"Bisweilen wäre ich gern seriöser"

Fünf Minuten mit... James Patterson:

Heft 8/2012

HBM: Was ist Ihre größte Stärke?

Patterson: Wenn es um das Lösen von Problemen geht, bin ich ziemlich kreativ. Kreativität geht häufig nicht mit der Fähigkeit zum analytischen Denken einher. Bei mir ist das anders - ich habe die Fähigkeit zu träumen und kann nichtsdestotrotz einen Schritt zurücktreten und mich fragen, ob das, was ich ausspinne, eigentlich irgendjemanden interessieren wird. Würde meine Mutter es spannend finden? Oder ein x-beliebiger Zugreisender? Diese Fähigkeit ist gewiss auch meinen Erfahrungen in der Welt der Werbung geschuldet, wo man sich ja permanent darüber Gedanken macht, wie Menschen reagieren werden. Ich hatte zum Glück immer einen guten Instinkt dafür, was Menschen bewegt.

Einige der Werke von James Patterson wurden verfilmt, etwa die beiden Thriller "... denn zum Küssen sind sie da" und "Im Netz der Spinne" mit Morgan Freeman.
Brian Smith

Einige der Werke von James Patterson wurden verfilmt, etwa die beiden Thriller "... denn zum Küssen sind sie da" und "Im Netz der Spinne" mit Morgan Freeman.

HBM: Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ihren Koautoren aus?

Patterson: Daran ist nichts wirklich Bahnbrechendes. Die Zeitungen, das Filmgeschäft - sie alle sind ja voll von Teams. Ich schreibe eine erste Gliederung, vielleicht 70 Seiten, sehr detailliert und konzentriert. Die bekommt dann der Koautor für einen ersten Entwurf, den ich mir alle paar Wochen mal anschaue. Ich drehe dann noch etwa zwei bis sieben weitere Runden, bin aber, glaube ich, insgesamt ziemlich verträglich in der Zusammenarbeit. Ich halte nicht viel von Erbsenzählern. Zudem ist der Job gut bezahlt. Bisher sind alle Koautoren sehr zufrieden, es hat noch niemand gekündigt.

HBM: Sie sind mit Mystery-Geschichten bekannt geworden. War es risikoreich, sich an andere Genres heranzutrauen?

Patterson: Im Geschäftsleben neige ich dazu, Regeln infrage zu stellen. Im Verlagswesen hieß es etwa: Man macht keine Fernsehspots, weicht die Grenzen zwischen unterschiedlichen Genres nicht auf und bringt nicht mehr als ein Buch pro Jahr heraus. Aus meiner Sicht ergab das längst nicht immer Sinn. Die Verleger sahen mich als Mystery-Schreiber, ich selbst hatte jedoch immer das Gefühl, dass ich meine Leser vor allen Dingen dadurch erreiche, dass ich Bücher schreibe, die man schwer aus der Hand legen kann, die fesseln und deren Hauptcharaktere einen emotional packen. Deswegen war ich überzeugt, dass ich auch in der Lage war, Liebesgeschichten und historische Romane zu schreiben.

HBM: Wie bleiben Sie produktiv?

Patterson: Mir fiel Multitasking schon mein ganzes Leben lang leicht. In meinem Büro liegen stapelweise Manuskripte. Der Tag ist eine Mischung aus schreiben, skizzieren und Hintergrundgesprächen. Es sind alles Dinge, die ich gern aufschreiben will, das macht es einfacher. Wenn Sie zwei Aufgaben lieben und drei hassen, werden Sie immer Schwierigkeiten haben, von einem Job zum anderen zu wechseln. Ich kann immer das tun, was ich will. Ich bin etwa nie in der Situation, James Patterson interviewen zu müssen, wenn mir nicht danach ist.

HBM: Trifft Sie der Vorwurf, zu kommerziell zu sein?

Patterson: Anfangs hatte ich zu 95 Prozent positive Kritiken, mit wachsender Popularität wurden sie durchwachsener. Dabei kann jedes meiner Bücher mit einem guten Film oder einer TV-Show mithalten. Bisweilen wäre ich gern seriöser. Aber selbst dann hätte ich gemischte Kritiken. Einige Menschen wollen mir an den Karren fahren, unabhängig davon, was ich tue.

Mit James Patterson sprach Alison Beard, Redakteurin der "Harvard Business Review".

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