchmal sieht man ihn mitten in der Woche an einem schönen Tag gemütlich hinter seinem Haus auf der Veranda sitzen. Kein schlechtes Leben für einen Mann, der immer noch so viel verdient wie zu seinen Zeiten als Partner bei IBM und PricewaterhouseCoopers.
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Bezeichnen wir Trevisani als Super-Zeitarbeiter (Englisch: Supertemp). Genau wie andere seines Schlages gehört er zur "Free Agent Nation", die Bestsellerautor Daniel Pink vor zehn Jahren ins Interesse der Öffentlichkeit gerückt hat. Allerdings bewegen sie sich in einem höchst exklusiven Umfeld. Super-Zeitarbeiter sind Topmanager und Experten - Anwälte, Finanzfachleute, Berater -, die Spitzenunis besucht und in führenden Unternehmen gearbeitet haben, bevor sie sich dazu entschlossen, ihre Laufbahn unabhängig von einer bestimmten Firma auf Projektebene zu verfolgen. Unternehmen vertrauen ihnen immer wichtigere Aufgaben an - Tätigkeiten, die früher von fest angestellten Mitarbeitern oder etablierten Fremdfirmen erledigt wurden. Neue Vermittler sind auf der Bildfläche erschienen, die einen Markt für herausragende Talente schaffen. Die Zahl der Super-Zeitarbeiter steigt stetig an, und wir sind überzeugt davon, dass sie das Wirtschaftsleben schon bald nachhaltig verändern werden.
Die meisten Super-Zeitarbeiter sind aus großen Unternehmen, Anwaltskanzleien und Unternehmensberatungen geflüchtet. Sie wissen die Autonomie und Flexibilität der befristeten oder projektbasierten Arbeit zu schätzen und stellen fest, dass die Vergütung mit dem vergleichbar ist, was sie in Festanstellung verdient haben. Manchmal bekommen sie sogar mehr. Den endlosen internen Meetings und Intrigen haben sie den Rücken gekehrt. Trevisani schätzt, dass die früher 30 bis 40 Prozent seiner Arbeitszeit ausmachten. Jetzt, zehn Jahre nach seinem Absprung in die freie Tätigkeit, stürzt er sich mit ganzem Elan in fesselnde Aufgaben, die all sein Können fordern: Interimsgeschäftsführer für eine internationale Handelsgesellschaft, Entwicklung einer M&A-Strategie für ein weltweit tätiges Industrieunternehmen, Leitung der IT-Auswahl für eine globale Versicherungsfirma. Die Verwaltung seiner Arbeitskraft nimmt vergleichsweise wenig Zeit in Anspruch. "Ich bin selbstständig, weil es mir Spaß macht und ich Führungskräften zum Erfolg verhelfen kann", so Trevisani. Dass er zudem einfach so beschließen kann, zwei Monate auszusetzen, um sich seiner Familie zu widmen oder mit ihr zu verreisen, ist da nur das Sahnehäubchen.
In den Medien oder im Bewusstsein der Unternehmen wird diese Veränderung hoch qualifizierter Arbeit kaum thematisiert, wir erfahren nur selten etwas über die Ed Trevisanis dieser Welt. Stattdessen werden wir mit Bildern der gegenteiligen Entwicklung gefüttert - im vergangenen Jahr etwa von einer "Newsweek"-Titelgeschichte über Männer mit Ivy-League-Abschluss und perfektem Lebenslauf, die im Anschluss an die Rezession keine neue Stelle fanden und deren Schicksal die Autorin des Beitrags an gestrandete Wale erinnerte. In dieselbe Kerbe schlagen Headlines über die steigende Zahl von "Dauer-Zeitarbeitern", die sich von einem schlecht bezahlten Auftrag zum nächsten hangeln.
Wir sollten hier ausdrücklich sagen, dass wir keineswegs objektive Beobachter dieses Phänomens sind. Jody ist CEO der Business Talent Group (BTG), einer Firma, die seit fünf Jahren Führungskräfte und Experten als Berater und Zeitarbeiter an Unternehmen vermittelt. Trevisani und einige andere, die in diesem Beitrag zitiert werden, haben mit BTG zusammengearbeitet. Matt wiederum ist ein typisches Beispiel für die selbstständigen Experten im BTG-Pool: ein Kolumnist, Autor und Radiomoderator, der zum Berater wurde und seit zehn Jahren mit dieser Tätigkeit den größten Teil seines Einkommens auf Projektbasis verdient. Dank unserer besonderen Perspektive wissen wir um die Veränderungen traditioneller Arbeitsmodelle durch die neuen Bedürfnisse von Topmitarbeitern und den gewandelten Bedarf von Unternehmen im 21. Jahrhundert. Hat sich der Staub, den diese Umbrüche aufgewirbelt haben, erst einmal gelegt, werden unsere herkömmlichen Ansichten über Elitekarrieren, Unternehmen und die Wirtschaft keine Gültigkeit mehr haben.
Vielen Dank wieder fuer einen interessanten Beitrag. Das ist tatsaechlich sehr interessant, um ueber das Unternehmen der Zukunft nachzudenken. Ein aktuelles Thema, sicher heutzutage! Im untenstehenden Artikel aus dem Jahre 2010 finden Sie weitere Gedanken zum Thema : Social Medien und Social Companies. http://www.fransvanderreep.com/wp-content/uploads/2012/06/FIVEA11-02-10-ART-SocialMediaandSocialCompanies-vanderreep-final.pdf.pdf Daneben lesen Sie [...] mehr...
Kann ich nicht bestätigen. Contractor-Jobs in der Pharmaindustrie sind z.B. hervorragend bezahlt. Es kommt eben drauf an, was man bieten kann. Grundsätzlich ist der Vorteil, nach Ablauf des Projektes den Mitarbeiter nicht zwingend weiterbeschäftigen zu müssen, ein geldwerter Vorteil, der durchaus auch vergütet wird - bzw. umgekehrt für den Contractor das Risiko, sich nach 12 oder 18 Monaten sich was neues suchen zu müssen. mehr...
Kenner der Szene wissen: Amerika und amerikanische Unternehmen sind keine Trendsetter für Europa und schon gar nicht für das deutschsprachige Europe, wo die Situation tatsächlich den zitierten Headlines über "Schlecht bezahlte aber hochqualifizierte Zeitarbeiter" gleicht. Davon ist ein Grossteil der Babyboomer Generation betroffen. Meine Empfehlung: berücksichtigen Sie in den Artikeln bei der Übersetzung doch gleich auch die europäische [...] mehr...