Von H. Irving Grousbeck
Auf dem Display von Matthew Sparks Telefon erschien der Name "Kid Spectrum, Inc". Es war jemand aus dem Büro in Orlando, wahrscheinlich die Verwaltungsdirektorin Ellen Larson. Sie meldete sich täglich bei Spark, seitdem er den Anbieter ambulanter Pflege- und Betreuungsdienstleistungen für autistische Kinder vor acht Monaten gekauft hatte. Er schätzte Larsons Eifer, ihm beim Aufbau des Geschäfts zu helfen, auch wenn sie manchmal ein wenig anstrengend war. Arthur Hamel, der Vorbesitzer von Kid Spectrum, hatte Spark prophezeit, dass Larson mit ihrer fast 20-jährigen Erfahrung im Gesundheitswesen eine seiner wichtigsten Stützen im Unternehmen sein würde.
"Matthew, Ellen am Apparat. Ich will Sie nicht schon wieder belästigen, aber wir haben hier ein Problem."
Matthew Spark lehnte sich in seinem Sessel zurück und wappnete sich. Bei dem Problem konnte es sich um alles Mögliche handeln, von fehlendem Toner für ein Kopiergerät bis zu einem Brand im Bürogebäude.
"Ich rufe wegen Ronnie Emerson an", sagte sie.
Emerson war der Leiter des medizinisch-therapeutischen Fachdienstes in Orlando. Spark hatte diese Position neu geschaffen, kurz nachdem er die Führung bei Kid Spectrum übernommen hatte. Emerson, dessen Sohn am Asperger-Syndrom litt, hatte sein ganzes Leben lang mit behinderten Kindern gearbeitet und war seit zehn Jahren im Unternehmen tätig.
Die anderen 40 Fachdienstmitarbeiter des Unternehmens suchten regelmäßig seinen Rat. Deshalb verstand es sich von selbst, ihm eine formale Führungsrolle zu übertragen.
"Er ist nicht der Richtige für den Job", sagte Larson jetzt.
"Das ist ein hartes Urteil", erwiderte Spark.
"Ich weiß, aber es trifft zu. Er wehrt sich immer noch gegen die neuen Vorschriften für die Arbeitszeiterfassung. Es gibt die Stundennachweise jetzt schon seit acht Monaten, er aber schafft es immer noch nicht, sie rechtzeitig auszufüllen. Sie wissen, welche Auswirkungen das auf die Leistungserstattung durch die Versicherungen hat. Und im Büro ist er so gut wie nie."
"Er soll 50 Prozent seiner Arbeitszeit bei den Kunden verbringen. Er hat ja immer noch Patienten."
"Es sind aber eher 95 Prozent. Ich habe ihn seit Donnerstag nicht mehr gesehen, und Sie wissen, dass ich immer im Büro bin."
Spark nahm an, dass Larson übertrieb, aber sicher war er sich nicht. Es erwies sich als schwierig, das in Florida ansässige Unternehmen von Chicago aus zu führen. Er hatte Kid Spectrum über einen Search Fund gekauft. Eine kleine Gruppe von Investoren aus Illinois hatte ihm Kapital zur Verfügung gestellt, um ein unterbewertetes Unternehmen zu finden und es rentabler zu machen. Bei diesem ersten Unternehmen hatten sie wegen Sparks Plan, es aus der Ferne zu führen, gezögert. Ein Investor hatte sogar vorgeschlagen, er solle für eine Weile nach Florida ziehen. Allerdings traf sich Spark weiterhin regelmäßig mit der Investorengruppe, um über andere potenzielle Investitionsmöglichkeiten zu beraten. Und seine Frau war nicht an einem Umzug interessiert. Sie hatten zwei Kinder unter fünf Jahren, und seine Frau wollte in der Nähe der Familie bleiben.
"Emerson versteht nicht, dass er jetzt eine Führungskraft ist", sagte Larson. "Nicht nur, dass er sich gegen unsere neuen Systeme sperrt, es scheint ihn auch nicht zu interessieren, wenn seine Mitarbeiter es tun. Ich meine, es kümmert ihn kaum, wenn sie sich krank melden. Nach dem Memorial Day fehlten 14 Mitarbeiter, und er hat nichts unternommen. Wir haben den ganzen Tag damit verbracht, Vertretungen zu suchen."
"Nun, das ist sicher nicht optimal", antwortete Spark. Er fürchtete seine mangelnde Erfahrung nicht verbergen zu können. Vor der Gründung des Search Funds hatte er vier Jahre bei einer Venture-Capital-Firma gearbeitet und war dann drei Jahre lang President eines Herstellers von Medizinprodukten gewesen, der zum Portfolio des Wagnisfinanzierers gehörte. Mit dem operativen Geschäft kam er zum ersten Mal bei Kid Spectrum in Berührung.
Spark bereute seine Worte sofort. Ellen Larson reagierte empfindlich, wenn jemand sie als verkrampft hinstellte.
"Haben Sie schon mit ihm darüber gesprochen?", fragte er schnell.
"Ich erwähne die Stundennachweise jedes Mal, wenn er anruft, und er verspricht stets, sich darum zu kümmern. Aber dann passiert nichts."
"Ich komme nächste Woche zu einem Treffen des Fachdienst-Teams", sagte Spark. "Dann werde ich mit ihm reden. Wie ich bereits sagte, ich brauche wirklich mehr Informationen."
"Nun, die werden Sie bei einem eintägigen Besuch kaum bekommen", erwiderte Larson. "Abgesehen davon wird er ihnen sagen, dass alles in Ordnung ist und dass das Fachdienst-Team mehr Zeit braucht, um sich mit den neuen Systemen vertraut zu machen. Aber aus meiner Sicht geht es nicht um mehr Zeit, sondern um mehr Einsatz. Wir in der Verwaltung haben es wirklich nicht leicht mit Ronnie Emerson."
"Ich sehe zu, dass ich länger bleiben kann, vielleicht ein oder zwei Wochen." Er war sich nicht sicher, wie seine Frau darauf reagieren würde, aber er wusste, es war wichtig. Er versuchte, das Gespräch zu beenden, aber Ellen Larson fuhr fort.
"Als Sie Kid Spectrum übernommen haben, sagten Sie, Sie wollten das Unternehmen effizienter und rentabler machen. Ich erinnere mich, dass Sie das bei unserem ersten Treffen im Konferenzraum und später in Ihrer Willkommens-Mail geäußert haben." Sie hatte zweifellos ein gutes Gedächtnis. "Ich versuche nur, Ihnen zu helfen, Ihr Versprechen in die Tat umzusetzen."