HBM: Was hat Sie motiviert, einen derart ehrgeizigen langfristigen Plan zu verkünden?
Polman: Wir haben über weltweite Megatrends wie die Verschiebung des Bevölkerungswachstums Richtung Osten und die zunehmende Nachfrage nach Ressourcen diskutiert. Dann hatten wir die Idee, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, von dem Gesellschaft und Umwelt profitieren, statt sie zu belasten.
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Polman: Wir betrachten den gesamten Lebenszyklus der Produkte - vom Bodenverbrauch bis zur Entsorgung - mit etwa 50 messbaren Einzelzielen über die ganze Wertschöpfungskette hinweg. Wir wollen unseren gesamten ökologischen Fußabdruck verkleinern, unsere landwirtschaftlichen Rohstoffe aus nachhaltigen Quellen beziehen und einer Milliarde Menschen dabei helfen, Zugang zu Nahrung zu bekommen und ihren Lebensstandard zu verbessern.
HBM: Ist es wirklich die Aufgabe von Unternehmen, sich um diese Dinge zu kümmern?
Polman: Rund um die Welt gibt es klare Anzeichen für die Belastung der Umwelt, an der aber vermeintlich immer die anderen schuld sind. Es gehen noch immer eine Milliarde Menschen hungrig ins Bett, und alle sechs Sekunden verhungert ein Kind. Mit dem Kapitalismus in seiner heutigen Form haben wir einiges erreicht, aber er löst nicht alle Probleme. Wir sind überzeugt: In Zukunft werden die Unternehmen Erfolg haben, die verantwortungsbewusst handeln und den Einsatz für das Gemeinwohl in ihr Geschäftsmodell integrieren.
HBM: Aber gefährden Sie nicht Ihr Kerngeschäft, wenn Sie derartige Verpflichtungen eingehen?
HBM: Ist das nicht eine grundlegende Wende für Unilever?
Polman: Wir haben als Unternehmen eine lange Geschichte verantwortungsvollen Handelns. Als im 19. Jahrhundert William Lever sein Unternehmen gründete, aus dem später Unilever hervorging, gab es in Großbritannien große Hygieneprobleme. Also erfand Lever Seife in Stücken - nicht um mehr Geld zu verdienen, sondern weil im viktorianischen England jedes zweite Baby nicht älter als ein Jahr wurde. Das wurde zur Grundlage für die Werte des Unternehmens, und auf die müssen wir aufbauen. Bevor wir das Programm gestartet haben, bezogen wir nur 10 Prozent unserer Ausgangsmaterialien aus nachhaltigen Quellen. Jetzt, nach nur einem Jahr mit anspruchsvollen Zielen, sind es schon 24 Prozent.