"Keine Aufgabe war mir zu armselig"

Fünf Minuten mit ... Christiane Amanpour:

Heft 7/2012

HBM: Sie gehören zu den weltweit bekanntesten Journalisten. Wie haben Sie Karriere gemacht?

Amanpour: Meinen ersten Job hatte ich bei einem kleinen TV-Sender in Providence. Die waren mutig genug, mich einzustellen - ich glaube, weil sie gespürt haben, dass es mir mit dem Journalismus wirklich ernst war. Ich wusste schon von klein auf, was ich werden wollte: Auslandskorrespondentin. Das ist heutzutage keineswegs selbstverständlich. Viele Schulabgänger vertagen die Entscheidung und gehen lieber erstmal aufs College.

Christiane Amanpour ist eine britisch-iranische Journalistin, die für den US-Nachrichtensender CNN aus dem Golfkrieg berichtet hat. Amanpour hat für ihre Reportagen zahlreiche Preise bekommen, unter anderem den renommierten Peabody Award, der in den USA jährlich für herausragende Leistungen in der Fernseh- und Hörfunkproduktion vergeben wird. Seit April 2010 ist Amanpour Anchorwoman beim US-Sender ABC, arbeitet aber auch noch für CNN.
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Christiane Amanpour ist eine britisch-iranische Journalistin, die für den US-Nachrichtensender CNN aus dem Golfkrieg berichtet hat. Amanpour hat für ihre Reportagen zahlreiche Preise bekommen, unter anderem den renommierten Peabody Award, der in den USA jährlich für herausragende Leistungen in der Fernseh- und Hörfunkproduktion vergeben wird. Seit April 2010 ist Amanpour Anchorwoman beim US-Sender ABC, arbeitet aber auch noch für CNN.

Am Ende hat sie wohl mein Ehrgeiz überzeugt, mein Sendungsbewusstsein und meine Bereitschaft, für mein Ziel wirklich alles zu geben - und wenn ich dafür bis ans Ende der Welt musste. Keine Aufgabe war mir zu armselig. Wenn sie mir eine Nummer zu groß zu sein schien, habe ich mich nur noch mehr angestrengt. Ich habe immer mein Bestes gegeben. Ich bin überzeugt, dass sich das langfristig auszahlt: Die Glaubwürdigkeit, die man ausstrahlt, hängt vom Grad der Erfahrung ab.

HBM: War die Tatsache, dass Sie eine Frau sind, Hindernis oder Motor für Sie?

Amanpour: Es war immer nur von Vorteil. Durch mein Frausein habe ich in manche Dinge Einblick bekommen, die Männern verwehrt geblieben wären. Trotzdem bemerke ich natürlich, dass es in der Wirtschaft viel zu wenige Frauen in Führungspositionen gibt. Ich persönlich bin mit meiner Position und Karriere sehr zufrieden, aber ich setze mich dennoch bewusst für Frauen ein, mit denen ich arbeite und dir mir folgen werden. Sie müssen genauso behandelt werden wie Männer. Und sie haben ein Recht, für den gleichen Job auch dasselbe Gehalt wie Männer zu beziehen.

HBM: Sie haben Dutzende von Führungspersönlichkeiten der Weltgeschichte interviewt. Was macht eine gute Führungskraft aus Ihrer Sicht aus?

Amanpour: Ein guter Anführer muss den Mut haben, für seine Überzeugungen einzustehen. Führen bedeutet auch, dass man nehmen und geben kann und in Verhandlungen nicht nur geht, um sein Ego zu befriedigen.

Was hat Nelson Mandela nach rund 28 Jahren Haft zu einem so großartigen Anführer gemacht? Er hielt nichts von Nullsummenspielen, und er war davon überzeugt, dass man sein Gegenüber nicht vernichten muss, wenn man gewinnen will. Um mit Frederik de Klerk, dem ehemaligen Präsidenten Südafrikas, verhandeln zu können, musste er die Denkweise der Weißen verstehen. Er musste Empathie zeigen, damit seine Verhandlungspartner ihm abnahmen, dass es ihm nicht um Vergeltung ging.

Ich habe auch in Palästina und Israel auf beiden Seiten Anführer gesprochen, die überzeugt waren, dass man, wenn man eine Sache für sich entscheiden will, die Geschichte seines Gegenübers kennen muss. Damit meinten sie nicht, dass man alles tolerieren muss, aber man sollte sich vergegenwärtigen, dass jede Partei und jeder Mensch eine eigene Sichtweise hat.

Meine Mutter ist Katholikin, mein Vater Muslim, mein Mann Jude. Ich bin sehr multikulturell aufgewachsen und habe mitunter in den gefährlichsten Landstrichen der Welt gelebt. Das Geheimnis von Beziehungen besteht darin, Extreme zu vermeiden und dafür am gemeinsamen Kern festzuhalten.

Mit Christiane Amanpour sprach Alison Beard, Redakteurin der "Harvard Business Review".

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Kommentare
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mayconsult 10.12.2012

Persönlichkeit kann man nicht lernen
"Ein guter Anführer muss den Mut haben, für seine Überzeugungen einzustehen. Führen bedeutet auch, dass man nehmen und geben kann und in Verhandlungen nicht nur geht, um sein Ego zu befriedigen." sagt Frau Amanpour: Recht hat Sie. Ein tolles Interview mit einer interessanten Frau, die das Leben kennt. Ihren Bewertungsmaßstab für gute Führung kann ich nur unterstreichen. Sicher subjektiv nehme ich aber wahr, dass gute Führung in der Praxis seltener geworden ist. Sowohl in Politik als auch bei Großunternehmen sind die Stromlinien-Manager auf dem Vormarsch, die vom Controlling-Gedanken durchdrungen sind und denen die gleichen MBA-Lehrinhalte vermittelt wurden. Controller schaffen keine Arbeitsplätze und keinen Sinn. Das schaffen nur wahre Unternehmer. Im HBM wurde einmal Jane Goodall interviewt, ebenfalls eine starke Frau. Diese wahre Unternehmerin beschrieb ich damals so: "Das tun, was man bewegen kann, Menschen mit Geschichten fesseln und durch eigenes Handeln überzeugen. Dazu Mut, Entschlossenheit und einen langen Atem aufbringen, um Veränderungsprozesse auch bei tief eingeschliffener Konditionierung zu erreichen. Einfach Klasse, Jane Goodall!" In Business-Schools lernt man, vorgelegte Fälle zu lösen. Persönlichkeit zu entwickeln ist ungleich schwerer und ein harter Kampf zwischen eigenen und fremden Werten. Diese beiden Frauen haben diesen Spagat bewundernwert geschafft. Michael May

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